Wie KI die Gründungslandschaft in Baden-Württemberg verändert

Der neue ,,UpStart BW Report 2025: Wie KI die Gründungslandschaft verändert" des Instituts für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI) der Universität Stuttgart in Kooperation mit der Péter Horváth Stiftung untersucht, wie Künstliche Intelligenz frühphasige Gründungen in Baden-Württemberg verändert (Erhebungszeitraum: Juli 2024-Juni 2025 inkl. ausführliche Interviews mit Gründerinnen und Gründern). Die Ergebnisse zeigen, dass KI inzwischen quer durch alle Branchen genutzt wird - von der Softwareentwicklung über Marketing bis hin zur rechtlichen und organisatorischen Orientierung. Besonders im Vergleich zum Vorjahresreport wird deutlich, dass KI nicht mehr nur ein Nischenthema einzelner Tech-Start-ups ist, sondern zum Alltagswerkzeug in der frühen Gründungsphase geworden ist.

,,Auf systemischer Ebene zeichnen sich dieses Jahr einige interessante Trends ab", sagt Andreas Wahl, Co-Autor des Reports. ,,Baden-Württemberg ist immer noch zweigeteilt zwischen einem weniger technisch aufgestellten Einzelhandelssektor und einem sehr technischen Produktionsund Industriesektor, in beiden Bereichen sehen wir jedoch deutliche Zugewinne an datenund technikgestützten Gründungen." Gleichzeitig deuten die neuen Daten auf erste Verschiebungen bei den Gründenden hin: Der Anteil sehr hoch gebildeter Gründerinnen und Gründer ist leicht rückläufig, während der Anteil an Gründerinnen insgesamt etwas steigt. ,,Es wird spannend sein zu beobachten, ob sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzt", so Wahl.

Eine zentrale Rolle spielt in diesem Jahr die Nutzung von KI-Tools in der täglichen Arbeit von Gründenden. ,,Wir sehen, dass KI-Tools einen deutlichen Einfluss auf Gründende haben - nicht nur bei der schnelleren Entwicklung von Software, sondern auch beim Brainstorming und in der Recherche", erklärt Co-Autor Johannes Engels. Gründerinnen und Gründer nutzten KI zunehmend als ,,Zweitmeinung" zur Unternehmensgestaltung, zur Automatisierung wiederkehrender Aufgaben wie Cold Calling oder zur Unterstützung bei taktischen und rechtlichen Unsicherheiten. ,,Gründende nutzen KI-Tools, um ihre eigenen Schwächen auszugleichen und neue Aspekte der Unternehmensführung zu erlernen", so Engels.

Diese Entwicklung könnte die Unternehmensund Beschäftigungsstrukturen in Baden-Württemberg nachhaltig verändern. Viele der befragten Start-ups erwarten, dank KI künftig mit den vorhandenen Mitarbeitenden effektiver skalieren zu können. Tätigkeiten, für die bisher externe Agenturen oder spezialisierte Positionen - etwa in Marketing, Entwicklung oder Beratung - notwendig waren, können zunehmend intern und KI-unterstützt erledigt werden. ,,Wir sehen, dass Startups deutlich bewusster planen, wann und wie neue Mitarbeitende oder externe Kompetenzen benötigt werden. Hierbei spielen vor Allem die sich immer weiter verschiebenden Fähigkeiten und Limitationen von KI-Modellen eine Rolle", betont Engels.

Auch das Gründungsökosystem steht vor einem Wandel. Standardisierte Informationsangebote, wie allgemeine Einführungen in Gründungsthemen, können laut den Befragten zunehmend durch KI ersetzt werden. Stattdessen wächst der Bedarf an spezialisierten, kuratierten Angeboten, die den Mehrwert menschlicher Expertise und regionaler Netzwerke ausspielen: Kontakte zu ähnlichen Start-ups, potenziellen Kundinnen und Kunden oder Infrastrukturanbietern werden wichtiger. Der Report verweist zudem auf zukünftige Aufgaben für Akteurinnen und Akteure des Ökosystems, etwa in Form von KI-fokussierten Vorträgen, Hands-on-Workshops und Best-Practice-Formaten, die Gründende beim verantwortungsvollen und wirksamen Einsatz von KI unterstützen.

Der vollständige UpStart BW Report 2025 ist frei zugänglich über die Plattform Opus, den Publikationsserver der Universität Stuttgart.

Wissensund Technologietransfer an der Universität Stuttgart

Das Transfercenter TRACES ist die zentrale Anlaufstelle der Universität Stuttgart für Forschungsund Wissenstransfer. In Kooperation mit dem Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI), der Technologie-Transfer-Initiative TTI GmbH und dem Dezernat 1 - Forschung und Transfer bildet das TRACES ein innovatives Transferund Gründungsökosystem für Gründerinnen und Gründer. Es begleitet und berät von der Idee bis zur Ausgründung. Mit einem vielfältigen Angebot von Lehrveranstaltungen , Gründungscoachings sowie Beratungen zu Anträgen, Förderprogrammen oder Patenten und Schutzrechten unterstützt die Universität Stuttgart Gründungsvorhaben von Studierenden und Mitarbeitenden. Mit fantastischem Erfindergeist gelingt der Universität Stuttgart regelmäßig der Sprung in die Top 10 deutschen Universitäten mit den meisten Patentanmeldungen pro Jahr. Der ,,Entrepreneurship"-Newsletter des ENI informiert zweimal im Monat über aktuelle Neuigkeiten, Veranstaltungen und Wettbewerbe im Startup-Ökosystem.

Johannes Engels, Universität Stuttgart, Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung, E-Mail