Neue Professur zur Sicherheitsforschung an der RWTH

Vier Männer in Anzügen
Vier Männer in Anzügen
An der RWTH wird die von der TÜV Rheinland Stiftung finanzierte Stiftungsprofessur ,,Sicherheitsund Nachhaltigkeitsbewertungen in der Zukunftsforschung" eingerichtet.

Sicherheitsforschung ist als akademisches Fach in Deutschland bislang kaum verankert. Dabei wird es immer wichtiger, Sicherheitsund Nachhaltigkeitsaspekte frühzeitig in die Entwicklung neuer Technologien zu integrieren. In einer immer komplexer werdenden Gesellschaft, die zunehmend sowohl technologischen als auch nicht-technologischen Risiken ausgesetzt ist, machen die RWTH Aachen und TÜV Rheinland daher einen bedeutenden Schritt und richten an der Fakultät für Maschinenwesen die neue Juniorprofessur ,,Sicherheitsund Nachhaltigkeitsbewertungen in der Zukunftsforschung" ein. Die Stiftungsprofessur befasst sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der Sicherheitsund Nachhaltigkeitsfragen in der Technologieentwicklung und wird am Lehrstuhl für Production of E-Mobility Components von Achim Kampker angesiedelt. Sie arbeitet darüber hinaus eng mit dem Lehrstuhl für Technology Analyses and Foresight unter Leitung von Michael Lauster sowie dem Fraunhofer Institut für Naturwissenschaftlich-Technische Trendanalysen INT zusammen. Die Fördersumme wird über die TÜV Rheinland Stiftung finanziert und beläuft sich auf jährlich 200.000 Euro für bis zu maximal sieben Jahre nach Berufung, also insgesamt 1,4 Millionen Euro.

Es wird zunehmend wichtiger, in der Technologieentwicklung frühzeitig Sicherheits­ und Nachhaltigkeitsfragen zu berücksichtigen. Der Begriff ,,Sicherheit" muss dabei in einem weiten Sinn, also für die beiden Aspekte ,,Safety" und ,,Security" betrachtet und Nachhaltigkeit in allen Dimensionen, sowohl Ökologisch als auch Ökonomisch und soziologisch aufgefasst werden. Ziel der Professur ist, den optimalen Zeitpunkt für die Einleitung von Zertifizierungsprozessen zu bestimmen, um die technologische Entwicklung nicht zu behindern und gleichzeitig wichtige Sicherheitsaspekte und Nachhaltigkeitsanforderungen rechtzeitig zu berücksichtigen.

,,Die Einrichtung der Stiftungsprofessur Sicherheitsund Nachhaltigkeitsbewertungen in der Zukunftsforschung ist eine Antwort auf eine gemeinsame Herausforderung, der sich die RWTH als Universität mit technischem Kern und TÜV Rheinland als Wegbereiter neuer Technologien gemeinsam stellen. Wir als RWTH sind davon Überzeugt, dass solche Herausforderungen mit starken Partnern oder in Netzwerken angegangen werden müssen. Und genau so eine starke Partnerschaft gehen wir an dieser Stelle ein", sagt RWTH-Rektor Professor Ulrich Rüdiger.

,,Mit der RWTH und den an der Fakultät für Maschinenwesen angesiedelten Lehrstühlen verbindet TÜV Rheinland eine langjährige, sehr gute Zusammenarbeit. Wir erhoffen uns von der neuen Professur wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Foresight-Konzepts. Die Technologievorschau gibt uns bereits heute Hinweise auf technologische Entwicklungen, die hinsichtlich Sicherheit und Nachhaltigkeit an Relevanz gewinnen könnten - und dient uns so als Kompass in der strategischen Planung bei TÜV Rheinland", so Professor Dieter Spath, Präsident und Vorsitzender des Vorstands des TÜV Rheinland Berlin Brandenburg Pfalz e.V..

Moderne Technologien bergen erhebliche Risiken.

Moderne Technologien, insbesondere solche, die noch in der Entwicklungsphase stecken, bergen erhebliche Risiken. Diese Risiken müssen vor ihrer großflächigen Verbreitung in der Gesellschaft identifiziert und verringert werden. Aktuelle Diskussionen über die Gefahren der Künstlichen Intelligenz oder des Genetic Engineering verdeutlichen dies eindrücklich. Die neue Professur wird Methoden entwickeln, um solche Gefährdungen prospektiv abzuschätzen und die Erkenntnisse den Forschern und Entwicklern zu kommunizieren. Im Sinne des Foresight wird die Professur die Entwicklungen in der naturwissenschaftlich-technischen Forschung intensiv beobachten und deren zeitlichen Verlauf einschätzen. Es wird untersucht, ob identifizierbare Muster in diesen Entwicklungen existieren und ob daraus quantifizierbare Kriterien für angemessene Zertifizierungsprozesse abgeleitet werden können.

Die Kombination aus Technologieanalyse, -vorausschau, Sicherheitsforschung und einem breiten Spektrum technischer Anwendungen ist in der akademischen Szene bisher einzigartig. Die RWTH hat hier die Chance, eine Vorreiterrolle im Bereich der Nachhaltigkeitsuntersuchungen im Maschinenbau zu Übernehmen und mit dieser Professur einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen und sicheren Technologieentwicklung zu leisten.

TÜV Rheinland versteht sich seit über 150 Jahren als Wegbereiter für neue Technologien, indem das Unternehmen für sichere und nachhaltige Anwendungen Sorge trägt. Voraussetzung dafür ist eine methodische Technologievorausschau. Für die wissenschaftliche Weiterentwicklung dieses Fachgebietes soll die Stiftungsprofessur einen Beitrag leisten. Namensgeber für die Professur ist Professor Bruno O. Braun, der langjährige Vorstandsvorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des Aufsichtsrats der TÜV Rheinland AG. Braun war außerdem unter anderem von 2007 bis 2012 Präsident des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

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Verkündung der Stiftungsprofessur Sicherheitsund Nachhaltigkeitsbewertung in der Zukunftsforschung an der RWTH Aachen mit (von links) Professor Achim Kampker (RWTH Aachen), Professor Bruno O. Braun (TÜV Rheinland), Professor Dieter Spath (TÜV Rheinland), Professor Michael Lauster (RWTH Aachen)