Internationale Tagung auf dem ,,PharmaCampus" widmet sich der Proteinkinase CK2 / 9. bis 12. September

Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Doktorandinnen und Doktoranden aus der ganzen Welt vom 9. bis 12. September am PharmaCampus an der Correnstraße treffen und ihre Aufmerksamkeit diesem Enzym widmen - genau 70 Jahre nach dessen Entdeckung. "Beim Menschen sind 518 Kinasen bekannt. Allein die CK2 reguliert die Aktivität von mehr als 300 verschiedenen Proteinen im Körper", verdeutlicht Joachim Jose vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster die Bedeutung der CK2. Sein Team organisiert die CK2-Konferenz gemeinsam mit Arbeitsgruppen der Universität zu Köln und der Universität des Saarlandes.
Ein Tagungsschwerpunkt ist die Entstehung von Krebs beziehungsweise die Entwicklung von Antitumormedikamenten. "In Tumorzellen bilden sich durch den Überbordenden Metabolismus Stoffwechselprodukte, die normale Zellen in den programmierten Zelltod, die sogenannte Apoptose führen, diese also quasi dazu bringen -Selbstmord’ zu begehen", erläutert Joachim Jose. "Die Tumorzellen entgehen ihrem Tod jedoch durch eine gesteigerte CK2-Produktion und teilen und vermehren sich ungehindert weiter." Seit etwa 20 Jahren versuchen Forschungsgruppen aus aller Welt, die CK2 als ein molekulares Target (englisch für "Ziel") bei der Entwicklung von Medikamenten zu nutzen. Aufgrund der Ähnlichkeit der verschiedenen Kinasen im Organismus sind Nebenwirkungen allerdings ein großes Problem. "Heutzutage versucht man daher, besonders passgenaue, sogenannte bivalente Wirkstoffe zu entwickeln, die ausschließlich die CK2 blockieren. Dieser Ansatz soll die Aktivität wieder auf das Niveau von gesunden Zellen bringen, damit die Tumorzellen in der Folge von sich aus Selbstmord begehen", unterstreicht Joachim Jose.
70 Jahre CK2 - zur Historie
Ein Rückblick in die Wissenschaftsgeschichte: Im Jahr 1954 entdeckten George Burnett und Eugene Kennedy die "Proteinphosphokinase", später CK2 genannt, als erste Proteinkinase Überhaupt. Wenig später beschrieben zwei weitere Biochemiker, Edmond Henri Fischer und Edwin Gerhard Krebs, den Prozess der reversiblen Phosphorylierung, der sich als extrem bedeutsam für die Regulierung zahlloser molekularer Prozesse in lebenden Organismen erwies. Proteinkinasen hängen Phosphatgruppen an Proteine an, Phosphatasen entfernen sie - auf diese Weise regulieren die Enzympaare katalytisch die Aktivität von Proteinen im gesamten Körper. Fischer und Krebs erhielten 1992 für ihre Entdeckung den Medizin-Nobelpreis. Der menschliche Organismus enthält mehr als 500 Proteinkinasen. Einige sind sehr spezifisch und phosphorylieren im Extremfall nur ein bestimmtes Protein. Andere, wie die Proteinkinase CK2, können Hunderte verschiedener Proteine phosphorylieren.



