
Digital Light Processing: Schnelle Herstellung komplexer Strukturen
Digital Light Processing (DLP) ist ein lichtbasiertes Verfahren des 3D-Drucks, bei dem eine lichtempfindliche ,,Tinte" durch selektive Einstrahlung von UV-Licht schichtweise zu einem dreidimensionalen Objekt geformt wird. Im Vergleich zu anderen Verfahren der additiven Fertigung ermöglicht DLP eine schnelle Herstellung von komplexen Strukturen. ,,Während die Technologie beispielsweise in der Zahnmedizin bereits erfolgreich eingesetzt wird, war es bislang schwierig, sie für leitfähige Polymere mit Anwendungen im Bereich der Optoelektronik zu nutzen und damit direkt zu drucken", erläutert Prof. Eva Blasco. Die Wissenschaftlerin forscht mit ihrem Team am Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials der Universität Heidelberg zu neuartigen funktionalen Materialen für den 3D-Druck. Durchgeführt wurde Sabine Ludwigs und ihrer Gruppe am Institut für Polymerchemie der Universität Stuttgart, die Expert*innen für leitfähige Polymere und elektrochemisches Schalten sind.Neue ,,Tinte" druckt leitfähige 3D-Strukturen, die ihre Farbe ändern
Die beiden Forschungsteams entwickelten eine neuartige ,,Tinte" auf Methacrylatbasis, die redoxaktive Carbazol-Gruppen trägt. Durch diese Redoxeinheiten können solche Materialien in ihrer Polymerkette Elektronen aufnehmen oder abgeben. Dadurch werden sie elektrisch leitfähig und sind in der Lage, in Abhängigkeit von ihrem Oxidationsoder Reduktionszustand die Farbe zu ändern. Im Rahmen der aktuellen Arbeiten ist es den Wissenschaftler*innen gelungen, diese fotoleitende Tintenformulierung für die Herstellung von Strukturen zu nutzen, die auch nach dem Drucken elektrochemisch manipulierbar und damit in ihren Eigenschaften veränderbar bleiben. ,,Möglich wurde dies durch eine enge, disziplinenübergreifende Zusammenarbeit in unseren Laboren in Heidelberg und Stuttgart", betonen Christian Delavier und Svenja Bechtold, die im Rahmen des Graduiertenkollegs an ihren Dissertationen arbeiten.Türöffner für Display-Innovationen oder neue Soft Robotik-Anwendungen
Mit dieser Carbazol-haltigen Tintenformulierung konnten unter anderem zweidimensionale Pixelarrays und Schachbrettmuster sowie eine aus mehreren Schichten bestehende dreidimensionale Pyramide direkt additiv gefertigt werden. Ursprünglich fast transparent, nahmen diese komplexen Strukturen durch elektrochemische Stimulierung erst eine hellgrüne, dann eine dunkelgrüne und schließlich eine fast schwarze Färbung an. ,,Dieser Prozess ist vollständig umkehrbar und lässt sich je nach Struktur pixelgenau kontrollieren. Besonders spannend ist die Kontrolle in der dritten Dimension, also in Bezug auf die Höhe der Architekturen", betont Sabine Ludwigs. Die Kombination aus hochauflösendem, lichtbasiertem 3D-Druck mit Redoxpolymeren eröffnet nach Angaben von Blasco und Ludwigs neue Möglichkeiten für die additive Fertigung von Pixeldisplays oder auch Aktuatoren für Soft Robotik-Anwendungen, bei denen das Volumen elektrochemisch geschaltet werden kann.Das an den Universitäten Heidelberg und Stuttgart angesiedelte Graduiertenkolleg ,,Gemischter Ionen-Elektronentransport" (GRK 2948) wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Ergebnisse der aktuellen gemeinsamen Untersuchungen sind in der Fachzeitschrift ,,Advanced Functional Materials" erschienen.
Originalpublikation:
C. Delavier, S. Bechtold, M. H. Dodds, E. Blasco, S. Ludwigs: 3D Digital Light Processing of Redox-Active Polymers for Electrochemical Applications. Advanced Functional Materials (13. November 2025), DOI: 10.1002/adfm.202518546
Wissenschaftlicher Nachwuchs
Prof. Sabine Ludwigs, Universität Stuttgart, Institut für Polymerchemie, E-Mail
Prof. Eva Blasco, Universität Heidelberg, Institute for Molecular Systems Engineering and Advanced Materials, E-Mail




