DFG fördert neue Forschungsgruppe zur Analyse gesellschaftlicher Prozesse um Energiegewinnung und -nutzung in Osteuropa

Energie ist mehr als eine Ressource - sie prägt Lebensräume, verschiebt geopolitische Machtverhältnisse und steht im Zentrum sozialer Konflikte. Die neue Forschungsgruppe ,,Energien der Vernetzung. Akteure, Räume und Narrative in Osteuropa" am Osteuropa-Institut an der Freien Universität Berlin untersucht diese Verflechtungen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben mit insgesamt rund 3,5 Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Ab Sommer 2026 wird der Verbund unter Leitung der FU-Literaturwissenschaftlerin Susanne Strätling die komplexe Energiegeschichte Osteuropas untersuchen.
An dem Verbund beteiligt sind Literatur-, Kulturund Politikwissenschaftler*innen,Ökonom*innen, Soziolog*innen und Historiker*innen von Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Centre Marc Bloch und Leibniz-Zentrum für Literaturund Kulturforschung. Konkret geht es darum, wie die Produktion und Nutzung von verschiedenen Energieformen sowie die damit verbundenen sozialen, politischen und kulturellen Dynamiken die Region Osteuropa entscheidend prägen. Energie wird dabei nicht nur als Ökonomische Ressource, sondern als zentraler Faktor gesellschaftlicher und kultureller Prozesse verstanden. Im Mittelpunkt stehen Aushandlungsprozesse rund um Gewinnung, Transport und Nutzung von Energie, die oft tiefgreifende Veränderungen von Umwelt, Lebensräumen und sozialen Strukturen bewirken. Die Forschungsgruppe beleuchtet vor allem drei wichtige Perspektiven: die Folgen von Ressourcifizierung für räumliche Ordnungen, die Rolle menschlicher und nicht-menschlicher Akteure für die Gestaltung von Energieumwelten sowie die Narrative mit denen Energieherausforderungen gesellschaftlich verhandelbar gemacht werden.
,,Osteuropa ist ein zentraler Produktionsund Transferraum für den globalen Energiemarkt und zugleich Schauplatz eskalierender Ressourcenkonflikte. Nicht zuletzt zielt der Krieg Russlands gegen die Ukraine immer wieder auf Energieinfrastruktur, mit zum Teil ökozidalen Folgen. Unser Verbund fokussiert auf diese Region und will dazu beitragen, einen neuen Forschungsbereich der Energy Humanities East zu etablieren", sagt Susanne Strätling, Professorin am interdisziplinären Osteuropa-Institut, einem Zentralinstitut der Freien Universität Berlin. Strätling ist Expertin für die Kulturund Wissensgeschichte von Energie in den Kulturen Osteuropas. Ihre langjährigen Arbeiten zur Bedeutung von Energie als kulturgeschichtlichem Schlüsselbegriff - etwa in der sowjetischen Moderne - bilden die Grundlage der neuen DFG-Forschungsgruppe.
Die Forschungsgruppe ,,Energie der Vernetzung. Akteure, Räume und Narrative in Osteuropa" ist die insgesamt siebte mit Sprecherschaft an der Freien Universität Berlin. Deutschlandweit fördert die DFG 196 Forschungsgruppen - also langfristige, eng kooperierende Verbünde, die komplexe Forschungsfragen gemeinsam bearbeiten. Die Förderung kann bis zu acht Jahre umfassen. Ziel ist es, neue Forschungsrichtungen zu etablieren und nachhaltige Kooperationen zwischen Disziplinen zu stärken. (jkr)




