’Wir die Deutschen’

Öffentliche Antrittsvorlesung der chilenischen Schriftstellerin und Essayistin Lina Meruane als Samuel Fischer-Gastprofessorin für Literatur an der Freien Universität am 22. Juni / Beginn 18 Uhr

Die chilenische Schriftstellerin und Essayistin Lina Meruane hält am Mittwoch, dem 22. Juni, ihre öffentliche Antrittsvorlesung als Gastprofessorin der Freien Universität Berlin. Das Thema des Vortrags der Samuel-Fischer-Gastprofessorin lautet ,,Wir die Deutschen". Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr im Seminarzentrum der Silberlaube (Otto-von-Simson-Straße 26, 14195 Berlin, Raum L116). Die Vorlesung wird in englischer Sprache gehalten und auch als Livestream Übertragen. Die Begrüßung und Einführung Übernehmen Michael Gamper und David Wachter. Die Professur ist am Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität angesiedelt.

In dem von Lina Meruane unterrichtetem Seminar im Sommersemester 2022 mit dem Titel ,,The face: an approach from many angles" (Das Gesicht: eine Annäherung aus vielen Blickwinkeln) wird der Frage nach der historischen und zeitgenössischen Bedeutung des Gesichts nachgegangen. Mithilfe anthropologischer und philosophischer Ansätze wird das Gesicht hierbei als ein Ort politischer und kultureller Bedeutung sowie anhand seines symbolischen Gehalts in Literatur und visuellen Künsten untersucht. Vor dem Hintergrund von wissenschaftlichen Entwicklungen, die bis hin zur aktuellen Nutzbarmachung von digitalen Gesichtsarchiven für Überwachungszwecke führen, wird die Signifikanz des Gesichtes in verschiedenen Forschungsfeldern herausgestellt.

Lina Meruane wurde 1970 in Santiago de Chile geboren und studierte Lateinamerikanische Literatur an der New York University, an der sie zudem promoviert wurde; sie lehrt dort als Professorin Literatur im Rahmen des Liberal Studies Program. Zugleich ist sie als Gründerin und Direktorin des unabhängigen New Yorker Verlags Brutas Editoras tätig. Lina Meruanes schriftstellerisches Werk wurde 2011 mit dem Anna Seghers-Preis der Universität der Künste Berlin ausgezeichnet und umfasst einen Erzählband, fünf Romane, ein Theaterstück sowie mehrere akademische Essaybände. In ihrem literarischen Schreiben setzt sich die Autorin unter anderem kritisch mit den aktuellen politischen Machtverhältnissen und Herausforderungen in Chile auseinander.

In ihrem preisgekrönten Roman Fruta Podrida (2007) sucht Meruane anhand der Allegorie des Körpers als Austragungsort politischer Konflikte nach Antworten auf die Herausforderungen der lateinamerikanischen Moderne, die durch den Einfluss globaler ökonomischer Entwicklungen entstehen. Für ihren ersten ins Deutsche Übersetzten Roman Sangre en el ojo aus dem Jahr 2012 (dt. Rot vor Augen, Arche Literatur Verlag 2018) erhielt Meruane den Sor Juana Inés de la Cruz Prize. Angesichts des Ausbruchs einer Augenerkrankung der Protagonistin hinterfragt sie in ihrem Buch Konzepte körperlicher und kultureller Identität. In ihrem jüngsten Essayband Volverse Palestina (2016), der im März 2020 in deutscher Sprache unter dem Titel Heimkehr ins Unbekannte. Unterwegs nach Palästina im Verlag Berenberg erschien, beschäftigt sich Lina Meruane anhand ihrer eigenen Erfahrungen auf der Suche nach ihren palästinensischen Wurzeln mit dem Nahostkonflikt; der Band wurde mit dem Preis des Chilenisch-Arabischen Kulturinstituts ausgezeichnet. Ihr zuletzt erschienener Roman Sistema nervioso (2018) erarbeitet eine Familiengeschichte anhand der klinischen Biographien ihrer Mitglieder; eine englische Übersetzung wurde 2021 unter dem Titel Nervous System bei Graywolf Press publiziert. Lina Meruanes Bücher wurden in etliche Sprachen Übersetzt und teilweise verfilmt.

Die in jedem Semester neu vergebene Samuel Fischer-Gastprofessur für Literatur am Peter Szondi-Institut besteht seit 1998. Sie wurde gemeinsam eingerichtet vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD), dem S. Fischer Verlag, dem Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Freien Universität Berlin. Namenspatron der Gastprofessur ist der Verleger Samuel Fischer. Der Gründer des S. Fischer Verlages hat sich seinerzeit dafür eingesetzt, fremdsprachige Literatur in Deutschland bekannt zu machen, beispielsweise die von Henrik Ibsen, Émile Zola und Fjodor Dostojewski. Ziel ist die kritische Reflexion von Studierenden aller Fachrichtungen über die Literaturen der Welt, gemeinsam mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus verschiedenen kulturellen Kontexten.

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