
In Florian Euchners Forschung dreht sich alles um Frequenzen, Signale und Funkwellen. Der Gründer und Alumnus der Universität Stuttgart forscht an Vielantennensystemen, im Fachjargon ,,massive MIMO" genannt, für den Mobilfunk. ,,Funklöcher gehören damit der Vergangenheit an, schnelles Surfen ist dann überall möglich", sagt Florian Euchner. Nach seinem Studium der Elektround Informationstechnik vertieft er seine Leidenschaft für transferorientierte Technologien als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Nachrichtenübertragung (INÜ) der Universität Stuttgart.
Dort forscht er seit 2021 an hochpräzisen digitalen Lokalisierungstechnologien, basierend auf sogenannten Phased Array-Systemen. Zuletzt gründete er 2025 gemeinsam mit Marc Gauger das Start-up ESPARGOS. ,,Technische Lösungen, wie sie ESPARGOS hervorbringt, setzen sehr viel ingenieurwissenschaftliches Denken und Können voraus", sagt Stephan ten Brink, der das Start-up mit wissenschaftlicher Expertise unterstützt. ,,Genau das bringen wir unseren Studierenden bei. Wir wollen, dass sie gestärkt ihren eigenen Weg in die Industrie oder Wissenschaft gehen und sich trauen, ihr Know-how dafür einzusetzen, innovative Lösungen zu kreieren."
Gründer gewinnen Wettbewerb der Bundeswehr
Die beiden Gründer Euchner und Gauger sehen in ihrer Technologie nicht nur Potenzial für bessere mobile Erreichbarkeit oder den Schutz persönlicher Daten. Für die SPECTRA Challenge , gemeinsam ausgetragen von der Cyberagentur, dem Bundeswehr Cyber Innovation Hub (CIHBw) und dem Innovationslabor System Soldat, entwickelte das Team innerhalb von nur sieben Wochen ein digitales Phased-Array-System zur Echtzeitortung von Drohnen.
Der Vorteil: Die meisten Systeme, die bislang im Einsatz sind, liefern Positionsdaten angreifender Drohnen stark zeitverzögert und wenig präzise. Mit Richtfunkantennen muss man die genaue Richtung von Signalen erst manuell orten. ,,Das kostet Zeit, die man in echten Gefahrensituationen vielleicht nicht hat", erklärt Euchner. Die Idee hinter dem digitalen Phased-Array ist, Verteidigung sicherer, präziser und vor allem kostengünstiger zu machen. ,,Wenn Verteidigung billiger ist als Angriff, dann lohnt es sich hoffentlich irgendwann nicht mehr anzugreifen. Bis es soweit ist, kann unsere Technologie im Ernstfall Leben retten."
Dieser Ansatz überzeugte auch die Jury der SPECTRA Challenge. Unter sechs Finalisten setzte sich ESPARGOS durch und belegte den ersten Platz. Mit dem Preisgeld von 100.000 Euro wollen Euchner und sein Gründungspartner Gauger ihre Technologie nun weiterentwickeln.
Halbleiter für die drahtlose Kommunikation umfunktioniert
Das Start-up, das derzeit als TGU (Transferund Gründungsunternehmen) unter dem Dach der TTI GmbH an der Universität Stuttgart agiert, kann bereits auf erste Umsätze blicken. Beispielweise testete ESPARGOS für einen Hersteller von Faraday-Taschen zur Funkabschirmung, ob deren Produkte tatsächlich ,,dicht" sind. ,,Dabei setzen wir auf Kommunikations-Halbleiterchips, die kommerziell hergestellt werden, nämlich für WLAN und Mobilfunk. Wir funktionieren diese Chips für unsere Zwecke um", erklärt Euchner. ,,Das hat den Vorteil, dass wir so deutlich kostengünstiger sind als Lösungen mit Spezialhardware."
Die SPECTRA Challenge wurde gemeinsam von der Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH (Cyberagentur), dem Bundeswehr Cyber Innovation Hub (CIHBw) und dem Innovationslabor System Soldat mit der Idee ausgetragen, vielversprechende Forschung von Start-ups, Unternehmen und Universitäten zum Schutz vor elektronischen Angriffen schneller in die Anwendung zu bringen. Im Fokus steht die Erprobung technischer Lösungen zur Abwehr von überlagernden Störsignalen (Jamming), manipulierter Signale (Spoofing) und elektronischer Übernahme unbemannter Systeme, wie zum Beispiel Drohnen. Die Teams mit den besten Lösungen erproben ihre Technologie gemeinsam mit der Bundeswehr.
Wissens- & Technologietransfer an der Universität Stuttgart