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,,Es ist mir ein zentrales Anliegen, die Schnittstelle zwischen Universität und außeruniversitärer Forschung aktiv zu gestalten", sagt Maren Röger. Die Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und an der Universität Leipzig erläutert in einem Gastbeitrag, was die Partnerschaft zwischen den beiden Insitutionen so wertvoll macht:
Als ich die Leitung des Leipziger Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) , ein führendes Forschungsund Vermittlungszentrum, gemeinsam mit der Berufung auf die Professur für Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa, gerade erst seit wenigen Monaten übernommen hatte, erlebten wir den Schock der russischen Totalinvasion in der Ukraine. Der Angriffskrieg wurde flankiert von Desinformationen, in der Geschichtsverdrehungen ungefiltert weitergetragen wurden.
In diesem Moment zeigte sich eine Stärke der Verbindung von universitärer Verankerung und außeruniversitärer Forschung: Wir erreichten die Studierenden über die universitäre Lehre, das breitere Publikum über Ringvorlesungen im engen wissenschaftlichen Partnernetzwerk und entwickelten neue Vermittlungsformate - von Online-Kursen zur Geschichte und Kultur der Ukraine bis zu Schulbesuchen. Die enge Verbindung von Grundlagenforschung und Wissenstransfer prägt unser Selbstverständnis, und die langjährige, enge Kooperation mit der Universität Leipzig bietet dafür die besten Voraussetzungen.
mehr östliches Europa im Curriculum
Seit der Gründung des Instituts, damals noch unter dem Namen ,,Geisteswissenschaftliches Zentrum für Osteuropa", woraus sich das heutzutage bisweilen irritierende Akronym GWZO erklärt, besteht eine enge Partnerschaft mit der Universität Leipzig. Seit 2003 sind wir offiziell An-Institut der Universität , 2025 wurde dieser Status vertraglich erneuert. Zwei Leitungspositionen werden gemeinsam berufen: Meine Professur an der Fakultät für Geschichte, Kunstund Regionalwissenschaften sowie die der stellvertretenden Direktorin an der Fakultät für Sozialwissenschaften und Philosophie.
Darüber hinaus lehren unsere Abteilungsleiter als Honorarprofessoren in den Fächern Kunstgeschichte, Frühgeschichte sowie Globalgeschichte, und weitere Mitarbeitende als Privatdozent:innen für European Studies und Kulturwissenschaften oder als Habilitand:innen, um Lehrerfahrung für ihren Karriereweg zu sammeln. So bringen wir in enger Kooperation mit den universitären Kolleg:innen mehr östliches Europa ins Curriculum. Mit unserem starken internationalen Profil setzen wir bei den Promotionen auf Cotutelle-Verfahren mit Hochschulen in unserer Forschungsregion - zwar papierintensive Vorgänge, aber am Ende ein überzeugender Beleg des Zusammenbringens mehrerer Forschungskulturen.
internationale Globalisierungsforschung voranbringen
Forschung nimmt einen zentralen Stellenwert ein. Mit Großprojekten wie dem Sonderforschungsbereich ,,Verräumlichungsprozesse unter Globalisierungsbedingungen" sowie dem Leibniz ScienceCampus ,,Eastern Europe - Global Area" (EEGA) sind wir maßgeblich in der internationalen Globalisierungsforschung an der Universität Leipzig verankert. Dies gilt ebenso wie für die Zusammenarbeit an der Schnittstelle zwischen Umweltgeschichte und Geografie. Zudem beteiligen wir uns an der Entstehung neuer Forschungsfelder und Verbünde, die die Sozialismen mit kulturhistorischer Perspektive neu durchleuchten möchten.
In meiner Funktion als Direktorin und berufene Professorin ist es mir ein zentrales Anliegen, die Schnittstelle zwischen Universität und außeruniversitärer Forschung aktiv zu gestalten. Dazu zählen die Förderung weiterer innovativer Forschungsansätze, die Intensivierung der Zusammenarbeit mit universitären Kolleg:innen sowie die Weiterentwicklung unseres internationalen und interdisziplinären Teams. So konnte gerade erst eine Kollegin aus der Ukraine erste Lehrerfahrung in Deutschland sammeln. Davon profitiert nicht nur sie selbst, da sie gezwungen ist, ihre Karriere hier fortzusetzen, sondern es ist äußerst bereichernd auch für die Studierenden, die neuen Input erhalten.
Die vertrauensvolle Kooperation mit der Universität Leipzig bildet das Fundament dieser Arbeit. Angesichts der aktuellen politischen, auch geopolitischen Umbrüche mangelt es nicht an Herausforderungen, doch gerade in einem intellektuell und institutionell lebendigen Umfeld wie Leipzig bringt es Freude, Forschung, Lehre und Transfer zu dieser für unsere Gesellschaft so wichtigen Großregion voranzubringen.
Maren Röger ist Direktorin des Leibniz-Instituts für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO) und für Geschichte des östlichen Europa/Ostmitteleuropa an der Universität Leipzig. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Geschichte Ostmitteleuropas, insbesondere Polens vom 19. Jahrhundert bis heute, Besatzungsund Kriegsfolgenforschung, Nationalsozialismus und Holocaust.
Röger ist Sprecherin des Leibniz-Forschungsnetzwerks Östliches Europa , Stiftungsrätin der Max Weber Stiftung und Mitglied im Kuratorium des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung Potsdam. Außerdem nimmt sie zahlreiche Funktionen in Gremien nationaler und internationaler Wissenschaftseinrichtungen wahr.




