Evolution ist berechenbar
Programm sagt die Entwicklung von Grippe-Viren voraus. Prognosen über die künftige Evolution von Organismen waren lange Zeit pure Spekulation. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen haben zusammen mit Forschern aus Cambridge und Santa Barbara, USA, einen Rechenalgorithmus entwickelt, der die Entwicklung von sich asexuell vermehrenden Organismen wie Viren oder Krebszellen berechnen kann. Die Forscher testeten das Programm erstmals an der historischen Entwicklung des Grippevirus A/H3N2: Rückblickend konnte der entwickelte Algorithmus den vorherrschenden Virustyp der nächsten Saison in den meisten Fällen gut bis sehr gut bestimmen. Eine Kombination dieses Ansatzes mit anderen Methoden könnte in naher Zukunft die Treffsicherheit der Prognosen noch weiter erhöhen. Die Methode der Forscher ist zudem nicht nur auf Grippeviren beschränkt - auch die Entwicklung von HIV und Noroviren sowie von Krebszellen lässt sich damit prognostizieren. Der Algorithmus der Wissenschaftler beruht auf einer einfachen Idee: Von der Verteilung der Äste eines Stammbaums schließt er auf die Überlebensfähigkeit - sprich: die biologische Fitness - eines Organismus.



