Wie Krebsscheren umlagern nicht-reaktive Seitenarme das reaktive Zentrum des Moleküls. Durch diese neue Bauweise kann der Brönsted-Säure-Katalysator stereoselektive Synthesen mit hoher Ausbeute produzieren.
Ein Schweizer Messer ist eine geniale Erfindung, das Universalwerkzeug lässt sich für viele Zwecke nutzen. Die Synthese-Chemiker Benjamin List und Ilija Coric vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung haben ein chemisches Werkzeug entwickelt, das zwar viel kleiner, aber ähnlich vielseitig und gleichzeitig präzise ist: einen neuartigen enantioselektiv arbeitenden Katalysator. Solche Katalysatoren produzieren fast ausschließlich eine von zwei möglichen, chemisch sehr ähnlichen Formen einer Substanz und könnten damit die Herstellung vieler Pharmazeutika erleichtern. Die beiden Chemiker Benjamin List und Ilija Čorić erforschen, mit welchen chemischen Werkzeugen man chirale Moleküle auf einfache Weise herstellen kann. Chiral heißen diese Moleküle, weil sie in zwei verschiedenen Formen vorkommen, die sich wie die linke und die rechte Hand spiegelbildlich zueinander verhalten. Solche sogenannten Enantiomere sind sich zwar chemisch sehr ähnlich, ihre biologische Wirkung kann aber eine völlig andere sein: Beim Insekten-Pheromon Olean lockt beispielsweise die S-Form des Oleans die weibliche Olivenfliege an, während das R-Form auf das Männchen wirkt. Beiden Max-Planck-Forschern ist es jetzt gelungen, gezielt nur eines der beiden Olean-Enantiomere zu synthetisieren.
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