Falsch geschätzt ist halb gewonnen
Einfluss der Erfahrung auf die Wahrnehmung. Warum schätzen wir dieselbe Entfernung das eine Mal lang und das andere Mal kurz ein? Entscheidend ist, welche Strecken wir direkt zuvor zurückgelegt haben. Was trivial klingen mag, gibt wichtige Aufschlüsse darüber, wie das Gehirn Reize unterschiedlicher Stärke und selbst abstrakte Elemente wie Zahlen verarbeitet. Dies untersuchten Stefan Glasauer von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, der auch Projektleiter am Bernstein Zentrum München ist, und seine Doktorandin Frederike Petzschner experimentell und theoretisch. Sie ließen Probanden in einem virtuellen Raum Entfernungen zurücklegen und diese anschließend dort so genau wie möglich reproduzieren. Die Ergebnisse waren, wie in früheren Studien, immer vom richtigen Wert hin zum Mittelwert der zuvor gelaufenen Strecken verschoben. Die Forscher liefern nun erstmals eine allgemeine Erklärung für dieses Phänomen.



