Natürliche Pfropfung zwischen einer Birke (links) und einer Eiche (rechts). Sexuell inkompatible Spezies können an solchen Stellen Chloroplastengenome austauschen.
An Kontaktflächen tauschen nicht-kreuzbare Arten die Genome ihrer Chloroplasten aus. Pflanzenforscher verwunderte es lange Zeit, warum die DNA aus den grünen Chloroplasten der Pflanzen sich oft dann besonders stark ähnelte, wenn verwandte Pflanzenarten das gleiche Verbreitungsgebiet hatten. Dieses als ,,Chloroplastenfang" bezeichnete Phänomen erklärten sie damit, dass vermutlich hin und wieder Kreuzungen zwischen verschiedenen Spezies auftraten und diese Nachkommen dann neue Kombinationen von Chloroplasten- und Kerngenom aufwiesen. Wissenschaftler um Ralph Bock vom Potsdamer Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie haben jetzt herausgefunden, dass ein solcher Transfer von ganzen Chloroplasten beziehungsweise ihrer Genome auch an einfachen Kontaktflächen zwischen Pflanzen und ganz ohne Fortpflanzung stattfinden kann. Das neue Chloroplastengenom lässt sich sogar an die nächste Generation vererben, was wiederum neue Eigenschaften mit sich bringen kann und sowohl für das Verständnis von Evolution als auch für Züchter von hoher Bedeutung ist. Viele hölzerne Pflanzen, vor allem Obstbäume und Rosenstöcke, werden von Gärtnern absichtlich beschädigt. Sie schneiden den Gewächsen die Äste ab oder schlagen Kerben in die Rinde, um an diesen Stellen Teile einer anderen Pflanze einzusetzen.
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