Durch eine Abschwächung der Nordatlantischen Umwälzzirkulation nimmt der Ozean weniger Kohlendioxid auf - es entstehen Folgekosten und das Klima erhitzt sich weiter

Die Nordatlantische Umwälzströmung - kurz Amoc für Atlantic Meridional Overturning Circulation - leitet warmes Wasser aus den Tropen nach Norden und lässt kaltes Wasser zurück in den Süden fließen. So wirkt sie als Heizkörper für das Klima Europas. Dass sie im Zuge des Klimawandels an Kraft zu verlieren droht, bewertete die Wirtschaftsforschung bisher als vorteilhaft, weil dies die Nordhalbkugel in Zeiten der Erderhitzung abkühlen könnte. -Die Amoc-Abschwächung würde jedoch den Klimawandel weiter beschleunigen-, erklärt Felix Schaumann, Doktorand im Bereich Nachhaltigkeitsökonomik an der Universität Hamburg und dem Max-Planck-Institut für Meteorologie.
Der CO2-Gehalt der Atmosphäre steigt
Bekannt war bereits: Durch das schmelzende Eis der Arktis gelangen riesige Mengen Süßwasser in die Ozeane. Das so verdünnte und weniger salzige Meerwasser ist weniger dicht und sinkt nicht mehr so leicht ab, was die Amoc voraussichtlich verlangsamen wird. Der Ozean ist zudem der größte Kohlenstoffspeicher der Erde. Er nimmt mehr Kohlenstoff als die Atmosphäre und die Organismen auf dem Land. Besonders aufnahmefähig ist das kalte Wasser des Nordpolarmeeres. Nun konnten Schaumann und sein Kollege Eduardo Alastrué de Asenjo zeigen: Durch eine schwächere Amoc wird auch weniger Kohlendioxid (CO2) von der Meeresoberfläche in die Tiefe des Meeres transportiert. Es verbleibt also mehr CO2 in der Atmosphäre und das verstärkt die globale Erwärmung.Die Klimaerhitzung geht weiter
-Unsere Ergebnisse legen nahe, dass frühere Studien zur AMOC-Abschwächung die Folgen wahrscheinlich unterschätzt haben-, sagt Schaumann.
Global gesehen würden durch den weiter beschleunigten Klimawandel häufigere und extremere Wetterereignisse wie Hitze, Dürre und Éberschwemmungen auftreten. Dadurch würden die gesellschaftlichen Kosten von CO2 steigen. Diese Kosten spiegeln die Schäden wider, die durch den Ausstoß von CO2 verursacht werden. Dieser Effekt könnte die positiven wirtschaftlichen Effekte der durch die Amoc-Abschwächung verursachten Abkühlung aufwiegen.
Die gesellschaftlichen Kosten
Die Ergebnisse basieren auf einem globalen Klimamodell, kombiniert mit einer weiteren, auf wirtschaftliche Folgekosten spezialisierten Modellierung. Diese errechnet auf Grundlage des voraussichtlichen CO2-Gehalts der Atmosphäre die Folgekosten von Klimaschäden. Damit erstellten die Forscher ein Szenario, das von einer CO2-Entwicklung ohne Amoc-Effekt ausgeht und ein weiteres, das unterschiedliche Abschwächungsgrade einbezieht. So konnten sie zeigen, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen der Stärke der Amoc und der Menge an Kohlenstoff gibt, welche die Ozeane aufnehmen.Im Vorfeld der Weltklimakonferenz: ein Interview mit Jochem Marotzke, Direktor am Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie




