... Anastasia Gede, Tierpflegerin in der Zentralen Tierexperimentellen Einrichtung
Bei Anastasia Gede überwog die Neugier die Zweifel. Nach dem Abitur wollte sie gerne etwas "in Richtung Biologie" machen, am liebsten etwas mit Tieren. Als sie auf die Anzeige "Tierpfleger gesucht" der Zentralen Tierexperimentellen Einrichtung (ZTE) an der Medizinischen Fakultät stieß, war ihr Interesse geweckt, und sie vereinbarte ein kurzes Schnupperpraktikum. Das gefiel ihr gut. Diese Arbeit war genau ihr Ding, und die Zweifel, ob das Thema Tierversuche für sie zu einem Problem werden würde, konnte sie schnell ausräumen. "Ich habe sofort gemerkt, dass hier ein tolles Team mit Herz und Moral arbeitet, das das Tierwohl hochhält. Und es ist doch klar: Irgendwer muss sich um die Tiere kümmern." 2019 begann sie ihre Ausbildung an der ZTE, in der aktuell 35 Tierpflegerinnen und Tierpfleger arbeiten.Wie sieht ein typischer Tag für Anastasia Gede aus? Diese Frage lässt sich nicht so einfach beantworten, denn ihre Zuständigkeitsbereiche wechseln regelmäßig. Momentan pendelt sie zwischen dem Zuchtbereich am Albert-Schweitzer-Campus und einer Außenstelle an der Von-Esmarch-Straße. Sie betreut vor allem Mäuse. Zu ihren Aufgaben gehört es, Aufträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu bearbeiten, die Versuchstiere benötigen: genau definierte Tiere bestimmter genetischer Linien zur Zucht zusammenbringen oder trennen, Tiere in Transportbehälter setzen und an die jeweiligen Labore verschicken, Würfe kontrollieren. Das alles erfolgt unter strengen Hygienebedingungen, weshalb der Genuss des Mohnkuchen-Stücks am Arbeitsplatz tabu war. Das Foto zu diesem Artikel entstand in der "Tierausgabe" in der Außenstelle an der Von-Esmarch-Straße. In diesem Raum bereiten Anastasia Gede und ihre Kolleginnen und Kollegen die Mäusekäfige zur Verschickung der Tiere vor.
Einmal pro Woche setzt das Team die Mäuse - 15.000 sind es allein in der Hauptstelle - in einen frischen, sauberen Käfig. Futter und Wasser müssen täglich kontrolliert und bereitgestellt werden. "Wenn eine Maus nicht gesund erscheint, informieren wir unser hausinternes tierärztliches Team", erklärt Anastasia Gede. In der Ausbildung hat sie mit allen in der ZTE gehaltenen Tierarten gearbeitet - hauptsächlich Mäuse, aber auch Ratten, Zebrafische, Kaninchen, Schweine und Schafe. Neben der Tierpflege kümmert sich die 26-Jährige, die mit Katzen aufgewachsen ist, auch um das Qualitätsmanagement. Zum Beispiel: Sind die Ohrmarkierungen korrekt? Sitzen die Tiere in den richtigen Käfigen? Gibt es Aktualisierungen in den vorgegebenen Haltungsstandards?
Als Abiturientin habe sie nichts über Tierversuche in der medizinischen Forschung gewusst, erinnert sich Anastasia Gede. Im Internet habe es wenig neutrale Informationen gegeben, was sich inzwischen geändert habe. Dennoch wird die Tierpflegerin, die einen Ausbilderschein hat und auf Ausbildungsmessen regelmäßig die Zentrale Tierexperimentelle Einrichtung vorstellt, oft mit Vorurteilen und Unwissenheit konfrontiert. Die Teenager, denen sie begegnet, sind manchmal provokant, dann und wann sogar aggressiv. Anastasia Gede gelingt es mit ihrer ruhigen, sachlichen Art aber häufig, die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken anzuregen. "Meine Strategie ist es, Fragen zu stellen", verrät sie. "Wenn mir jemand sagt: ,Ihr seid Tiermörder’, frage ich zum Beispiel: -Bist du Veganer?’ Die wenigsten sind es." Andere Fragen, die Vorurteile entkräften können, sind: "Hast du schon mal bei Kopfschmerzen eine Tablette genommen?" Oder: "Lässt du dich impfen?" Viele dächten nicht über die Probleme der Massentierhaltung nach oder vergäßen, dass es ohne medizinische Tierversuche keine neuen Medikamente und Operationstechniken gäbe, betont sie. Dass sich heutzutage in Deutschland Tierpflegerinnen und Tierpfleger um die Versuchstiere kümmern, sei noch weniger bekannt. Ihr sei es wichtig, sich der Diskussion zu stellen. Interessierten Jugendlichen bietet die ZTE zudem Praktikumstage an. "Es ist immer gut, sich selbst ein Bild zu machen", unterstreicht Anastasia Gede.
Autorin: Christina Hoppenbrock
Dieser Artikel stammt aus der Unizeitung wissen leben Nr. 7, 5. November 2025.
Mit einem Stück Mohnkuchen im Gepäck besuchen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stabsstelle Kommunikation und öffentlichkeitsarbeit für jede Ausgabe Universitätsbeschäftigte, um mit ihnen über Besonderheiten ihres Arbeitsplatzes zu sprechen.




