Torjäger in der Wissenschaft und Forschung

Für seine herausragende Begutachtungstätigkeit hat die Open-Access-Plattform Mat
Für seine herausragende Begutachtungstätigkeit hat die Open-Access-Plattform Materials Srecko Stopic den Outstanding Reviewer Award 2024 verliehen.
Seit 25 Jahren prägt Dr. Srecko Stopic die Forschungsarbeit an seinem Institut. Nun erhält er zum dritten Mal den Outstanding Reviewer Award.

Sein Nachname bedeutet ,,glücklicher Mann" - und das passt, sagt Srecko Stopic. Seit fast 25 Jahren lehrt und forscht der Privatdozent am Institut für Metallurgische Prozesstechnik und Metallrecycling (IME) der RWTH Aachen. Wie im Flug sei die Zeit vergangen - und langweilig war ihm nie. Bei all den Projekten, Aufgaben und Ämtern, die der 59-Jährige übernimmt, fällt es leicht, das zu glauben.

Sein wissenschaftliches Netzwerk erstreckt sich über Kontinente: von Kooperationen mit Forschenden an der Elfenbeinküste in Westafrika, über Projekte zur Beseitigung von gefährlichem Rotschlamm in Bosnien bis hin zu akademischen Austauschprogrammen mit seinem Heimatland Serbien.

Stopic ist Editor, Co-Autor und Gutachter. In seiner wissenschaftlichen Laufbahn hat er mehr als 250 Veröffentlichungen verfasst, darunter vier Bücher. Für seine herausragende Begutachtungstätigkeit hat ihm die Open-Access-Plattform Materials den Outstanding Reviewer Award 2024 verliehen - bereits die dritte Auszeichnung dieser Art. Zuvor wurde er 2020 für seine Gutachten auf der Plattform Metals und 2023 für seine Arbeit für Crystals geehrt. Mit dieser Auszeichnung werden Gutachterinnen und Gutachter gewürdigt, die besonders gründlich, zuverlässig und schnell arbeiten.

Doch für Stopic ist das Peer-Review mehr als nur eine Aufgabe: ,,Jede Veröffentlichung soll durch meine Anmerkungen ein Stück besser werden", sagt er. Sein Ziel sei es, Forschende dazu anzuregen, über ihre Ergebnisse hinauszudenken: ,,Was könnte ich weiterführend untersuchen?"

Und welche Fehler begegnen ihm besonders häufig? ,,Oft ist das Abstract zu allgemein formuliert. Dann rate ich, die Ergebnisse konkreter zu benennen", erklärt Stopic. Auch veraltete Quellen oder überholte Versuchsmaterialien seien problematisch: ,,Jemand hat eine exzellente Idee, aber die eingesetzten Materialien sind nicht mehr auf dem neuesten Stand."

Mehrfacher Gewinn

Für ihn ist diese Aufgabe gleich mehrfach ein Gewinn: ,,Die Tätigkeit erlaubt es mir, von anderen zu lernen und mich selbst zu verbessern", sagt Stopic. In den vergangenen sieben Jahren habe er mehr als 500 Publikationen geprüft. Pro Tag verbringe er meist zwei bis drei Stunden mit dem Sichten von wissenschaftlichen Manuskripten, schreibt Anmerkungen und sendet sie an die Forschenden zurück. Die Honorare aus seiner Gutachtertätigkeit investiert er in die wissenschaftliche Arbeit seiner Kolleginnen und Kollegen in Serbien.

Seinen Weg an die RWTH fand Stopic 2001 als Humboldt-Stipendiat. Ursprünglich auf ein Jahr begrenzt, konnte er dank der Unterstützung von Bernd Friedrich, dem Leiter des IME, an der Hochschule bleiben. In all der Zeit habe er sich sehr wohl gefühlt, resümiert der 59-Jährige: ,,Mein großer Dank geht an Professor Friedrich für seine immer da gewesene und kontinuierliche Unterstützung seit fast 25 Jahren."

Bei seiner Forschung zu Recycling und Gewinnung sogenannter kritischer Elemente, also seltener Stoffe, legt Stopic großen Wert auf Nachhaltigkeit. Am IME entwickeln er und sein Team metallurgische Prozesse, die ein nachhaltiges Wirtschaften metallhaltiger Abfallund Reststoffe ermöglichen, um die Rohstoffversorgung im europäischen Wirtschaftsraum zu stärken.

Und wie gleicht der Wissenschaftler die Kopfarbeit aus? Das verrät seine Wahl der Metapher, als er über die ausgezeichnete Teamarbeit an seinem Institut spricht: ,,Ich fühle mich wie ein Torjäger, der aber nur mit Doppelpässen erfolgreich sein kann. Allein gelingt der Erfolg nicht." Nach einer Handverletzung im Winter hat er dem Fußballplatz in Kohlscheid aber erst einmal den Rücken zugekehrt. Nun stehen weniger risikoreiche Sportarten wie Joggen oder Schwimmen auf seinem Plan. Langweilig wird dem Wissenschaftler eben nie.