Umstrittene Technologie der Drei-Eltern-Babys könnte vor allem Jungen gefährden
Biologe der Universität Tübingen untersucht Risiken der Mitochondrien-Ersatztherapie in der Fortpflanzungsmedizin. Der Großteil des Erbguts menschlicher Zellen befindet sich im Zellkern, doch besitzen die Mitochondrien, die sogenannten Kraftwerke der Zelle, eigene Gene. Sie werden über die Eizelle ausschließlich von der Mutter an die Kinder vererbt, weshalb Gendefekte in den Mitochondrien auch weitergegeben werden. Diese Gendefekte können zu unterschiedlichen Erkrankungen führen, von leichten Lernbehinderungen bis zu Muskelschwund und anderen lebensbedrohlichen Herz-, Muskelund Hirnerkrankungen. In Großbritannien werden jedes Jahr rund 200 Kinder mit Gendefekten der Mitochondrien geboren, eins von 4000 erkrankt an einer durch einen Mitochondriengendefekt verursachten Krankheit. Eine Möglichkeit, diese Weitergabe zu verhindern, bietet die Mitochondrien-Ersatztherapie, bei der bei einer Befruchtung im Reagenzglas defekte Mitochondrien der Mutter durch Mitochondrien eines gesunden Spenders ersetzt werden. Nun hat jedoch ein Wissenschaftlerteam unter der Leitung von Dr. Klaus Reinhardt, Biologe am Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen und an der University of Sheffield, festgestellt, dass die Mitochondrien-Ersatztherapie vor allem für männliche Nachkommen Gesundheitsrisiken bergen könnte.



