Studie: Soziale Medien vermitteln Flüchtlingen ein positiv verzerrtes Deutschlandbild

Repräsentative Befragung der Freien Universität zur Mediennutzung durch Flüchtlinge vor, während und nach der Flucht

Flüchtlinge vertrauen einer Studie der Freien Universität Berlin zufolge Informationen aus den Medien wenig. Die Kommunikation mit Vorausgegangen und Daheimgebliebenen ist für Geflüchtete die vertrauensvollste Informationsquelle und somit auch die wichtigste Funktion des Internets, wie Martin Emmer und Carola Richter vom Institut für Publizistik der Freien Universität herausfanden. Die so verbreiteten Fakten, Gerüchte und Halbwahrheiten prägten die Wahrnehmung und Erwartungen der Flüchtlinge an Deutschland. Die Flüchtlinge wurden dazu befragt, wie sie sich in ihren Herkunftsländern, auf ihrem Fluchtweg und in Deutschland Informationen verschafften; sie wurden gebeten anzugeben, welchen Quellen sie vertrauen und was sich daraus für Einstellungen und Erwartungen gegenüber dem Fluchtziel Deutschland ergeben. Für die repräsentative Studie ‘Flucht 2.0’ wurden mehr als 400 Migranten befragt. Die Ergebnisse sind online verfügbar unter: www.polsoz.fu-berlin.de/kommwiss/arbeitstellen/internationale_kommunikation/Media/Flucht-2_0.pdf  .

Wieso verfügen so viele Flüchtlinge über ein Smartphone? Hat tatsächlich das Selfie eines Flüchtlings mit Bundeskanzlerin Angela Merkel Tausende zur Flucht motiviert? Und glaubten Flüchtlinge, dass ihnen in Deutschland ein Haus gestellt werden würde? Fragen wie diese zum Mediennutzungsund Informationsverhalten von Geflüchteten bewegen seit letztem Jahr die deutsche Öffentlichkeit. In der Studie ‘Flucht 2.0’ gingen Martin Emmer und Carola Richter ging solchen Fragen nach.

Wie die Wissenschaftler weiter herausfanden, dominieren Messenger-Dienste wie WhatsApp die Internet-Nutzung der Flüchtlinge. Viele hätten darüber kommunizierte geschönte Halbwahrheiten erfahren und daran geglaubt, so Carola Richter: ‘Sie haben beispielsweise das Versprechen vom eigenen Haus und dem bedingungslosen Familiennachzug mitunter für bare Münze genommen.’ Die Wahrnehmung Deutschlands ist nach Ansicht der Wissenschaftler also auf die Mediennutzung zurückzuführen. ‘Eine erhebliche Anzahl Flüchtlinge ist offenbar unter falschen Vorstellungen nach Deutschland gekommen’, sagt Martin Emmer. Das zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie: Über 40 Prozent der Geflüchteten gaben an, sie hätten sich vor dem Hintergrund ihres heutigen Wissens gegen die Flucht nach Deutschland entschieden.

Eine ebenfalls in der Studie vorgestellte Typologie der Fluchtgründe zeigt auch, dass Selfie-Bilder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel kaum zur Flucht motivierten: Viele der Befragten hatten dieses Bild nie gesehen. Die Gründe für die Flucht seien deutlich komplexer und seien eher im Verlust der Existenzgrundlage im Heimatland zu finden.


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