Werkzeuggebrauch bei Schimpansen: Eine Frage der Kultur
Benachbarte Schimpansengruppen benutzen trotz ähnlicher ökologischer Bedingungen in ihrem Lebensraum verschiedene Hämmer zum Nüsseknacken. Im Taï- Nationalpark an der westafrikanischen Elfenbeinküste knacken Schimpansen Nüsse der Art Coula edulis mithilfe von Stein- und Holzhämmern und verwenden dabei Baumwurzeln als Ambosse. Jetzt untersuchte ein Forscherteam vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig erstmals, ob benachbarte Schimpansengruppen unterschiedliche Hämmer zum Nüsseknacken verwenden und fanden heraus: Material und Größe der benutzten Hämmer richteten sich bei zwei der drei untersuchten Gruppen nach ökologischen Besonderheiten, wie der abnehmenden Nusshärte im Laufe der Saison, unterschieden sich aber dennoch maßgeblich von Gruppe zu Gruppe. Die Auswahl eines bestimmten Werkzeugs ist demnach nicht nur eine Anpassung an sich verändernde Umweltbedingen sondern auch ein kulturell erlerntes Verhalten, das innerhalb der Gruppe von einer Generation an die nächste weitergegeben wird. Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die Evolution der Kulturfähigkeit beim Menschen diesem mehr Unabhängigkeit von ökologischen Zwängen ermöglicht hat. So finden verschiedene Menschengruppen verschiedene kulturelle Lösungen, um ihren Lebensraum optimal zu nutzen, beispielsweise durch die Herstellung und Verwendung von Werkzeugen. Ob und in welchem Maße Kultur auch im Tierreich eine Rolle spielt ist jedoch umstritten, denn bisherige Nachweise für kulturelles Verhalten waren meist das Ergebnis von Vergleichen räumlich voneinander entfernt lebender Populationen.


