
Wie entstehen neuronale Schaltkreise - und welche Rolle spielen Gene, Zufallsprozesse und zeitliche Programme bei der Entwicklung des Gehirns? Mit diesen Fragen befasst sich der Neurowissenschaftler Bassem Hassan vom Paris Brain Institute. Für seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung der genetischen Grundlagen der Gehirnentwicklung erhält er den Humboldt-Forschungspreis. Die Auszeichnung ist mit 80.000 Euro dotiert und ermöglicht international führenden Wissenschaftler*innen wie Hassan bis zu zwölfmonatige Forschungsaufenthalte in Deutschland.
Seit dem 16. März forscht Bassem Hassan an der Freien Universität Berlin, die feierliche Verleihung des Humboldt-Forschungspreises durch die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) findet am 20. März in Bamberg statt. Die Stiftung ermöglicht exzellenten Wissenschaftler*innen aus aller Welt Forschungsaufenthalte in Deutschland, knüpft ein internationales Netzwerk von Wissenschaftler*innen auf und stärkt durch Forschungsaustausch den Wissenschaftsstandort Deutschland. Mit dem Humboldt-Forschungspreis würdigt die AvH Bassem Hassans grundlegenden Beiträge zur Erforschung der genetischen Mechanismen der Gehirnentwicklung. Finanziert wird der Preis im Rahmen des 1.000-Köpfe-Plus-Programms der Bundesregierung, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt getragen wird. Ziel des Programms ist, internationale Spitzenforscher*innen nach Deutschland zu holen.
,,Bassem Hassan hat maßgeblich dazu beigetragen, die Rolle, aber auch die Grenzen genetischer Programme für die Entwicklung des Nervensystems und für Verhalten zu verstehen", sagt Peter Robin Hiesinger, Professor für Entwicklungsneurobiologie am Fachbereich Biologie, Chemie, Pharmazie der Freien Universität Berlin und Gastgeber des Forschungsaufenthalts. Hassans Forschung habe zudem gezeigt, dass stochastische Prozesse für die neuronale Verschaltung im Gehirn essenziell seien und individuelle Ausprägungen von Verhalten ermöglichten. ,,Ich freue mich sehr darauf, mit einem so herausragenden Wissenschaftler wie Bassem Hassan zusammenzuarbeiten." Während seines Aufenthalts wird Hassan insbesondere untersuchen, welche Rolle die genetische Kodierung von Zeit für die Gleichförmigkeit und Variabilität von Gehirnen spielt.
Die Weiterentwicklung dieser Fragestellungen im Berliner Forschungsumfeld sieht auch Hassan als besondere Chance: ,,Die Freie Universität Berlin zeichnet sich durch ihre internationale Ausrichtung und ihre exzellente Forschungslandschaft aus", sagt er. ,,Ich freue mich sehr darauf, meine Arbeit hier weiterzuentwickeln und gemeinsam neue Perspektiven auf die Entwicklung des Gehirns zu eröffnen."
Bassem Hassan ist seit 2016 Teamleiter ,,Brain Development" und Scientific Director am Paris Brain Institute. Zuvor war er unter anderem Group Leader an der Katholieke Universiteit Leuven (KU Leuven) in Belgien sowie Postdoktorand und Fellow des Howard Hughes Medical Institute und der National Institutes of Health in den USA. Von 2016 bis 2022 forschte er bereits als Einstein Visiting Fellow am Berliner Institut für Gesundheitsforschung in der Charité. Hassan promovierte in Molekulargenetik an der Ohio State University in den USA. Für seine Forschung erhielt er den Roger de Spoelberch Prize. Hassan ist seit 2009 gewähltes Mitglied der European Molecular Biology Organization (EMBO). (jkr)



