Haben wir eigentlich gar keine Wahl?
Tübinger Neurowissenschaftler finden Hinweise, dass der Motorkortex unsere Entscheidungsfindung beeinflusst - und bei 'Entweder-Oder?-Entscheidungen für abwechselnde Reaktionen sorgt. Jeder Handlung geht eine Entscheidung voraus, so glauben wir - aber was geschieht dabei im Gehirn? Es scheint einleuchtend, dass wir stets zuerst zwischen verschiedenen Optionen auswählen: Zum Beispiel können wir uns angesichts einer auf Gelb schaltenden Ampel zwischen Bremsen und Gasgeben entscheiden. Anschließend wird die passende motorische Reaktion ausgewählt und durchgeführt, hier etwa 'Fuß auf linkes Pedal? oder 'Fuß auf rechtes Pedal'. Bisher wird angenommen, dass verschiedene Hirnregionen für diese Schritte verantwortlich sind, wobei der Motorkortex die motorischen Reaktionen auswählt, ohne selbst Entscheidungen zu beeinflussen. Die Tübinger Neurowissenschaftler Anna-Antonia Pape und Forschungsgruppenleiter Markus Siegel (Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften - CIN / MEG Zentrum) haben nun Hinweise gefunden, die dieser Unterteilung in 'entscheidende' und 'reagierende' Hirnregionen widersprechen. Demnach finden sich in motorischen Arealen unseres Gehirns Echos vorhergehender Entscheidungen, die Einfluss auf unsere nächsten Entscheidungen haben. Die Ergebnisse wurden am 7. Oktober 2016 im renommierten Fachjournal Nature veröffentlicht; http://dx.doi.org/ncomms13098 Pape und Siegel stellten 20 Versuchspersonen eine einfache Aufgabe: Sie sollten entscheiden, ob ein Feld aus Punkten sich auf dem Bildschirm gemeinsam in die gleiche Richtung bewegte oder nicht.

