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Am Mittwoch, dem 10. April 2024, wird bundesweit erneut der Tag der Provenienzforschung begangen. In diesem Jahr beteiligt sich die Friedrich-Schiller-Universität Jena erstmals daran. Im Foyer der Thüringer Universitätsund Landesbibliothek (ThULB) wird ab Mittwoch eine Ausstellung gezeigt, die Einblicke in die Provenienzforschung an drei Jenaer Institutionen gibt: Der ThULB selbst, der Anatomischen Sammlung und des Phyletischen Museums der Universität.
,,Unser Ziel ist es, den Besucherinnen und Besuchern einen kleinen Einblick in die Provenienzforschung zu ermöglichen", sagt Friederike Schwalbe. Die Kunsthistorikerin leitet an der ThULB eine dreiköpfige Arbeitsgruppe, die sich mit der Provenienz - der Herkunft - Tausender Bücher beschäftigt. Wie Friederike Schwalbe erläutert, werden seit zwei Jahren die Zugänge der Jahre 1933 bis 1945 untersucht. Eine Sisyphusaufgabe, geht es doch um etwa 30.000 Bücher, von denen etwa 40 Prozent im Verdacht stehen, unrechtmäßig erworben worden zu sein. Sollte das der Fall sein, wird nach den Eigentümern bzw. deren Nachfahren gesucht, um die Bücher zurückzugeben. Manchmal dürfen die Bücher als Geschenke oder Leihgaben in Jena bleiben.
Zahlreiche Artefakte aus der kolonialen Vergangenheit
An der Anatomischen Sammlung der Universität Jena dreht sich die Provenienzforschung vorrangig um Objekte aus dem kolonialen Kontext, wie Dr. Ulrike Lötzsch erläutert. Es gebe ungefähr 100 sogenannter Human Remains, also menschliche Gebeine oder Teile davon in der Sammlung, die bereits 1804 gegründet wurde. ,,Wir veranschaulichen in unserer Vitrine vor allem den Arbeitsprozess bei der Provenienzforschung", sagt Lötzsch, die die Sammlung wissenschaftlich betreut. Als Quellen kommen Rechnungen, Bestandslisten oder auch alte Beschilderungen von Exponaten in Frage.Bernd Bock, Mitarbeiter am Phyletischen Museum in Jena, nennt Provenienzforschung eine alltägliche Arbeit im Museum: ,,Eine Sammlung ohne Wissen um die Herkunft der Objekte bleibt ein Sammelsurium." Quellen der Forschung können beispielsweise Reiseberichte sein, kamen doch viele der Ausstellungsstücke durch Forschungsreisende in die Sammlung. Für die Ausstellung in der ThULB steuert das Museum u. a. eine sogenannte Haartafel bei, ein Instrument, das zur Bestimmung von Menschenrassen benutzt wurde; außerdem eine ,,Haarfarbenskala nach Fischer und Saller", die demselben Zweck diente. Gezeigt werden zudem Messwerkzeuge, mit denen Schädel vermessen wurden, um Rassen voneinander zu unterscheiden. Es sind Artefakte, die in eine wahrhaft dunkle Vergangenheit weisen. Die Ausstellung in der ThULB bringt da etwas Licht ins Dunkel.
Die Ausstellung zur Provenienzforschung ist vom 10. April bis zum 22. Mai 2024 im Hauptgebäude der Thüringer Universitätsund Landesbibliothek Jena (Bibliotheksplatz 2) zu sehen. Besucherinnen und Besucher können die Schau während der Öffnungszeiten der Bibliothek ansehen, der Eintritt ist frei.
