Bonn und Brasilien vernetzen ihre Wissenschaft

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Der Brasilientag an der Uni Bonn bündelt Kooperationen, fördert Austausch und macht die wissenschaftlichen Verbindungen über Kontinente hinweg sichtbar

Marciel Stadnik - ist derzeit als CAPES-Gastprofessor an der Uni Bonn. Er forsch
Marciel Stadnik - ist derzeit als CAPES-Gastprofessor an der Uni Bonn. Er forscht am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) im Bereich Agrarökologie und Organischer Landbau. © Universität Bonn / Volker Lannert

Ein Tag voller Gespräche, Ideen und neuer Perspektiven: Mit ihrem Brasilientag hat die Universität Bonn die wissenschaftlichen Beziehungen zu Brasilien gestärkt und zugleich ein innovatives Forum für Austausch und Vernetzung geschaffen. Forschende aus Nordrhein-Westfalen, Vertreterinnen und Vertreter von Förderorganisationen sowie Mitglieder der brasilianischen wissenschaftlichen Diaspora in Deutschland kamen zusammen, stellten Projekte vor und diskutierten über neue Kooperationen.

Im Mittelpunkt des Brasilientags am 6. März stand das ,,III. Meeting of the Brazilian Diaspora in NRW", das die Universität Bonn gemeinsam mit dem brasilianisch-deutschen Netzwerk APoeNA organisierte. Es verbindet Professorinnen und Professoren, Studierende, Promovierende und Postdocs aus beiden Ländern über Fächergrenzen hinweg. ,,Brasilien ist bereits seit vielen Jahren ein wichtiges Partnerland der Universität Bonn. Der Brasilientag ist ein wichtiges Format, das konkret und niederschwellig die Internationalisierung mit diesem Land fördert: Wir bringen Menschen zusammen, initiieren Kooperationen und schaffen idealiter für die Zukunft verlässliche Strukturen für eine langfristige Zusammenarbeit", betonte die Prorektorin für Internationales, Birgit Ulrike Münch, in ihrer Eröffnungsrede.

Vernetzte Wissenschaft über Kontinente hinweg

Zahlreiche Kooperationen verbinden Bonner Forschende mit dortigen Universitäten und Forschungseinrichtungen - etwa der Universidade de São Paulo, der Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul, der Universidade Federal do Rio Grande do Sul oder der Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz).

Ergänzt wird dieses Netzwerk durch das Interdisziplinäre Lateinamerikazentrum der Uni Bonn sowie die Beteiligung am Deutschen Wissenschaftsund Innovationshaus in São Paulo, das die Zusammenarbeit zwischen deutschen und brasilianischen Forschungseinrichtungen fördert.

Beim Brasilientag stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsame Projekte vor, diskutierten Fördermöglichkeiten und loteten neue Themenfelder für Kooperationen aus - von den Naturund Lebenswissenschaften über die Geistesund Sozialwissenschaften bis hin zu interdisziplinären Zukunftsthemen.

CAPES-Gastlehrstuhl stärkt die Zusammenarbeit

Ein zentrales Instrument der deutsch-brasilianischen Kooperation an der Universität Bonn ist der Gastlehrstuhl ,,Brazil Chair". Grundlage ist eine Partnerschaft mit der brasilianischen Förderagentur Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior (CAPES), der größten staatlichen Organisation zur Förderung von Hochschulbildung und Forschung in Brasilien.

Seit 2016 ermöglicht dieses Programm jedes Jahr einen längeren Forschungsaufenthalt einer herausragenden brasilianischen Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers in Bonn. Weltweit existieren nur wenige dieser CAPES-Gastlehrstühle - unter anderem an Universitäten wie Oxford, Harvard, Cambridge oder der Sorbonne. Dass auch die Universität Bonn Teil dieses Netzwerks ist, unterstreicht ihre internationale Sichtbarkeit als Forschungsstandort. ,,Die Partnerschaft mit Brasilien ist für uns kein Einzelprojekt, sondern Teil unserer Gesamtstrategie. Mit Programmen wie dem CAPES-Gastlehrstuhl verankern wir Exzellenz, Austausch und Verantwortung institutionell", erklärte Prorektorin Münch.

Prof. Marciel Stadnik: Nachhaltige Landwirtschaft im Fokus

Ein aktuelles Beispiel für die gelebte Kooperation ist Prof. Marciel Stadnik von der Universidade Federal de Santa Catarina. Er ist 2025/2026 als CAPES-Gastprofessor an der Universität Bonn und forscht am Institut für Nutzpflanzenwissenschaften und Ressourcenschutz (INRES) im Bereich Agrarökologie und Organischer Landbau.

Seine Forschung konzentriert sich auf Ökologische Anbaumethoden und biobasierte Lösungen für nachhaltige Landwirtschaft. Beim Brasilientag hielt er die Keynote im Themenblock ,,Agriculture and Land", wo er seine Arbeit zu ,,Bio-Based Solutions for Sustainable Land Use" vorstellte.

Stadniks Gastaufenthalt bringt nicht nur neue Expertise nach Bonn, sondern stärkt auch die Vernetzung von Forschungsgruppen sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern in diesem Zukunftsfeld.

Wissenschaftliche Verbindungen gestärkt

Neben Fachvorträgen standen auch Fragen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit und Verantwortung im Mittelpunkt. In der Podiumsdiskussion diskutierten die Teilnehmenden die Rolle der wissenschaftlichen Diaspora für Innovation, Wissenszirkulation sowie internationale Netzwerke und die Wissenschaftsgemeinschaften in beiden Ländern.

Ein weiterer Themenblock widmete sich der Forschungsethik und der Verantwortung von Wissenschaft gegenüber zukünftigen Generationen. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Förderorganisationen - darunter der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Alexander-von-Humboldt-Stiftung und der DLR-Projektträger - stellten Fördermöglichkeiten vor und beantworteten Fragen zu Förderprogrammen mit Brasilien.

Mit intensiven Diskussionen, zahlreichen Fachbeiträgen und einem gemeinsamen Networking-Abschluss schuf der Brasilientag konkrete Anknüpfungspunkte für neue Projekte und machte deutlich, wie lebendig und vielfältig der wissenschaftliche Dialog zwischen Bonn sowie Brasilien bereits ist, und welches Potenzial er für zukünftige Kooperationen bietet.