Paläoproteomik hilft bei der Unterscheidung zwischen modernem Mensch und Neandertaler

Von Neandertalern während der archäologischen Kultur ?Châtelperronien? hergestelVon Neandertalern während der archäologischen Kultur ?Châtelperronien? hergestellter Körperschmuck aus der Grotte du Renne in Arcy-sur-Cure in Frankreich. [weniger]

Forscher entschlüsseln uralte Proteine von Neandertalern aus dem Châtelperronien

Für die Beantwortung der Frage, was für Fähigkeiten die Neandertaler besaßen und warum sie ausgestorben sind, nimmt die archäologische Kultur des Châtelperronien eine Schlüsselstellung ein. Trotz intensiver Forschung blieb jedoch unklar, wer die Châtelperronien-Kultur geschaffen hatte: der moderne Mensch oder der Neandertaler. Bislang gab es keine direkten molekularen Daten für Neandertaler im Zusammenhang mit dem Châtelperronien. Um dieses Problem zu lösen, hat sich ein internationales Forscherteam jetzt aktuelle Entwicklungen auf dem Gebiet der Proteinanalyse zunutze gemacht und in Kombination mit zahlreichen weiteren Belegen zeigen können, dass während des Châtelperronien Neandertaler die Grotte du Renne, eine archäologische Stätte im nördlichen Zentralfrankreich, bewohnten.

Von Neandertalern während der archäologischen Kultur ‘Châtelperronien’ hergestellter Körperschmuck aus der Grotte du Renne in Arcy-sur-Cure in Frankreich.

Anhand der 14C-Daten konnten die Forscher belegen, dass die Urmenschen-Proben zeitlich zu den fortschrittlichen Artefakten des Châtelperroniens passen, die Archäologen in der Grotte du Renne und anderen archäologischen Stätten ausgegraben hatten. Dies bestätigt, dass Neandertaler für die Herstellung einiger Artefakt-Typen verantwortlich waren, von denen Wissenschaftler zuvor angenommen hatten, dass ihre Fertigung ausschließlich im Bereich der kognitiven Fähigkeiten moderner Menschen lag.

‘Über den Prozess, im Laufe dessen in Eurasien archaische Population von modernen Menschen ersetzt wurden, ist nur wenig bekannt, denn von vielen steinzeitlichen Werkzeugen dieser Periode wissen wir nicht, wer sie geschaffen hat’, erläutert Jean-Jacques Hublin, Direktor der Abteilung für Humanevolution am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie. ’Diese Forschung wird es uns ermöglichen, in größeren archäologischen Funden menschliche Knochenfragmente aufzuspüren, die bisher als solche nicht erkennbar waren. So können wir die Art und Weise sowie den zeitlichen Ablauf dieses großen Ereignisses in der menschlichen Evolution mit ‘frischem’ Probenmaterial neu betrachten.’

SJ/HR