Aachen braucht mehr Blut

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17.08.2018

Peter Winandy

Blutspendedienst der Uniklinik RWTH Aachen ruft auf.

Die Uniklinik RWTH Aachen bittet oft um Blut. „Kaum ein Universitätsklinikum kann sich selbst vollständig mit Blutkomponenten versorgen. Doch der Zukauf von externen Blutkonserven ist limitiert. Wir sind deshalb auf die Hilfe der Aachener Bürger angewiesen", plädiert Oberarzt Dr. Klaus Strathmann vom Institut für Transfusionsmedizin.

Viele medizinische Eingriffe wie Operationen und Krebstherapien sind heute nur möglich, wenn menschliches Blut in ausreichender Menge vorhanden ist. 80 Prozent aller Deutschen brauchen mindestens ein Mal im Leben eine Blutspende oder ein Blutplasma-Medikament. Täglich gehen in Deutschland rund 15.000 Blutund 5000 Plasmakonserven in den OP-Saal. „Manchmal benötigt ein Patient nach einem Unfall 50 oder mehr Konserven, damit er gerettet werden kann", so der Oberarzt.

Blut ist Lebenssaft

Blut besteht aus zellulären Anteilen, die in rote und weiße Blutkörperchen sowie Blutplättchen unterteilt sind, und einem flüssigen Anteil, dem Blutplasma. Dieser Lebenssaft versorgt den menschlichen Körper mit Nährstoffen und Sauerstoff. Darüber hinaus verteilt er die Wärme gleichmäßig im Körper. Der Transport von Hormonen und Botenstoffen dient auch als Informationsverteilung. Spezialisierte Zellen im Blut sorgen für die Abwehr von Krankheitserregern und helfen bei der Wundheilung. „Wir können Blut noch nicht durch eine andere Flüssigkeit oder einen Stoff ersetzen", klärt Strathmann auf.

Um Blut spenden zu können, muss man mindestens 18 Jahre alt (Erstspender bis 60 Jahre) und gesund sein sowie mindestens 50 Kilogramm wiegen. Außerdem sollte man ein bis anderthalb Stunden Zeit mitbringen. Vor jeder Blutspende wird das Blutbild bestimmt, der Blutdruck und Temperatur gemessen. Danach findet ein ärztliches Gespräch statt. „Wir haben in Deutschland sehr hohe Qualitätsstandards bei der Herstellung von Blutkomponenten, dies beginnt bei der Befragung und Untersuchung der Blutspender", betont der Transfusionsmediziner.

Der Spender wird auch über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt, wie zum Beispiel ein möglicher blauer Fleck durch die Venenpunktion oder eventuell auftretende Kreislaufprobleme. „Das passiert zwar äußerst selten, wir müssen aber darauf hinweisen", berichtet Strathmann. Eine gute Vorbereitung vor der Blutspende ist wichtig – mindestens ein bis zwei Liter Wasser oder Saft trinken und etwas Leichtes essen ist sinnvoll.

Check des Spenderbluts

Die Blutspende an sich dauert nicht länger als 15 Minuten. Der Körper reguliert sich danach relativ schnell: der Kreislauf innerhalb von wenigen Minuten, der Flüssigkeitsausgleich in zwei Stunden, der Plasmaeiweißersatz dauert zwei Tage, die roten Blutkörperchen bilden sich innerhalb von zwei Wochen neu und der Eisenverlust ist nach etwa zwei Monaten ausgeglichen. Bis zu vier Mal darf eine Frau im Jahr spenden, Männer bis zu sechs Mal.

Werden bei der vorab entnommenen Blutprobe zu viele weiße Blutkörperchen gefunden, könnte dies auf eine Infektion hindeuten. Der Spender wird dann erst mal nicht zur Blutspende zugelassen, bis sein Gesundheitszustand geklärt ist. Strathmann: „Wir sind verpflichtet, jedem eine Rückmeldung darüber zu geben, wenn die Befunde vom Normalen abweichen sollten", sagt der Oberarzt.

Ist alles in Ordnung, geht es weiter zum Blutspenderaum, wo der Spender vom Entnahmeteam begrüßt wird. Nachdem er es sich auf der Liege bequem gemacht hat, beginnt die Abnahme. Jeder Beutel liegt auf einer Mischwaage, die aufhört zu wippen, sobald sich der Beutel mit etwa 450 Millilitern Blut gefüllt hat. Eine Probe wird kurz danach auf Krankheiten wie HIV, Hepatitis B, C oder Syphilis getestet. Jeder Vorgang wird darüber hinaus gescannt und in die EDV eingegeben – unter anderem die Spenderdaten, das Beutelsystem und die Probenröhrchen. Alle Daten, die mit der Herstellung einer Blutkonserve zusammenhängen, müssen gemäß der gesetzlichen Vorgaben 30 Jahre lang archiviert werden.

Spenden sind schnell einsetzbar

Für die Behandlung der meisten Patienten werden nur bestimmte Bestandteile des Blutes benötigt, das gespendete Vollblut wird daher in einer Zentrifuge in rote Blutkörperchen und Plasma getrennt. „Was heute gespendet wird, steht in der Regel schon am nächsten Morgen für die Patienten zur Verfügung, weil wir eine schnelle Logistik insbesondere für die Infektionsdiagnostik etabliert haben", erläutert Strathmann. Blutreserven gibt es in der Blutbank, wobei ihre Haltbarkeit beschränkt ist: Das rote Blutkörperchenkonzentrat kann im Kühlschrank bis zu 35 Tage gelagert werden, die Blutplättchen vom Tag der Abnahme bis zu vier Tage bei Raumtemperatur. Das Plasma wird eingefroren und kann bei Minus 30 Grad Celsius bis zu zwei Jahre gelagert werden.

Um die Reserven zu füllen, macht der Blutspendedienst regelmäßig mit verschiedenen Aktionen auf seine Arbeit aufmerksam. In den Öffnungszeiten ist eine Spende jederzeit möglich und eine Terminabsprache nicht nötig.

Die Uniklinik RWTH Aachen hat nicht nur eine Spendeeinrichtung, sondern führt auch regelmäßig an Außenstandorten Blutspendetermine durch (Info siehe unten).

Öffnungszeiten

Montag, Mittwoch und Donnerstag: 12.30 bis 19.30 Uhr
Dienstag: 11.30 bis 19.00 Uhr
Freitag: 7.30 bis 12.30 Uhr