Der Gennari-Streifen (rechts bei sehenden Probanden, links bei blinden) zeigt sich im MRT als feine dunkle Linie in der um den Sulcus calcarinus (weiß) angeordneten primären Sehrinde. Zur eingriffslosen Untersuchung solcher extrem dünnen Strukturen am lebenden Menschen nutzen die Forscher einen Hochleistungs-Magnetresonanztomografen mit einer Feldstärke von 7 Tesla.
Auch im Gehirn von Geburt an blinder Menschen bildet sich in der Sehrinde der so genannte Gennari-Streifen und degeneriert trotz fehlender Sehinformation nicht. Das stellten Forscher um Robert Trampel vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften mit Hilfe der Magnetresonanztomografie fest. Der etwa 0,3 Millimeter dicke Strang von Nervenfasern ist demnach nicht nur für optische Informationen zuständig. Bei Blinden verarbeitet er möglicherweise in erhöhtem Maße taktile Reize. Das könnte zu einer Schärfung des Berührungssinns beitragen und etwa das schnelle Lesen von Braille-Schrift unterstützen. Der Gennari-Streifen durchzieht als gut sichtbare Linie die graue Substanz in der primären Sehrinde im visuellen Kortex des Gehirns. „Obwohl der visuelle Kortex zu den am meisten untersuchten Gebieten im Gehirn zählt, und der Gennari-Streifen eine recht auffällige Struktur ist, wurde bisher nie genauer erforscht, warum er sich bildet und was seine Funktion ist“, sagt Robert Trampel, Mitarbeiter der Abteilung Neurophysik am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften. „Vermutet wurde naheliegenderweise ein Zusammenhang mit dem Sehen“.
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