Rektorat verleiht Preise im Rahmen des Neujahrsempfangs

Lehrpreis:
Gute Lehre endet nicht mit der Vermittlung von Wissen
Das Sportpatenprojekt hat eine bereits 14-jährige Geschichte und in dieser Zeit eine beeindruckende Entwicklung genommen. Es entstand am Arbeitsbereich Sportpsychologie am Institut für Sportwissenschaft. Dort legte Dr. Marie Ghanbari mit ihrer Staatsexamensarbeit den Grundstein für das Konzept. Die Idee: Studierende werden zu Mentorinnen und Mentoren ausgebildet, die jeweils ein Schulkind im 1-zu-1-Verhältnis durch wöchentliche sportliche Aktivitäten in ihrer körperlichen und psychosozialen Entwicklung unterstützen. Die Verantwortlichen des Arbeitsbereichs waren von diesem Ansatz so überzeugt, dass sie Das Projekt wuchs von einem Fachseminar zu einem "forschungsbasierten Lehrkonzept, das zeigt, wie Hochschullehre nachhaltig wirken kann", beschreibt Marie Ghanbari. Zu Recht, denn die Zahlen sprechen Bände: In 46 interdisziplinären Sportpatenseminaren wurden über 1.000 Studierende ausgebildet, die wiederum die gleiche Anzahl an Kindern gefördert haben. Das Projekt arbeitet interdisziplinär, es beteiligen sich mittlerweile die Fachbereiche Sportwissenschaft und Psychologie, Medizin, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaft und Erziehungswissenschaft. "Mit sechs fakultätsübergreifenden Seminaren pro Jahr ist das Sportpatenprojekt ein herausragendes Beispiel für problemund fallorientierte Lehre, das sowohl Studierende als auch Kinder in ihrer Entwicklung stärkt", lobte die Jury der Rektoratspreise.
Für Marie Ghanbari ist "Die Auszeichnung berührt mich sehr. Sie ist Anerkennung für eine Lehre, die Wissenschaft, Praxis und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet. Diesen Weg gehen wir seit vielen Jahren mit großer Überzeugung und Leidenschaft." Für die Sportpsychologin endet gute Lehre nicht mit der Vermittlung von Wissen, sondern soll Menschen bewegen, Beziehungen schaffen und reale Wirkung entfalten. "Besonders bedeutsam ist, dass Empathie, Verantwortung und Persönlichkeitsentwicklung als zentrale Bildungsziele sichtbar anerkannt werden."
Autorin: Hanna Dieckmann
Studierendenpreis:
Einsatz für eine feministische Rechtspraxis
Jura kann für Laien nicht nur unübersichtlich sein, sondern auch jederzeit relevant werden, etwa wenn ihnen Unrecht widerfährt. Um möglichst einfach Hilfe zu bieten, haben Studierende der Uni Münster Ende 2024 die Ortsgruppe der in Köln ansässigen "Feminist Law Clinic" (FLC) gegründet. Ihr Engagement in Beratung, Organisation und Kommunikation würdigte das Rektorat nun mit dem Studierendenpreis. "Wir haben uns um den Preis beworben, weil wir wichtige Arbeit leisten und zeigen wollten, dass wir da sind", sagt Charlotte Nocker, die zu den Ausgezeichneten gehört.
Sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter der FLC bieten vor allem jenen Menschen eine kostenlose Rechtsberatung, die besonders von Gewalt, Diskriminierung und Benachteiligung betroffen sind, etwa Frauen sowie queere Personen. Die Beratung umfasst unter anderem das Sexualstrafrecht, Unterhaltsund Sorgerecht, Fragen zum Mutterschutz oder Selbstbestimmungsgesetz. Mehr als 50 Personen in Münster haben die für die Beratung notwendige Ausbildung begonnen oder bereits abgeschlossen.
Unterstützung erhalten die Ehrenamtlichen von Volljuristinnen und -juristen, um die Ratsuchenden bestmöglich zu unterstützen. In der Ortsgruppe Münster engagieren sich vor allem Jurastudierende, die sich dadurch gleichzeitig fortbilden können - besonders in alltäglichen Rechtsgebieten, die aktuell nicht Teil des rechtswissenschaftlichen Studiums sind, etwa das Sexualstrafrecht. "Institutionell muss sich etwas ändern", betont die münstersche Organisatorin Florentine Dreßler. Die FLC betreibt darum auch Aufklärungsarbeit und erzeugt Sichtbarkeit - für die Rechtsgebiete und die gesellschaftlichen Probleme wie Gewalt und Diskriminierung. Mitwirken können dabei nicht nur angehende Juristinnen und Juristen, sondern Studierende aller Fächer sowie hochschulexterne Personen.
Gleichstellungspreis:
Mehr Sichtbarkeit für eine zentrale Berufsgruppe
Sie organisieren Arbeitsprozesse, gewährleisten den reibungslosen Betrieb und fungieren häufig als erste Anlaufstelle für Studierende sowie Forscherinnen und Forscher. Trotzdem bleibt die Arbeit der Sekretariatsbeschäftigten in Technik und Verwaltung häufig im Hintergrund. Mit dem "Administrative Professionals Day" rückt das Netzwerk "SUN - Office Network" diese wichtige Berufsgruppe an der Universität Münster gezielt ins Blickfeld.
Das SUN-Netzwerk wurde im Herbst 2020 initiiert, um Beschäftigte aus den zentralen und dezentralen Hochschulsekretariaten besser zu vernetzen und ihre Rolle innerhalb der Universität sichtbar zu machen. "Wir wollten einen Raum schaffen, in dem deutlich wird, wie komplex, verantwortungsvoll und unverzichtbar diese Arbeit ist", sagt Maren Thölking vom SUN-Netzwerk. Der im April 2025 erstmals durchgeführte "Administrative Professionals Day" mit Vortrag und Ausstellung war dafür ein wichtiger Auftakt. Im Frühjahr 2027 soll dieses Veranstaltungsformat wiederholt werden.
Zugleich verfolgt Mithilfe von Workshops, Mentoring-Programmen und Fortbildungsangeboten soll die berufliche Entwicklung unterstützt werden. "Wertschätzung entsteht nicht nur durch Worte, sondern auch durch faire Entwicklungsund Qualifizierungsmöglichkeiten", betont Daniela Bornträger, die seit zwei Jahren im SUN-Netzwerk aktiv ist. Gerade in einem überwiegend von Frauen geprägten Berufsfeld sei dies auch eine Frage der Gleichstellung.
Neben der individuellen Stärkung der Beschäftigten profitiert auch die Universität insgesamt. "Gut vernetzte und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sichern Wissen, Kontinuität und Qualität. Das macht die Universität als Arbeitgeberin attraktiv", erklärt Maria Kock, die ebenfalls Mitglied im Netzwerk ist. Mit der Weiterführung des Administrative Professionals Day und begleitenden Angeboten soll daher nicht nur Anerkennung gefördert, sondern auch eine langfristige Bindung geschaffen werden.
Autorin: Kathrin Kottke
Gleichstellungspreis:
Gemeinsam bleiben, wachsen, weitergehen
Die Wirtschaftsinformatik gilt als Zukunftsfach, doch Umfragen zufolge fühlen sich viele Studentinnen in diesem Bereich allein. An der Universität Münster brechen überdurchschnittlich viele Frauen ihr Bachelorstudium in diesem Bereich ab. Genau hier setzt Ziel ist es, Studentinnen frühzeitig zu stärken, zu vernetzen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen, damit sie im Studium bleiben.
"Der Studienstart ist eine entscheidende Phase", sagt Fumi Kurihara, Initiatorin von BEAM. "Wenn Studentinnen im ersten Semester kein Zugehörigkeitsgefühl entwickeln, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie das Fach wieder verlassen." Deshalb setzt BEAM bewusst zu Beginn des Bachelorstudiums an und schafft niedrigschwellige Angebote, um Kontakte zu knüpfen und Hemmschwellen abzubauen. "Im Dezember haben wir zu einem Pizzaabend und einem gemeinsamen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt eingeladen. Mit über 30 Teilnehmerinnen war die Resonanz sehr positiv", berichtet Fumi Kurihara.
Kern des Projekts sind Mentoringund Vernetzungsformate. Durch gemeinsame Veranstaltungsbesuche, informelle Treffen, Workshops und Podiumsdiskussionen werden Erstsemester mit fortgeschrittenen Studentinnen, Wissenschaftlerinnen und Frauen aus der Praxis zusammengebracht. "Sichtbare Vorbilder sind enorm wichtig", betont Fumi Kurihara. "Viele Studentinnen fragen sich: -Gehört jemand wie ich hierher?’ BEAM soll zeigen: Ja, absolut."
Das Angebot wird durch Präsentationsworkshops ergänzt. In einem sicheren und unterstützenden Rahmen können Studentinnen dort Selbstvertrauen für mündliche Prüfungen und Vorträge entwickeln. Ein digitaler und ein analoger "Kummerkasten" sowie Umfragen helfen zudem, Probleme früh zu erkennen. "Wir wollen nicht über Studentinnen sprechen, sondern mit ihnen", sagt Fumi Kurihara. BEAM versteht sich als lernendes Projekt und als Einladung, Wirtschaftsinformatik gemeinsam vielfältiger zu gestalten.
Autorin: Kathrin Kottke
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen


