Europäisches Team entwickelt erstmals Handreichung für digitale und barrierefreie Lerninhalte

"Wir haben Lerninhalte für die Grundschule und Sekundarstufe I in den Fächern Geografie und Mathematik erstellt, die unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Interessen und Zugänge berücksichtigen", erklärt Projektteilnehmer Gilbert Greefrath vom Institut für Didaktik der Mathematik und der Informatik. Beide Fächer würden besondere Herausforderungen für die barrierefreie Gestaltung darstellen, etwa durch komplexe visuelle Darstellungen, Karten, Diagramme oder Formeln. Um digitale Lernangebote barrierefrei zu gestalten, sind unter anderem Texte und Grafiken mit hohem Kontrast und gut lesbaren Schriften notwendig. Erforderlich sind außerdem Alternativtexte für Bilder, Überschriften und Schaltflächen, die von einer Vorlesesoftware (Screenreader) erkannt werden, Videos mit Untertiteln, Übersetzungen in Gebärdensprache und Texte in Leichter Sprache. "Digitale Schulbücher sind mehr als eine PDF-Datei. Sie sollten von Anfang an barrierefrei konzipiert und produziert werden", betont Projektteilnehmer Maxim Brnic, der am Institut für Didaktik der Mathematik und der Informatik zu diesem Thema promoviert. "Eine nachträgliche Anpassung oder Digitalisierung ist oft aufwendiger." Zudem stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Analyse fest, dass es bislang nur wenige digitale Schulbücher in den ausgewählten Unterrichtsfächern gibt, die Barrierefreiheit mitdenken.
Anhand von unterschiedlichen Unterrichtsinhalten zeigen die Experten auf, welche Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Gestaltung bestehen. So veranschaulicht beispielweise eine interaktive Karte eines Bergs mit Audioausschnitten von Tieren und Videos die Darstellung von Höhenlinien. Zusätzlich enthalten die Richtlinien eine Anleitung zum Druck eines 3-D-Modells, das Grundschülern hilft, den Weg zum Gipfel haptisch zu erfahren.
Das DEM-Projekt profitierte von der fächerübergreifenden Zusammenarbeit aus der Didaktik, Blindenund Sehbehindertenpädagogik, Inklusionspädagogik sowie der Informatik und Technik. Initiator war das Zentrum für die Entwicklung von Sehkompetenzen (CDV) aus Luxemburg. Neben der Uni Münster waren die Universitäten Bozen, Hamburg und Vechta sowie die TU Graz an der wissenschaftlichen Arbeit beteiligt. Die Handreichung ist auf der Projekt-Webseite verfügbar und richtet sich unter anderem an die Entwickler von Lehrund Lernmaterialien, Schulbuchverlage, Lehrer sowie Experten aus der Didaktik und Inklusionspädagogik.
Autorin: Kathrin Nolte
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen




