Wie die Chips von morgen entstehen, wurde jetzt in Bonn verhandelt

Symbolfoto - Die Mathematik und Ästhetik des Chipdesigns erlebt man in Bonn am b
Symbolfoto - Die Mathematik und Ästhetik des Chipdesigns erlebt man in Bonn am besten im Arithmeum in der Lennestraße. © Foto: Volker Lannert/Uni Bonn
Ohne leistungsfähige Mikrochips gäbe es keine Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz, keine vernetzten Autos und keine energieeffizienten Rechenzentren. An der Universität Bonn haben jetzt führende Forschende und Unternehmen aus aller Welt diskutiert, wie sich Chips schneller, präziser und künftig womöglich mit Hilfe von KI entwickeln lassen. Dass eine der wichtigsten Konferenzen des Fachs erstmals nach Europa kam und hier am Rhein stattgefunden hat, zeigt auch die Bedeutung des den Wissenschaftsstandortes Bonn.

Wenn Unternehmen wie NVIDIA, Apple, AMD, IBM, Infineon und Huawei nach Bonn kommen, geht es nicht etwa um ein bloßes Nischenthema für Fachleute. Es geht um eine Schlüsseltechnologie der digitalen Welt: die Entwicklung moderner Mikrochips. Gerade fand in Bonn die Fachkonferenz International Symposium on Physical Design (ISPD) statt, eine der weltweit wichtigsten Tagungen zur Planung und Optimierung im Chipdesign. In ihrem 35. Jahr fand sie erstmals in Europa statt - und überhaupt erst zum zweiten Mal außerhalb der USA.

 

Neue Methoden für das Chipdesign - auch mit KI

 

Die Frage, wie Chips schneller und effizienter entwickelt werden können, betrifft längst nicht mehr nur Labore und Entwicklungsabteilungen. Sie entscheidet mit darüber, wie leistungsfähig KI-Anwendungen werden, wie viel Energie Rechenzentren verbrauchen und wie wettbewerbsfähig Europa in einer Schlüsselindustrie bleibt. Genau darüber wurde in Bonn diskutiert: über neue Methoden für das Chipdesign, über 3D-Integration, photonische Schaltkreise, Quantenchips - und über die Rolle, die Künstliche Intelligenz künftig selbst in der Entwicklung dieser Bauteile spielen könnte. Wie die Reise in die Zukunft weitergehen könnte, dafür haben sich die Fachleute auf der Konferenz Ideen und Eindrücke verschafft.

Dass die Wahl auf Bonn als Austragungsort dieser Konferenz fiel, bestätigt die bedeutende Rolle als Standort für mathematische Optimierungsverfahren im Chipdesign. Die Veranstaltung mit mehr als 100 Teilnehmenden aus Wissenschaft und Industrie wurde von Stephan Held vom Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik der Universität Bonn mitorganisiert.

Prof. Held zog eine positive Bilanz des Treffens in Bonn: "Die Konferenz machte klar: Trotz rasanter Fortschritte in der Entwurfsautomatisierung der letzten Dekaden müssen auch in Zukunft bessere mathematische Modelle und Algorithmen entwickelt werden, um weitere Effizienzsteigerungen bei Computerchips zu erzielen."

 

Jahrzehntelange Erfahrung im Chipdesign

 

Das Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik ist Teil des Exzellenzclusters ,,Hausdorff Center for Mathematics". Es hat sich über Jahrzehnte als eines der weltweit führenden Zentren für kombinatorische Optimierung, diskrete Mathematik und deren Anwendungen im Chipdesign und in der Routenplanung etabliert. Ziel ist es, mathematische Methoden für praktische Anwendungen in der Mikroelektronik zu entwickeln und nutzbar zu machen - ein Forschungsgebiet von zentraler Bedeutung für die globale Halbleiterindustrie.

Die Bonner Forschenden arbeiten beim Chipdesign seit fast 40 Jahren eng mit dem Unternehmen IBM zusammen. Erst kürzlich haben die Partner ihre Kooperation ausgeweitet und nochmals intensiviert.