Was sind die Lehren aus der Pandemie?

63. Jahrestagung der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten fand an der RWTH Aachen statt.

 

Die Covid-19-Pandemie hat den Hochschulalltag stark verändert. Leere Hörsäle, Online-Veranstaltungen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Homeoffice. Eine neue, dezentrale, digitale Organisation der Hochschulen war notwendig. Darüber hinaus hat die Pandemie eine neue Sichtweise auf die Wissenschaft und Wissenschaftspolitik erforderlich gemacht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der digitalen 63. Kanzlerjahrestagung , die von der RWTH Aachen ausgerichtet wurde, erhielten in den unterschiedlichen Panels von Expertinnen und Experten aus Hochschule und wissenschaftsnahem Umfeld einen Überblick darüber, wie Hochschulen die Gesellschaft verändern und wie sich Hochschulen und Wissenschaft in der Pandemie bewähren müssen.

Dabei begrüßten RWTH-Kanzler Manfred Nettekoven und Dieter Kaufmann, Kanzler der Universität Ulm und Bundessprecher der Vereinigung der Kanzlerinnen und Kanzler der Universitäten Deutschlands, unter anderem die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Professorin Alena Buyx, die Präsidentin der Humboldt-Universität zu Berlin, Professorin Sabine Kunst, den Abteilungsleiter Forschung des Wissenschaftsrates, Dr. Rainer Lange, den Präsidenten der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensivund Notfallmedizin und Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care der Uniklinik RWTH Aachen, Gernot Marx, und Carola Holzner, in den Sozialen Medien als ,,Doc Caro" bekannt.

Darüber hinaus diskutierten der Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda und der Kanzler der TU München, Albert Berger, in den vier Panels mit Dr. Waltraud Kreutz-Gers, Kanzlerin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Dr. Christina Reinhardt, Kanzlerin der Ruhr-Universität Bochum, Dr. Markus Zanner, Kanzler der TU Nürnberg, Professor Mathias Hornef, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie der Uniklinik RWTH Aachen, Philipp Schmidt, Direktor für digitales Lernen und Kollaboration am MIT Media Lab (USA), Dr. Malte Persike, Leiter des RWTH-Centers für Lehrund Lernservices, und Michael Dreher, Direktor der Klinik für Pneumologie und Internistische Intensivmedizin der Uniklinik RWTH Aachen.

Zu den Themen ,,Wissenschaft (in) der Pandemie - wie Hochschulen die Gesellschaft verändern", ,,Forschung und Lehre (in) der Pandemie - wie sich Hochschule und Wissenschaft bewähren müssen" wurde über den Umgang der Hochschulen mit der Pandemie, die Erkenntnisse und Herausforderungen für Forschung, Lehre und Administration zwei Tage diskutiert. Viele Antworten wurden gegeben und konträr betrachtet, es wurden aber auch zentrale Fragen formuliert, denen sich die Hochschulen zwingend stellen müssen. ,,Wir haben alle extrem viel gelernt, mehr als uns lieb ist. Die Pandemie hat uns in einer Art und Weise aufgezeigt, wie Wissenschaft und wie Hochschule arbeitet, die vorher so gar nicht bekannt war. Unsere Arbeit konnte vorher gar nicht eingeschätzt werden. Was heute richtig ist, kann morgen wieder falsch sein. Wenn man das nicht versteht, hat die Bevölkerung den Eindruck, dass wir unglaubwürdig sind", erläuterte beispielsweise Michael Dreher.

Die Kommunikation mit den Hochschulangehörigen wie auch mit der Gesellschaft war ein zentraler Punkt der Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer. ,,In der Not ist unsere interne Kommunikation sehr viel besser geworden. Das müssen wir weiterführen und professionalisieren", erläuterte die Mainzer Kanzlerin Waltraud Kreutz-Gers. Entscheidend sei, nun die richtigen Lehren zu ziehen. Nicht nur bei der Kommunikation, auch bei der Digitalisierung.

,,Wie lernen wir aus den Dingen, aus denen wir jetzt lernen konnten? Wie sieht sich Hochschule 2030? Was ist das Leitbild, nach dem wir lernen und forschen wollen? Und was bedeutet das für uns, denn dazu gehört eine Grundhaltung zur Digitalisierung?", formulierte Malte Persike. Und Rainer Lange ergänzte: ,,Wie meistern wir die soziale Komponente der Digitalisierung? Wie kann man aus dem Krisenmanagement eine neue Innovationsstruktur entwickeln?" Denn Letzteres werde zunehmend durch immense Bürokratie behindert.

Alena Buyx formulierte einen klaren Auftrag an die Kanzlerinnen und Kanzler: ,,Es braucht erheblichen Druck von Seiten derer, die das schon Jahre aushalten. Wir sind in Deutschland in einem Dickicht von Regelungen gefangen. Das bringt uns langsam um. Es müssen rechtliche Regelungen geändert werden."

Die Tagung der Kanzlerinnen und Kanzler in Aachen stellt einen Ausgangspunkt dar, um die aufgeworfenen Fragen nach den richtigen Lehren und Konsequenzen aus der Pandemie nachhaltig zu beantworten, bilanzierten Dieter Kaufmann und Manfred Nettekoven.


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