Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnet Chemiker Armido Studer mit Leibniz-Preis aus

Die DFG-Verantwortlichen hatten im Vorfeld die anspruchsvolle Aufgabe bewältigt, 144 Nominierungen für die diesjährige Preisverleihung zu begutachten. Nur zehn von ihnen erhielten eine Einladung für die Feierstunde im Leibniz-Saal der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, um sich und ihre herausragenden Leistungen feiern zu lassen. Zu diesen ,,Top Ten" zählte auch der Chemiker Armido Studer, der seit 2004 an der Universität Münster lehrt und sich in seiner Forschung vor allem nachhaltigen Syntheseverfahren mit organischen Radikalen widmet. Der Leibniz-Preis als der bedeutendste deutsche Forschungspreis sei das ,,berühmte Tüpfelchen auf dem i meiner Karriere", unterstrich der bereits vielfach ausgezeichnete Forscher, den seine Frau und seine beiden Söhne in die Hauptstadt begleitet hatten. ,,Ich bin dankbar und natürlich auch ein wenig stolz."
Mit einem jeweils rund dreiminütigen Film stellte die DFG die Preisträger zunächst vor - nach der Heidelberger Strukturbiologin Julia Mahamid kam der Schweizer Armido Studer als zweiter an die Reihe. In ihrer anschließenden Laudatio schilderte die DFG-Präsidentin seine Forschung zu besonders reaktionsfreudigen Molekülen, mit der er sich zu einem ,,weltweiten Pionier für grüne Radikalchemie" entwickelt habe. Armido Studer habe ,,epochale" Ergebnisse erzielt und stehe für ,,meisterhafte Arbeit".
Als konkretes Beispiel führte sie das Verfahren an, das Armido Studer und sein Team zur Wasserspaltung entwickelt habe. Hintergrund: Zur Gewinnung von klimafreundlichem Wasserstoff muss man Wasser durch eine Folge chemischer Prozesse in Wasserstoffgas umwandeln. Die Herausforderung besteht dabei vor allem darin, die besonders stabilen Wassermoleküle in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten - genau dafür hat das münstersche Team ein photokatalyse Verfahren etabliert. ,,Sie erschließen der Chemie über die Entwicklung neuer Materialien und Werkzeuge neue Wege in eine nachhaltige Zukunft", lobte Katja Becker, die vor ihrer Arbeit bei der DFG als Medizinerin und Biochemikerin gearbeitet hatte.
Für die ,,interne" Feier hatte Armido Studer reichlich Verstärkung aus Münster an seiner Seite - beispielsweise seine Kollegen Bart Jan Ravoo und Gerhard Erker sowie Rektor Johannes Wessels. ,,Nach dem gemeinsamen Essen in der Akademie werden wir sicher noch einen schönen Platz an der Hotelbar finden", prophezeite Armido Studer nach der rund zweieinhalbstündigen Veranstaltung am Berliner Gendarmenmarkt.
Und was wird der ausgezeichnete Wissenschaftler mit der Millionen-Förderung machen? Weiter intensiv forschen selbstverständlich. Und zwar so frei wie sonst nur selten, denn für die Verwendung des Leibniz-Preisgelds müssen die Sieger nicht wie in anderen Verfahren üblich Anträge über Anträge stellen und zig Formulare ausfüllen. Das verschaffe ihm und seinem rund 35-köpfigen Team viel wissenschaftliche Freiheit und damit das Privileg, mit dem Geld auch die eine oder andere ,,verrückte Idee" zu verfolgen. Für die Übergabe der zehn Schecks und Urkunden hätte die DFG wohl keinen besseren Ort wählen können: Die Preußen nutzten den Leibniz-Saal einst als Kassensaal ihrer Staatsbank.
Autor: Norbert Robers


