Begeisterung für die kleinsten Dinge in der Welt

Die RWTH  Annalena Genreith-Schriever analysiert Prozesse zur Spaltung von Wasse
Die RWTH Annalena Genreith-Schriever analysiert Prozesse zur Spaltung von Wasser auf atomarer Ebene.
Professorin Annalena Genreith-Schriever forscht auf atomarer Ebene - und behält das große Ganze im Blick.

Für Professorin Annalena Genreith-Schriever ist es eine Rückkehr: Bachelor, Master, Promotion und ihre erste Postdoktorandenstelle in Chemie hat sie an der RWTH Aachen absolviert. Fünf Jahre lebte und forschte die Wissenschaftlerin dann an der Universität Cambridge. Nun ist sie im Rahmen des NRW-Rückkehrprogramms, das mit 1,25 Millionen Euro über fünf Jahre gefördert wird, an ihre Alma Mater zurückgekehrt - als Professorin am Institut für Technische und Makromolekulare Chemie.

Ein Leopoldina-Postdoc-Stipendium ermöglichte ihr, in England an Methoden zu arbeiten, die die Lebensdauer von Batterien verlängern. Zurück in Aachen widmet sie sich einem neuen Schwerpunkt: Wasserstoff. ,,In der Theorie ist das Element ein ausgezeichneter Energieträger, aber in der Praxis gibt es noch einige Hürden", erklärt Genreith-Schriever. Mit ihrer Expertise geht sie ins Detail: Sie analysiert Prozesse zur Spaltung von Wasser auf atomarer Ebene - auf der Suche nach neuen Wegen, ihn effizienter herzustellen.

Ihre Katalyse-Forschung soll auch ein ganz besonderes Projekt unterstützen: Catalaix. Bei dem von der Werner Siemens-Stiftung (WSS) geförderten Jahrhundertprojekt geht es um die Entwicklung Katalyse-getriebener Recyclingverfahren, die eine mehrdimensionale Kreislaufwirtschaft ermöglichen. In einem Förderzeitraum von zehn Jahren fließen 100 Millionen Schweizer Franken in das WSS-Forschungszentrum, das die Professoren Regina Palkovits und Jürgen Klankermayer leiten. ,,Catalaix bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen zusammen. Ich freue mich drauf, mich mit meiner Expertise in das interdisziplinäre Team einzubringen und gemeinsam an dieser großen wissenschaftlichen Herausforderung zu arbeiten", sagt Genreith-Schriever.

Neben der Chemie hat sie eine zweite akademische Leidenschaft: ,,Ich habe mich schon immer für Theologie interessiert - während des Studiums habe ich dort ganz andere Menschen und Methoden kennengelernt als in der Chemie", erinnert sich die Professorin. Ihren Bachelor in Theologie erlangte sie an der RWTH, den Master in Cambridge. Besonders fesselnd findet sie die Schnittstellen zwischen Philosophie, Ethik und Naturwissenschaften. Themen wie die ethischen Dimensionen der embryonalen Stammzellforschung, künstliche Intelligenz und die Frage nach dem Bewusstsein beschäftigen sie bis heute. ,,Forschung muss frei sein, aber es ist essenziell, dabei die Würde des Menschen zu achten", betont sie.

Ihr Theologiestudium auf Lehramt hilft ihr bis heute in der Lehre. Es ist ihr ein Anliegen, Studierende aktiv in die Gestaltung von Lehrformaten einzubeziehen. Besonders wichtig ist ihr dabei eine engere Verzahnung von Simulationen und Experimenten - ein Ansatz, auf den auch die Studierenden zunehmend neugierig sind.

Ihre Faszination für die kleinsten Bausteine der Materie bleibt - ebenso wie ihre Neugier auf die großen Fragen, die sie auf ihrem wissenschaftlichen Weg noch erwarten.