Gesundheit und Nachhaltigkeit gemeinsam gestalten

- EN- DE
Gesundheit und Nachhaltigkeit gemeinsam gestalten: ,,An Hochschulen tragen wir eine doppelte Verantwortung"

Etwa 60 Führungskräfte, Beschäftigte und Studierende der Thüringer Hochschullandschaft tauschten sich bei der 5. Fachtagung des Projekts ,,Gesunde Hochschulen in Thüringen - Austauschforum Von Hochschule für Hochschule’" am 4. März an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach in Gera dazu aus, wie in Zeiten des Wandels die Studienund Arbeitsumgebung gesundheitsfördernd und klimafreundlich gestaltet werden kann. Wir haben mit Projektleiterin Andrea Krieg, Leiterin des Referats Gleichstellung, Diversität und Gesundheit an der TU Ilmenau, über die besondere Verantwortung der Hochschulen als Arbeitsund Lernort für rund 164.000 Menschen in Thüringen gesprochen - und die Chance, die eine hochschulübergreifende Zusammenarbeit im Bereich Gesundheit und Nachhaltigkeit bietet.

Das Austauschforum ,,Von Hochschule für Hochschule" ist ein Zusammenschluss von zehn Thüringer Hochschulen und dem Studierendenwerk Thüringen. Welche Bedeutung hat das Netzwerk für die Förderung von Gesundheit an den Hochschulen?

Im Austauschforum geht es, wie der Name schon sagt, vor allem um Austausch, also darum voneinander zu lernen, sich zu stärken und gemeinsame über die aktuellen Herausforderungen nachzudenken. Im Fokus stehen dabei sowohl Maßnahmen für gesunde Mitarbeitende und Studierende als auch die Schaffung von gesundheitsförderlichen Strukturen und Rahmenbedingungen.

Jede Hochschule hat ein eigenes Gesundheitsmanagement und eigene Wege der Umsetzung. Gerade der Austausch über unterschiedliche Herangehensund Sichtweisen macht das Forum so wertvoll. Derzeit beschäftigen uns sehr viele Themen, darunter steigende Krankenstände und Fehlzeiten, Stressbelastungen, Neurodiversität, Umgang mit den bestehenden Krisen, Hitzeschutz etc., um nur Einiges zu nennen.

Was konnte das Netzwerk seit seiner Gründung 2017 in diesem Bereich bereits erreichen?

Mit dem Start des Projekts gab es nur wenige Hochschulen in Thüringen, die sich mit dem Thema Gesundheitsförderung beschäftigt und dies als wesentliche Voraussetzung für gesunde Arbeitsund Studienbedingungen erkannt und umgesetzt haben. Mittlerweile hat jede dieser Hochschulengesundheitsfördernde Maßnahmen initiiert und/oder ein Gesundheitsmanagement etabliert. Das ist, denke ich, ein Ergebnis des Netzwerkes. Wir haben mit drei Vertreter*innen von Hochschulleitungen auch Mitglieder im Forum, die Gesundheit als ein strategisches Handlungsfeld sehen - das motiviert uns für die gemeinsame Arbeit.

Auch wurde im Forum ein gemeinsamer Kodex für gesunde Hochschulen in Thüringen entwickelt, eine Leitlinie zur Entwicklung von Strategien zur Gesundheitsförderung sowie Impulsen zur Gestaltung einer gesunden Hochschule. Außerdem ist es uns als Vertretung der Thüringer Landespräsidentenkonferenz (TLPK) in der Landesgesundheitskonferenz gelungen, die Studierenden überhaupt als Zielgruppe in den Fokus zu nehmen. Mit der Weiterentwicklung des Projekts wurden auch die Studierenden als Zielgruppe einbezogen und der partizipative Gedanke weiter umgesetzt.

Inwiefern profitieren die Thüringer Hochschulen von der Zusammenarbeit im Netzwerk?

Eins der größten Benefits im Netzwerk ist der konkurrenzfreie Austausch. Das bestätigen auch die Mitglieder im Netzwerk immer wieder. Vonund miteinander zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und darüber zu berichten, was gelingt und was nicht funktioniert hat, ist äußerst wertvoll. Dazu kommen regelmäßige Arbeitstreffen, thematische Arbeitsgruppen und Experten-Inputs zu Gesundheitsthemen, die die Hochschulen bewegen.

Wir haben beispielsweise eine Unterarbeitsgruppe für Führungskräfte. Hier treffen sich hochschulübergreifend Führungskräfte zum Thema ,,gesunde Führung". Die Idee dahinter ist zum einen hochschulübergreifender Austausch und Vernetzung und zum anderen aber auch, die Führungskräfte als Gesundheitsmultiplikatoren zu gewinnen, die das Thema in ihre Hochschule tragen.

Im letzten Jahr wurde zudem rund um den Tag der seelischen Gesundheit für interessierte Hochschulen eine gemeinsame digitale ,,Mental Health Week" angeboten. Da es sich um ein Online-Angebot handelte, konnten die Mitglieder der Thüringer Hochschulen unkompliziert daran teilnehmen. Ein weiteres Angebot ist eben die Jahrestagung, von der alle Mitgliedshochschulen profitieren.

Gegenstand der 5. Fachtagung des Austauschforums, die gerade zu Ende gegangen ist, war die Frage, wie sich Gesundheit und Nachhaltigkeit gemeinsam gestalten lassen. Warum ist es so wichtig, diese scheinbar getrennten Themen zusammenzudenken und hochschulübergreifend zu adressieren?

Die beiden Themen ,,Gesundheit und Nachhaltigkeit" könnten kaum aktueller und relevanter sein. Zwei Themen, die auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, sind in Wahrheit eng miteinander verwoben. Gesundheit und Nachhaltigkeit beeinflussen und bedingen sich gegenseitig - sowohl im individuellen als auch im gesellschaftlichen Kontext.

Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur, die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu schonen. Es bedeutet auch, Strukturen zu schaffen, die langfristig das Wohlbefinden fördern. Denn nur in einer gesunden Umwelt können wir auch als Menschen gesund bleiben. Genauso gilt: Nur wer gesund ist, kann langfristig nachhaltig handeln.

Besonders an Hochschulen tragen wir eine doppelte Verantwortung: Einerseits haben wir die Aufgabe, eine gesunde und förderliche Lernund Arbeitsumgebung zu schaffen. Andererseits müssen wir durch Bildung und Forschung die nächste Generation dazu befähigen, nachhaltige Lösungen für die globalen Herausforderungen zu entwickeln.

Auch die TU Ilmenau hat das Thema Nachhaltigkeit in ihren strategischen Entwicklungszielen verankert und möchte auf dem Weg zu einer ,,Sustainable Community" mit vielfältigen Maßnahmen aktiv zur Erreichung der 17 Nachhaltigkeitsziele, den so genannten Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen beitragen. Nachhaltige Veränderungen erfordern aber nicht nur (hochschul-)politische Maßnahmen, sondern auch Bewusstseinsund Verhaltensänderungen bei jedem und jeder Einzelnen. Prof. Müller, Vizepräsident für Internationale Beziehungen und Transfer der TU Ilmenau, hat bei der Podiumsdiskussion der Tagung gesagt: ,,Das Thema Nachhaltigkeit muss in den Köpfen sein, damit es gelebt werden kann." Ein Workshop der Fachtagung beschäftigte sich daher auch mit den so genannten Inner Development Goals. Was genau ist damit gemeint?

Mich hat die Idee der IDGs vom ersten Moment an angesteckt. Die Nachhaltigkeitsziele sind nur umsetzbar, wenn jeder Mensch die Verantwortung für sein Handeln übernimmt, und es bedarf eines Bewusstseins für unser Handeln. Die IDGs arbeiten mit fünf Kategorien - "Sein, Denken, Beziehung, Zusammenarbeit, Handeln" zur Selbsteinschätzung und zur persönlichen Weiterentwicklung.
Das Instrument ist vielfältig einsetzbar: individuell, in Teams und auf verschiedenen Ebenen. Und es beruht auf einem partizipativen Ansatz. Ich glaube, das durch ,,ins Gespräch kommen und gemeinsam nachdenken" schon viel erreicht werden kann.

Über das Projekt

Das Projekt Gesunde Hochschulen in Thüringen - Austauschforum " Von Hochschule für Hochschule " ist ein Netzwerk der Thüringer Hochschulen, des Studierendenwerks Thüringen sowie der Beauftragten für Gesundheitsförderung im Hochschulbereich, das 2017 ins Leben gerufen wurde. Als Gesundheitspartner fördert die Techniker Krankenkasse das Austauschforum sowohl finanziell als auch fachlich.