Wer schneller wächst, ist früher tot
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Wie die Wachstumsrate die Fitness von Bakterien beeinflusst - Bakterien sind Überlebenskünstler: Wenn sie Nahrung bekommen, vermehren sie sich rasant, doch sie können auch Hungerphasen überdauern. Allzu schnelles Wachstum reduziert jedoch ihre Überlebensfähigkeit, das zeigen Untersuchungen eines Forschungsteams der Technischen Universität München (TUM) an Kolibakterien. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, die Wirksamkeit von Antibiotika zu steigern. ,,Die Fitness von Bakterien ist komplexer als gedacht", erklärt Ulrich Gerland, Professor für Theorie komplexer Biosysteme an der TU München. Der Physiker untersucht seit mehreren Jahren die Überlebensstrategien von Kolibakterien. Die Einzeller mit dem lateinischen Namen Escherichia coli, die im Dickdarm von Säugetieren die Verdauung unterstützen, sind ein beliebter Modell-Organismus. Mit ihrer Hilfe lässt sich untersuchen, wie es Lebewesen gelingt, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen. ,,Bisher wusste man, dass die biologische Fitness von zwei Dingen anhängt: der Wachstumsrate, wenn Nahrung zur Verfügung steht, sowie der Überlebensfähigkeit in Zeiten von Nährstoffmangel", erläutert der Wissenschaftler. ,,Ungeklärt war jedoch, wie diese beiden Faktoren zusammenhängen." Zusammen mit seinem Team hat Gerland nun erstmals systematisch untersucht, inwieweit schnelles oder langsames Wachstum die Überlebensfähigkeit von Kolibakterien beeinflusst: ,,Dabei hat sich gezeigt, dass Veränderungen der Wachstumsbedingungen direkte Auswirkungen haben auf die Sterberaten. Diese folgen einem einfachen Gesetz: Die am besten ernährten und am schnellsten wachsenden Bakterien, sterben auch als erste, wenn man ihnen die Nahrung entzieht." Üppige Ernährung ist also schlecht für die Fitness von Bakterien. Doch warum?


