Präzisionsfertigung neu gedacht
Johannes Belkner wurde für seine Dissertation ,,Beiträge zum Direktlaserschreiben auf gekrümmten Oberflächen" ausgezeichnet. Durch seine Forschung können zukünftig feinste Strukturen - hundertmal dünner als ein menschliches Haar - mit einem Laser akkurat auch auf unebenen Oberflächen erzeugt werden. Bislang gelang dies mit hoher Güte vor allem auf flachen Flächen. Belkner hat das Verfahren, eine Schlüsseltechnologie in der modernen Mikround Nanofertigung, im Rahmen seiner Dissertation entscheidend erweitert: Seine Arbeit zeigt, wie sich auch komplex geformte Oberflächen präzise bearbeiten lassen.Dafür kombinierte er hochgenaue Nanopositioniertechnik, neue optische Messverfahren und intelligente Algorithmen zur Fehlerkorrektur. Eine optimierte Laserstrahlführung sorgt zusätzlich für stabilere Ergebnisse. ,,Das eröffnet neue Möglichkeiten für die flexible Herstellung hochspezialisierter makroskopischer Bauteile, etwa in der Optik, Medizintechnik oder Sensorik - besonders dort, wo individuelle Lösungen gefragt sind, also für einzelne Prototypen oder kleine Produktserien", erklärt Belkner.
Johannes Belkner studierte Mechatronik an der Technische Universität Ilmenau und schloss dort 2019 seinen Master of Science ab. Zwischenzeitlich sammelte er internationale Erfahrung bei einem Forschungsaufenthalt in Taiwan sowie als wissenschaftliche Hilfskraft am Leibniz-Institut für Photonische Technologien in Jena. Seit April 2020 promovierte Belkner als Teil des interdisziplinären Graduiertenkollegs ,,Spitzenund laserbasierte 3D-Nanofabrikation in ausgedehnten makroskopischen Arbeitsbereichen" ( 3D-NanoFab ), das seit 2017 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Breits drei Generationen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hatten so bereits die Möglichkeit, in einem Forschungsund Qualifizierungsprogramm spezialisierte Spitzenforschung zu betreiben und auf höchstem Niveau zu promovieren.
Im Juni 2024 verteidigte Johannes Belkner seine unter Betreuung von Eberhard Manske und Thomas Kissinger sowie Prof. Peter Lehmann von der Universität Kassel angefertigte Dissertation mit summa cum laude. Seitdem arbeitet er als Postdoktorand am Institut für Prozessmessund Sensortechnik der TU Ilmenau mit den Themenschwerpunkten Präzisionsmesstechnik mittels Konfokalmikroskopie und Nanopositionierung in fünf Raumrichtungen.
Roboter, die verstehen statt nur sehen
Ebenfalls mit dem Dagmar Schipanski Preis geehrt wurde Daniel Seichter für seine Dissertation zur KI-basierten Umgebungsanalyse in der mobilen Robotik, die er am Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik unter Leitung von Horst-Michael Groß anfertigte. Als weitere Gutachter wirkten Prof. Tamim Asfour vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Wolfram Burgard von der Universität Nürnberg (UTN) mit, zwei international anerkannte Robotik-Experten.Im Zentrum seiner Arbeit steht die Frage, wie Roboter Innenräume nicht nur erfassen, sondern wirklich ,,verstehen" können. Dafür entwickelte der Wissenschaftler Deep-Learning-Verfahren, die Objekte erkennen, Szenen interpretieren und diese Informationen geeignet kombinieren. So analysieren die von ihm entwickelten Systeme Räume nicht nur detailliert, sondern auch besonders effizient direkt auf dem Roboter - ein entscheidender Vorteil für den praktischen Einsatz.
Dabei verknüpfte Daniel Seichter diese Analysen auch mit dreidimensionalen Karten, die so weit mehr als nur Geometrie enthalten. Sie speichern auch Bedeutung und Kontextinformationen und werden so zu einer echten Wissensbasis für den Roboter. Das ermöglicht eine bessere Navigation, vorausschauende Planung und sicherere Interaktion mit Menschen. ,,Erste erfolgreiche Anwendungen im Bereich der Häuslichkeit im Rahmen unserer Forschungsprojekte MORPHIA und CO-HUMANICS zeigen, dass diese Ansätze bereits praxistauglich sind", so Prof. Groß.
Daniel Seichter absolvierte 2017 seinen Master in Ingenieurinformatik mit Auszeichnung. Im Oktober 2024 schloss er auch seine Promotion mit summa cum laude ab. Heute arbeitet er als Teamleiter für Nahfeldwahrnehmung beim Unternehmen Spleenlab, wo er an KI-Software für autonome Systeme mit Fokus auf Sicherheit und Zuverlässigkeit arbeitet. Der TU Ilmenau ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Neuroinformatik und Kognitive Robotik mit Aufgaben in Lehre und Forschung noch immer in Nebentätigkeit verbunden.
Der Dagamar Schipanski Preis wurde Dr. Johannes Belkner und Daniel Seichter am 26. März 2026 beim Empfang der Stadt Ilmenau vom Vorsitzenden der Universitätsgesellschaft Ilmenau, Prof. Peter Scharff, und Ilmenaus Oberbürgermeister Dr. Daniel Schultheiß überreicht.


