
Gefährdete Arten
Die Weibchen der Meeresschildkröten graben am Strand eine Nistgrube, legen ihre Eier ab, schaufeln anschließend mit ihren hinteren Beinen Sand darüber und kehren ins Meer zurück. Die Sonne ,,brütet" die Eier aus. Erst wenn sich die kleinen Schildkröten über mehrere Wochen vollständig entwickelt haben, befreien sie sich aus dem Ei und streben auf schnellstem Wege ins Meer. ,,Die Brutzeit und vor allem die Wanderung auf dem Land bergen für den Nachwuchs die größten Gefahren. Er hat viele unterschiedliche Fressfeinde. Große kräftige Jungtiere haben bei den Meeresschildkröten meist die besseren Überlebenschancen", berichtet Werneburg. Man rechne damit, dass von tausend Jungtieren nur eines das Erwachsenenalter erreicht. Beide in der Studie untersuchten Arten, die Unechte Karettschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte, gelten in ihrem Bestand weltweit als gefährdet.
Der Einfluss der Luftund Sandtemperaturen in der Brutzeit auf das Körperwachstum der jungen Meeresschildkröten im Ei sei bereits mehrfach untersucht worden. ,,Wir wollten jedoch Daten über den Einfluss wechselnder Niederschlagsmengen auf die Jungtiere in der Brutzeit hinzufügen", erklärt Regalado Fernández. Zu viel Feuchtigkeit könne tödlich sein für die Embryos. Schwere Regenfälle, Tropenstürme und Überflutungen zerstörten eine erhebliche Zahl der Nester wie auch Sandabtragung am Strand. Hinzu kämen zahlreiche Fressfeinde.
Schnelle Entwicklung als Überlebensstrategie
Bei ihrer Überlebensstrategie setzen Meeresschildkröten auf eine möglichst schnelle Entwicklung der Jungtiere, damit diese zügig aus dem gefährdetsten Stadium in ihr eigentliches Element, das Meer, gelangen können. ,,Bisher dachte man, dass hohe Temperaturen im Nest eine schnellere Entwicklung der Embryonen bewirken", sagt Regalado Fernández. ,,Zudem waren am Computer generierten Klimamodellen zufolge die Niederschlagsraten bei steigenden Lufttemperaturen nur schwer vorherzusagen", sagt Werneburg. Die Forscherinnen und Forscher gehen nun aber davon aus, dass die lokalen Klimabedingungen, und allem voran die Feuchtigkeit im Boden, einen deutlich größeren Einfluss auf die Bruterfolge der Meeresschildkröten haben als das globale und nur schwer quantifizierbare Klima.
Publikation:
Omar Rafael Regalado Fernández, Parima Parsi-Pour, John A. Nyakatura, Jeannette Wyneken, Ingmar Werneburg: Correlations between local geoclimatic variables and hatchling body size in the sea turtles Caretta caretta and Chelonia mydas. BMC Ecology and Evolution, https://doi.org/10.1186/s12862’024 -02290-7



