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Alexandria Krug erforscht in ihrer Dissertation, wie Grundschüler:innen den Klimawandel verstehen und bewerten. Dabei stehen Fragen nach Gerechtigkeit, Verantwortung und ethischem Handeln im Mittelpunkt. Bei der DACH-Nachwuchsakademie 2026 für junge Bildungsund Erziehungswissenschaftler:innen aus unterschiedlichen Fachgebieten an der Universität Leipzig stellt sie ihr Forschungsthema in einem Science Slam-Beitrag vor. Vorab hat sie uns einige Fragen beantwortet:
Bereits in der Grundschule bilden sich Vorstellungen von Klimagerechtigkeit und Verantwortung. Welche Einsichten über die moralischen Überlegungen der Grundschüler:innen zum Klimawandel haben Sie in Ihrer Forschungsarbeit gewonnen?
Ich konnte in einer Pilotierungsstudie mit 12 Grundschüler:innen (8 bis 9 Jahre) über ihre Ansichten zum Klimawandel ins Gespräch kommen. Bereits hier zeichnete sich ab, dass sie sich primär um den Klimawandel kümmern wollen, weil sie Sorge um die Tiere und die Natur haben. Dabei sollen Menschen, die durch besonders klimaschädliches Verhalten zu einer Verstärkung des Klimawandels beitragen, Verantwortung übernehmen. Gleichzeitig betonten sie, dass sich alle Menschen gleich kümmern müssen, damit es besser wird und alle gut auf der Erde leben können. Dies hat sich in der qualitativen Hauptstudie mit 16 Kindern ebenfalls als Leitmodell herauskristallisiert.
Sie machen zudem Gerechtigkeitsaspekte in Bezug auf zukünftige Generationen geltend. Für diese müsse sich gegenwärtig um ein klimabewusstes Handeln bemüht werden, was sie sowohl von Individuen als auch auf einer kollektiven Ebene von Regierungen und der Wirtschaft fordern. Dies sind wichtige Erkenntnisse für eine transformative Unterrichtspraxis und die interdisziplinäre Gestaltung von Bildungsprozessen im Kontext von Nachhaltigkeit.
Für Ihre Arbeit mit Kindern haben Sie innovative Methoden genutzt: Wie haben Sie Kinderzeichnungen, Wimmelbilder und Cartoons in Ihre fachdidaktische Forschung integriert?
Mit Kindern ins Gespräch zu kommen über ihre Ideen, Ansichten, Vorstellungen und - wie ich es als theoretisches Konstrukt in meiner Forschung grundiere über ihre mentalen Modelle, also internen Repräsentationen der externen Welt, ist ein vielschichtiges Unterfangen. Mir ging es prinzipiell darum, die Kinder bestmöglich zu unterstützen, ihre Vorstellungen auf und mit unterschiedlichen Wegen (Repräsentationsformen) ausdrücken und deutlich machen zu können. In einer Zeichnung konnten sie ihre Äußerungen konkreter gestalten, mittels einer Lege-Map konnten sie auf kleinen Notizzetteln ihre Kernideen und Begriffe festhalten, haptisch legen und durch Pfeile grafisch verbinden. Ein Concept Cartoon mit kleinen Figuren und entsprechenden Statements aus der Klimaethik regte die Kinder zu einer diskursiven Auseinandersetzung an. Das Wimmelbild, das ich mit dem Grafiker Bertil Brahm entworfen habe, diente durch den Einsatz von kleinen Spielfiguren der Impulsgebung für weitere Überlegungen und Gedanken zur Verantwortung im Klimawandel. Diese innovative Verschränkung multimodaler Zugänge half, die Vorstellungen der Kinder für mich als Forschende und auch für sie selbst sozusagen ,,sichtund greifbarer" zu machen.
Worauf freuen Sie sich bei der DACH-Nachwuchsakademie an der Universität Leipzig besonders?
Auf den vielfältigen, interdisziplinären und bunten Austausch! Die DACH-Nachwuchsakademie hat 2022 das erste Mal im digitalen Raum stattgefunden und war damals schon eine großartige Begegnungsund Diskursmöglichkeit. Ich freue mich sehr, dieses Erlebnis nun im gemeinsamen Realraum mitgestalten zu können. Besonders gespannt bin ich auf die Themen, Fragen und auch Baustellen, die die jungen Wissenschaftler:innen mitbringen. Gerade zu Beginn der wissenschaftlichen Laufbahn ist der rege und stete Dialog mit Personen, die in einer ähnlichen Situation sind, äußerst wertvoll, unterstützend und empowernd, was besonders auf der DACH-Nachwuchsakademie in einem wertschätzenden und kreativen Kooperationsprozess gelebt wird. Am allermeisten freue ich mich allerdings auf die vielen, sicherlich sehr inspirierenden Beitragsformate, wie den Science Slam und das Walking Colloquium sowie deren entsprechenden Inhalte. Und zum Schluss natürlich auch auf das informellere Social-Programm, bei dem es sicherlich genauso lustig wird wie beim Science Slam.
Über die Konferenz:
Die DACH-Nachwuchsakademie richtet sich an junge Wissenschaftler:innen an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen, die am Anfang ihrer wissenschaftlichen Laufbahn in der empirischen Bildungsforschung stehen. Hierbei können die empirischen Arbeiten aus Fachgebieten der Bildungswissenschaften, Fachdidaktiken, Bildungspsychologie oder der Pädagogik stammen. Außerdem gibt es ein breites Workshopund interdisziplinäres Qualifikationsangebot.
In diesem Jahr findet die Konferenz vom 23. bis 27. Februar an der Universität Leipzig auf dem Campus Jahnallee statt. Sie wird gemeinsam mit der PH Bern und der Universität Wien in einem DACH-Verbund von Erziehungswissenschaftlichen Fakultäten organisiert.
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