
Wie gründen Menschen in Baden-Württemberg? Und was brauchen Start-ups in der Anfangsphase, um erfolgreich zu gründen? Das hat ein Team von Sozialwissenschaftlern am Institut für Entrepreneurship und Innovationsforschung (ENI) an der Universität Stuttgart untersucht. ,,Der UpStart BW Report liefert datenund interviewbasierte Einblicke in die Lebenswirklichkeit von Frühphasen-Start-ups in Baden-Württemberg", sagt Alexander Brem, Prorektor für Transfer und Internationales und ENI-Institutsleiter. ,,Wir können Stärken, Schwächen und Chancen der existierenden Gründungsinfrastruktur aufzeigen und sehen so, welche Angebote gut oder weniger gut funktionieren und aus welchen Gründen. Daraus können wir Maßnahmen zur Verbesserung ableiten - nicht nur für unsere universitären Transferangebote, sondern auch für Angebote in unserem gesamten Gründungsökosystem in Baden-Württemberg."
Gut vernetzt, aber unübersichtlich
Wer in Baden-Württemberg ein Start-up gründen will, könne sich vor Informationsund Unterstützungsangeboten kaum mehr retten, geben die befragten Start-ups an. Das Ökosystem vereint etliche Akteur*innen, die sich um allerhand Anliegen kümmern und Unterstützungssowie Förderangebote anbieten. Doch dieses Angebot bringt ein Problem mit sich: ,,Es ist unübersichtlich. Wer zu was berät und wo welche Förderungen beantragt werden können, ist vielen Gründungsinteressierten nicht klar", erklärt Johannes Engels , wissenschaftlicher Mitarbeiter am ENI und Autor des Reports. Das liegt daran, dass das Gründungsökosystem in Baden-Württemberg dezentral organisiert ist. Ein Wunsch von Gründer*innen - und nun auch eine Empfehlung des ENI-Forscherteams: ,,Es braucht eine zentrale Anlaufstelle, die vor allem rechtliche und organisatorische Expertise bündelt, aktuell hält und individualisierte Beratung bietet."
Gesellschaftlicher Benefit als Gründungsantrieb
Ein überraschendes Ergebnis: Start-ups gehen heute nicht mehr den klassischen Weg mit einer konkreten Unternehmensidee vor Augen, sondern folgen einer idealistischen Motivation. ,,Wir können den Trend beobachten, dass Gründen für viele ein Mittel zum Zweck ist, ihre Vision zu verwirklichen", sagt Wahl. ,,Im Fokus steht mehr der gesellschaftliche Benefit als die Vermarktung eines Produkts", ergänzt Engels. Auf diesen Trend müsse man reagieren, indem man passende und auf die jeweiligen Ziele der Start-ups zugeschnittenen Unterstützungsmöglichkeiten etabliert.
Gründungsinteressierte fordern, dass Gründen für alle gesellschaftlichen Schichten möglich sein müsse, weil jede Idee Potenzial habe. Die Realität ist jedoch bislang: hohes Eigenkapital und niedrige Risikobereitschaft von Investoren. Außerdem sind die bürokratischen Hürden hoch, finanzielle Förderprogramme einzuwerben. Deshalb schrecken viele Gründungsinteressierte zurück oder brechen Antragsprozesse ab, da sie sich keine Chancen ausrechnen. Mehr finanzielle Mittel und weniger Einschränkungen könnten die Lage von Gründungsinteressierten verbessern, so Wahl und Engels. ,,Wir halten es für sinnvoll über eine individualisierte Bewertung der jeweiligen Bewerbenden nachzudenken. Anstelle einer einheitlichen Förderung, sollte man jedem Start-up die Mittel geben, die es zur Verwirklichung seiner Ideen benötigt."
Der UpStart BW Report ist frei zugänglich über die Plattform Opus, den Publikationsserver der Universität Stuttgart.


