’Verehrt! Verachtet! Vernachlässigt! Gipsabgüsse antiker Skulpturen’

Plastik der Abguss-Sammlung Bildquelle: WinklerPlastik der Abguss-Sammlung Bildquelle: Winkler

Neue Sonderausstellung der Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin / Geöffnet vom 2. Dezember 2022 bis 30. April 2023

Unter dem Titel ,,Verehrt! Verachtet! Vernachlässigt! Gipsabgüsse antiker Skulpturen" zeigt die Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin vom 2. Dezember bis 30. April 2023 die sehr gegensätzliche Geschichte der Gipsabgüsse. Die neue Sonderausstellung wurde von Studierenden konzipiert. Sie kann donnerstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

,,Wie kaum ein anderes ,Medium’ waren Gipsabgüsse Veränderungen in der Wertschätzung unterworfen", sagt Lorenz Winkler Horacek vom Institut für Klassische Archäologie und Kurator der Abguss-Sammlung Antiker Plastik. Von Skulpturen direkt mithilfe von Negativformen abgenommen, geben die Abgüsse die Form der Originale identisch wieder. Durch den weißen Gips erscheinen sie aber vermeintlich reiner und klarer. Die ,,Reinheit" der Form führte besonders bei den Abgüssen nach antiken Skulpturen zu einer großen Verehrung. Der weiße Gips wurde im 18.Jahrhundert zu einem Leitbild des europäischen Klassizismus.

Im 19.Jahrhundert erkannte man zudem die Möglichkeit, mit Abgüssen die Kunst der ganzen Welt umfassend zu sammeln. Ganz anders dagegen im 20.Jahrhundert: Hier entwickelte sich eine große Abneigung gegen die Gipse als Symbole eines veralteten Klassizismus und als vermeintlich tote Kopien. Die Verachtung entlud sich in verbalen Angriffen, in der Zerstörung, Zerschlagung oder Vernachlässigung großer und berühmter Sammlungen. ,,Erst seit einigen Jahren sehen wir wieder die vielfältigen Chancen des ,Mediums’ Abguss", betont Lorenz Winkler Horacek.

Die Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität Berlin umfasst circa 2.100 Abgüsse griechischer und römischer Skulpturen. Sie dient der universitären Lehre und Forschung und soll als Museum die Skulpturen der Antike zugleich einem breiten Publikum zugänglich machen. Die Sammlung setzt die Tradition der berühmten und bereits 1696 begründeten Abguss-Sammlung fort, die im 19.Jahrhundert im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel und zuletzt von 1921 bis 1944 in der Friedrich-Wilhelms-Universität mit rund 2.500 Abgüssen zu sehen war. Diese alte Sammlung wurde 1950/51 weitgehend zerstört.

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