
Themen, die die RWTH Aachen bewegt haben und zukünftig bewegen werden - darum geht es bei RWTHtransparent, dem traditionellen Empfang von Gästen aus Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und natürlich der Universität selber in der Aula im Hauptgebäude. Kurzweilig von Rektor Professor Ulrich Rüdiger und Kanzler Manfred Nettekoven moderiert, standen am Freitagabend folglich unter anderem die Zukunft der Lehre, die besonderen Herausforderungen für Frauen in der Wissenschaft, die Internationalisierung und das Jahrhundertprojekt ,,catalaix" im Mittelpunkt.
Um herauszufinden, wie KI die Lehre verändert, holten sich Prorektorin Professorin Sandra Korte-Kerzel und Prorektor Professor Joost-Pieter Katoen eine Expertin auf die Bühne. Lea-Noora Pototschnig studiert Informatik, steht kurz vor ihrem Abschluss und nutzt KI bereits sehr intensiv. Im Gespräch wurde deutlich, worum es Lehrenden und Lernenden gleichermaßen geht: KI nicht verbieten, den Einsatz sogar fördern, aber den Studierenden einen kritischen Umgang mit der Technik zu vermitteln, sie mit einem ,,critical mindset" (Katoen) auszustatten. Als kritische Studierende darf man getrost auch Jana Bakhtiyari und Josef Hoppe sehen - die beiden Mitglieder des Debattierclubs an der RWTH ließen zu Themen wie ,,Sollte Forschung immer direkt die Umsetzung in die Praxis berücksichtigen" die Argumente hin und her fliegen. ,,Diskurs und Debatte", so Prorektorin Ute Habel, seien das Herz einer Universität.
Ebenso wichtig ist für die RWTH die Internationalität, rund ein Drittel aller Studierenden kommen aus anderen Ländern in die alte Kaiserstadt, ,,wir brauchen diese Science Diplomacy, um die Gesellschaft friedlicher zu machen", so Professorin Habel. Und Kai Sicks, Generalsekretär des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, der in diesem Jahr 100-jähriges Bestehen feiert, ergänzte: ,,Diese Vielfältigkeit ist wahnsinnig bereichernd für unsere Gesellschaft." Wie das konkret aussehen kann, wurde durch den indonesischen Studierenden Radite Adyanawa deutlich, der sich neben seinem Studium gleich in mehreren Initiativen ehrenamtlich engagiert. ,,Mein Leben ist viel reicher geworden durch das Engagement und die Menschen, die ich kennengelernt habe", so Adyanawa, der durch manche Anekdote für viele Lacher sorgte. So mochte er, der aus der Millionen-Metropole Jakarta stammt, nicht glauben, dass Aachen die westlichste deutsche Großstadt ist. Mit Betonung auf ,,Groß": ,,Hier gibt’s zwei McDonald’s - das ist doch keine Großstadt!"
Viele weitere Initiativen und Projekte wurden präsentiert, darunter die von Prorektorin Professorin Sabine Brück-Dürkop und der Leiterin der Stabsstelle Marketing Linda Diepenbruck vorgestellte Kampagne ,,Not a token woman", die bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte, weil sie recht provokant auf die noch lange nicht erreichte Gleichstellung von Wissenschaftlerinnen aufmerksam macht. Oder das ,,Jahrhundertprojekt catalaix" (Rüdiger). Mittels Katalyse werden hier Kunststoffe voneinander getrennt, statt immer mehr wegzuschmeißen, soll so ein echter Kreislauf entstehen. Professorin Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer stellten das Projekt vor, dass so vielversprechend und revolutionär ist, dass es von der Werner Siemens-Stiftung mit sagenhaften 100 Millionen Dollar gefördert wird. Mit Katalysatoren beschäftigt sich auch Professorin Sonja Herres-Pawlis. Liegt auch nahe, ist sie doch Chemikerin. Doch nicht nur ihren Studierenden erklärt sie die Chemie als Wissenschaft von der Umwandlung von Substanzen, sondern besonders gerne auch den Jüngsten: bei der RWTH-Kinder-Uni. Darüber plauderte sie nicht nur mit Prorektor Professor Matthias Wessling und Prorektorin Korte-Kerzel, sie demonstrierte auch gleich, was passiert, wenn ein Katalysator in eine eigentlich langweilige Wasserstoff-Peroxid-Lösung gegeben wird. Es fängt an zu dampfen und zwar mächtig.
Mit vielen Talks und kurzen Filmen schauten die RWTH-Verantwortlichen in zwei bestens unterhaltenden Stunden zurück und nach vorne. Es ist viel passiert im abgelaufenen Jahr, das belegen insbesondere einige Zahlen: 44.892 Studierende gibt es derzeit an der RWTH, davon sind 15.270 internationale Studierende. 7200 Absolventen gab es im vergangenen Jahr, davon 1008 Promotionen. 105.258 Mal haben Studierende an Prüfungen teilgenommen, davon 88.319 Mal bestanden - das entspricht einer Quote von 83,9 Prozent. Von 147 Patentanmeldungen und 108 Gründungen im RWTH-Umfeld wurde berichtet, 435 Industriemitglieder sind auf dem RWTH Aachen Campus zuhause. Um Zahlen geht es auch bei Professor Aloys Krieg, der 2024 als Prorektor für Lehre verabschiedet wurde - schließlich ist der Mann Mathematiker. Beeindruckend war der Besuch von Karlspreisträger Pinchas Goldschmidt an der RWTH. Wichtig, gerade in herausfordernden Zeiten, war die Verabschiedung des neuen Wertekodex durch den Senat, ebenso die Verabschiedung der Nachhaltigkeitsstrategie.
Darüber hinaus fielen zwei entscheidende Personalentscheidungen: Für Rektor Ulrich Rüdiger begann die zweite Amtszeit und Thomas Trännapp wurde zum neuen Kanzler gewählt, seine Amtszeit beginnt im Juni. Der dann scheidende Manfred Nettekoven erlebte also am Freitag sein letztes RWTHtransparent als Kanzler, entsprechend lang und laut fielen die Ovationen für ihn aus - ein dreifaches, von den vielen Studierenden in der Aula angestimmtes, ,,Hipp, Hipp, Hurra" inklusive. Der bestens aufgelegte Nettekoven selber schaute recht entspannt auf seinen Abschied, einzig eine Sorge trieb ihn um: ,,Vielleicht werde ich dann ja Seniorkanzler genannt. Ex-Kanzler, oder Alt-Kanzler, das klingt so nach Sperrmüll."




