Kommunikationswissenschaftlerinnen: Journalismus im Krieg verlangt von Medienschaffenden enormes Verantwortungsbewusstsein
Kommunikationswissenschaftlerinnen Dr. Anna Litvinenko, Margreth Lünenborg und Carola Richter analysieren bisherige Berichterstattung des Kriegs in der Ukraine und stellen Empfehlungen vor Eine Berichterstattung im Krieg und über die Konfliktparteien erfordert nach Einschätzung von Kommunikationswissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin ein Überaus hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Diesem würden Medienschaffende in Deutschland Überwiegend gerecht, doch gebe es auch ethische Defizite und Unachtsamkeiten in der Berichterstattung. Dr. Anna Litvinenko, Expertin für osteuropäische und russische Medien, Prof. Margreth Lünenborg, Professorin für Journalistik und Carola Richter, Professorin für Internationale Kommunikation, stellten am Montag in Berlin ihre Beobachtungen der Veröffentlichungen und Informationen seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine am 24. Februar vor und mahnten zu noch mehr Besonnenheit der Medienschaffenden. So sehen die Wissenschaftlerinnen zunehmend die Gefahr, dass ein antirussisches Feindbild die Berichterstattung präge, über das pauschal alle Russinnen und Russen verunglimpft würden. Individuen dürften jedoch nicht für Staatshandlungen verantwortlich gemacht werden. Vermieden sollten nach Einschätzung von Carola Richter zudem ein von Kriegsrhetorik geprägter ,,Waffenjournalismus", bei dem militärstrategische Überlegungen, Heldenstilisierung und der Fokus auf Gewinnen/Verlieren im Vordergrund stünden. Stattdessen sollten das Suchen nach diplomatischen Lösungen und die negativen Auswirkungen des Krieges für die Zivilgesellschaft in beiden Ländern in den Fokus rücken.



