Romana Rauch und Mira Rochyadi-Reetz - ein Campusgarten als Ort der Nachhaltigkeit, Forschung und Gemeinschaft
Aktuell arbeiten wir in der AG Nachhaltigkeit an einem Campusgarten an der TU Ilmenau. Die Idee dazu entstand durch den inspirierenden Austausch mit der FH Erfurt, die bereits erfolgreich einen Campusgarten betreibt. Wir haben uns ihr Konzept angesehen, darunter ein Naturgarten, Beerensträucher und einzelne Parzellen, die Studierende selbst bewirtschaften können - ganz ohne chemischen Dünger. Genau das wollen wir auch. Besonders wichtig ist uns, dass dieser Ort nicht nur zur Erholung und als sozialer Treffpunkt dient, sondern auch Forschungsund Bildungsprojekte ermöglicht, etwa Sensorik und Bewässerungssysteme, die von Studierenden entwickelt werden könnten oder Luftaufnahmen zur Biodiversitätsmessung. Wir stehen dazu in Kontakt mit Fachgebieten, die ihre Expertise einbringen wollen. Und wir freuen uns, dass schon jetzt viele Studierende und Mitarbeitende Interesse gezeigt haben, eigene Parzellen zu bewirtschaften.Prof. Stephan Husung - technische Produkte nachhaltig entwickeln
Als Ingenieur und Leiter des Fachgebiets Produktund Systementwicklung sehe ich es als meine Verantwortung, technische Produkte so zu entwickeln, dass sie nicht nur funktionieren, sondern dabei auch möglichst wenig Energie und Ressourcen verbrauchen. Nachhaltigkeit ist für mich kein Zusatz, sondern muss von Anfang an mitgedacht werden. Wir brauchen intelligente, kreislauffähige Lösungen. In der Lehre vermitteln wir deshalb, wie angehende Ingenieur*innen Produkte entwickeln können, die ihren Zweck erfüllen und gleichzeitig unseren Ökologischen Fußabdruck minimieren. Besonders spannend ist dabei das interdisziplinäre Lehrprojekt im Rahmen des BMBF-geförderten Klima N-Projekts in Kooperation mit dem Fachgebiet Empirische Medienforschung und Politische Kommunikation. Schwerpunkt ist eine bessere Abfalltrennung und Reduzierung auf dem Campus der TU Ilmenau. Die Studierenden beleuchten das hochrelevante Thema von unterschiedlichen Perspektiven. Studierende der Ingenieurwissenschaften entwickeln technische Lösungen zur Abfallerkennung und die Studierenden der Kommunikationswissenschaften führen Stakeholder-Analysen durch und entwickeln Kommunikationsstrategien. Ziel ist, das falsche Entsorgung direkt erkannt und zur Sensibilisierung beiträgt. So bringen wir Technik und gesellschaftliche Verantwortung zusammen - ganz konkret und praxisnah.Dr.-Ing. Tobias Wätzel - grüner Strom und Wasserstoff als Chance für Wirtschaft und Klima
Bei der BOREAS Energie GmbH bin ich zuständig für Wasserstoff, genauer gesagt für das Themenfeld Power-to-Gas. Um unsere Gesellschaft, unsere Industrie und unseren Konsum zu dekarbonisieren braucht es neben dem schonenden und kreislaufgeführten Umgang mit Ressourcen vor allem eins: nachhaltige und CO2- freie Energie. Genau hier greift grüner Wasserstoff. Für mich gehören Energieund Stoffstrommanagement seit Beginn meiner Arbeit in diesem Bereich untrennbar zusammen, in allem steckt Energie und die muss eben erneuerbar und nachhaltig produziert werden. Als die Anfrage zur Beteiligung an den Sustainability Days über die VDI young engineers kam, habe ich aus Überzeugung sofort zugesagt. Mein Credo ist: Erneuerbare Energien sind eine riesige Chance für Wirtschaft und das Klima von morgen. Durch die Etablierung eines erneuerbaren Energiesystems entstehen neue Wertschöpfungsketten für die Industrie und das Gewerbe, sprich neue Märkte. Wir brauchen viele neue Infrastrukturen und Komponenten, aber auch neue Dienstleistungen und Menschen, die in diesem Feld arbeiten - darunter auch engagierte Studierende, Forschende und Absolvent*innen der TU Ilmenau.Ich engagiere mich seit über zwei Jahren in der AG Nachhaltigkeit der TU Ilmenau. Dabei geht es mir vor allem darum, andere Studierende zu motivieren - zum Beispiel mit Aktionen wie dem Fashion Corner, bei dem bereits 230 Kleidungsstücke neue Besitzer gefunden haben, oder spielerischen Formaten zur Mülltrennung. In der Task Group Nachhaltigkeit der Universität vertrete ich die Studierenden und setze mich dafür ein, dass Nachhaltigkeit an unserer Universität stärker verankert wird. Die Sustainability Days sind für mich ein Herzensprojekt: Wir wollen zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht abstrakt ist, sondern ganz konkret - und dass jede*r mitmachen kann. Meine persönliche Motivation? Ich glaube, dass Nachhaltigkeit ein Weg ist, ein guter Mensch zu sein. Wenn ich andere dafür begeistern kann, motiviert mich das selbst - und das gibt mir das Gefühl, etwas Sinnvolles für unsere Gesellschaft beizutragen.
Ich forsche in der Forschungsgruppe Data-intensive Systems and Visualization Group , das heißt im Bereich der künstlichen Intelligenz, zum Nachweis von Parasiten bei Bienen - ein Thema, das für Ökologie und Nachhaltigkeit gleichermaßen relevant ist. Die Varroa-Milbe zum Beispiel hat sich erst im letzten Jahrhundert auf die domestizierte Honigbiene verlagert und ist damit eine akute Bedrohung für die Imkerei. Außerdem entdecken wir auch bei Wildbienen Parasiten, für die bisher keine Deep-Learning-Algorithmen eingesetzt wurden. Eine große Herausforderung ist dabei der Mangel an Daten, insbesondere für Wildbienen. Um den Datensatz zu erweitern, erstelle ich synthetische Bilder: Ich kombiniere echte Parasitenbilder mit Bildern gesunder Bienen, wodurch sich die Erkennungsraten verbessern lassen. Mein Ziel ist es, mit datengesteuerter Technologie konkrete Beiträge zum Schutz der biologischen Vielfalt zu leisten.
In der Hochschulgastronomie, die wir beim Studierendenwerk Thüringen verantworten, wollen wir unseren Gästen die Möglichkeit geben, sich über den CO2-Äquivalentwert ihrer Gerichte zu informieren. Deshalb kennzeichnen wir jedes Gericht mit seinem CO2-Äquivalentwert, der die Emissionen von der Produktion über Lagerung und Transport bis zur Warenannahme abbildet. Saisonalität spielt dabei eine große Rolle: Frische Tomaten zum Beispiel verursachen im Winter meist höhere Emissionen - etwa durch beheizte Gewächshäuser. Neben der Transparenz achten wir auch bei der Produktauswahl auf Nachhaltigkeit - regionale Zutaten, energiesparende Küchentechnik und der gezielte Einsatz pflanzlicher Alternativen gehören für uns dazu. Bei unseren pflanzenbasierten Gerichten kommen zunehmend Produkte mit Erbsenoder Mungobohnenprotein zum Einsatz - als Ergänzung zu Soja. Dabei achten wir verstärkt auf Zutaten mit möglichst kurzen Transportwegen. Wir bieten vegane Optionen abhängig von der Nachfrage an und setzen bei Fleisch auf regionale Anbieter mit höheren Haltungsstandards.
Bein Verein ISWI engagiere ich mich für Nachhaltigkeit auf dem Campus. Für mich beginnt das im Alltag: Wir trennen Abfälle sorgfältig in Papier, Plastik und Restmüll und nutzen bereits bedrucktes Papier, etwa Rückseiten von Flyern, erneut, für Notizen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich Solidarität - nicht nur mit den Menschen heute, sondern auch mit zukünftigen Generationen, die unsere Welt erben werden. Für die Sustainability Days habe ich ein spielerisches Quiz ausgedacht: ein True-or-False-Spiel rund um Nachhaltigkeitsthemen. Wer gut abschneidet, bekommt eine kleine Belohnung - aber das Wichtigste ist, dass die Leute etwas lernen und mit einem neuen Bewusstsein nach Hause gehen. Nachhaltigkeit soll Spaß machen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen.



