RWTH-Professorin Dörte Rother erhält DECHEMA-Preis



Wissenschaftlerin entwickelt einen katalytischen Werkzeugkasten für die Wirkstoffsynthese, mit dem hohe Produktkonzentrationen erzielt werden können.

Der DECHEMA-Preis 2018 geht an Professorin Dr. Dörte Rother, tätig an der RWTH Aachen und im Forschungszentrum Jülich. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis wird am 23. Mai 2019 in Frankfurt übergeben. Ausgezeichnet werden die zukunftsweisenden Leistungen der Wissenschaftlerin bei der Entwicklung effizienter synthetischer Enzymkaskaden zur Herstellung hochwertiger chiraler Substanzen, heißt es in der Pressemitteilung der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. kurz DECHEMA genannt.

Chirale Substanzen sind chemische Stoffe, deren Moleküle sich wie Bild und Spiegelbild verhalten. Da sie chemisch extrem ähnlich sind, aber insbesondere physiologisch sehr unterschiedlich wirken können, gehört ihre Herstellung zu den wesentlichen Herausforderungen der Chemie und Biotechnologie. Viele der Substanzen finden als pharmazeutische Wirkstoffe Verwendung, weshalb die wirtschaftliche Bedeutung der Synthesen sehr groß ist.

Antibiotische und onkologische Anwendungen

Dörte Rother kombiniert in ihrer Arbeit verschiedene biokatalytische und chemische Reaktionsschritte, um aus leicht verfügbaren Ausgangsstoffen über synthetische Enzymkaskaden pharmazeutische Zwischenprodukte oder Wirkstoffe herzustellen. Dafür hat sie mit ihrer Arbeitsgruppe einen „Werkzeugkasten" entwickelt, der Enzyme, aber auch chemische Katalysatoren mit verschiedenen Substratpräferenzen sowie den entsprechenden Stereound Regioselektivitäten beinhaltet. Daraus lassen sich schnell und flexibel Prozesse für industriell interessante chirale Zielprodukte zusammenstellen; so wurden bereits Produktplattformen für Hydroxyketone, Amine, Aminoalkohole und Tetrahydroisochinoline – eine vielversprechende Substanzklasse für antibiotische und onkologische Anwendungen – entwickelt und teils bereits industriell umgesetzt. Neben enzymatischen Reaktionen in wässriger Umgebung werden auch unkonventionelle Medien wie mikro-wässrige Systeme mit grünen Lösungsmitteln oder reine Substratsysteme eingesetzt. Ziel ist es, hohe Produktkonzentrationen bei gleichbleibend hoher Selektivität zu erzielen.

RWTH-Absolventin und Grant-Preisträgerin

Um zu industriell umsetzbaren Prozessen zu gelangen, decken die Arbeiten sowohl das rationale Enzymdesign als auch Reaktionsoptimierung und Prozessdesign inklusive Produktaufarbeitung ab. Neben der ökonomischen Effizienz werden ökologische Aspekte bewertet und optimiert. Hier stehen mehrschrittige hybride Prozesse ausgehend von nachwachsenden Rohstoffen im Mittelpunkt der Forschung.

Dörte Rother studierte Biotechnologie an der RWTH und promovierte 2008 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. 2015 übernahm sie eine Junior-Professur an der Aachener Exzellenzuni und gleichzeitig die Leitung einer Helmholtz-Nachwuchsgruppe am Forschungszentrum Jülich. Seit 2018 hat sie eine Universitätsprofessur an der RWTH inne und leitet zugleich die Forschungsgruppe „Synthetische Enzymkaskaden" in Jülich. Zu ihren bisherigen Auszeichnungen gehören der Jülicher Exzellenzpreis 2010, der Bioeconomy Science Center Supervision Award 2014 und der Erhalt eines ERC starting grants zum Thema „Lichtgesteuerte Enzymkaskaden" im Jahr 2017.

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