Mit Blaualgen dem Klima auf der Spur

RWTH-Paläoklimaforscher Professor Thorsten Bauersachs veröffentlicht mit Kollegen unter Leitung der Universität Bremen in ,,Science Advances" Untersuchungen zur Vereisung der Westantarktis.

Es ist mehr als 30 Millionen Jahre her, dass die Westantarktis zuletzt weitgehend eisfrei war. In den letzten 30 Millionen Jahren war sie hingegen Überwiegend und großflächig vereist. Wie die Westantarktis vor dieser Vereisung ausgesehen hat und welche Bedingungen zur Vereisung führten, haben Professor Thorsten Bauersachs der RWTH Aachen und ein internationales Team aus unterschiedlichsten Fachrichtungen unter Leitung von Cornelia Spiegel der Universität Bremen nun untersucht und ihre Erkenntnisse in der von der ,,American Association for the Advancement of Science" herausgegebenen Fachzeitschrift "Science Advances" veröffentlicht.

Professor Thorsten Bauersachs leitet seit Januar das Institut für Organische Biogeochemie in Geo-Systemen an der RWTH Aachen. Sein Fachgebiet ist die organische Geochemie. Durch den Einsatz von organischen Verbindungen, sogenannten Temperaturproxys, ist er in der Lage, Temperaturenverläufe in der Erdgeschichte zu rekonstruieren. In der nun veröffentlichten Studie geht es um die Rekonstruktion der Umweltbedingungen der Westantarktis, die vor 30 Millionen Jahren einer Sumpflandschaft gemäßigter Breiten glich. Die Arbeit der Forschenden zielt auf ein besseres Verständnis hinsichtlich der Faktoren, die die Vereisung der Antarktis beeinflusst haben und welchen Effekt diese auf das globale Klima und Meeresspiegelschwankungen hatten. ,,Wir können nun nachvollziehen, wann die Westantarktis zuletzt eisfrei war, wie schnell sich Klima und Vereisung in der Westantarktis verändert haben und wie das System Antarktis funktioniert", erläutert Bauersachs. Die Forschenden unterscheiden zwischen Ostund Westantarktis, denn der Überwiegende Teil des antarktischen Eisverlusts geschiet im Westen des Kontinents. Warum das so ist und was beim Abschmelzen der Westantarktis geschieht - auch das ist im weiteren Gegenstand der Forschung.

Thorsten Bauersachs untersucht spezielle Lipide, die von Cyanobakterien, auch als Blaualgen bekannt, produziert werden. Diese passen sich in ihrer Zusammensetzung an die vorherrschende Wassertemperatur an. In Sedimenten abgelagert, lassen sie so auch nach Jahrmillionen noch Rückschlüsse zu - in diesem Fall auf die Temperatur der Westantarktis am Übergang vom Eozän ins Oligozän. Die für die Veröffentlichung benötigten Sedimentkerne wurden 2017 während der Ausfahrt ,,PS 104" mit dem Eisbrecher ,,Polarstern", dem Forschungsschiff der Bundesrepublik Deutschland unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, im Amundsenmeer in der Westantarktis gewonnen.

Hier geht es zu der Veröffentlichung in Science Advances.