Valerie Mrotzek als Amelia Earhart Fellow 2025 ausgezeichnet

Von links:   Barbara Unteutsch (Vorstand Zonta Club Stuttgart), Yana Yaneva-Genc
Von links: Barbara Unteutsch (Vorstand Zonta Club Stuttgart), Yana Yaneva-Gencheva (District 30 Governor, Zonta International), Valerie Mrotzek (Amelia Earhart Fellow 2025) Bild: Zonta Club Stuttgart

Amelia Earhart überquerte 1932 als erste Frau alleine den Atlantik und gilt als Pionierin der Luftfahrt. Heute würdigt das nach ihr benannte Amelia-Earhart-Fellowship aufstrebende Forscherinnen der Luftund Raumfahrtwissenschaften. Die Auszeichnung wird von Zonta International jährlich in einem weltweiten Wettbewerb an 30 Nachwuchswissenschaftlerinnen vergeben. Valerie Mrotzek vom Institut für Thermodynamik der Luftund Raumfahrt (ITLR) wurde 2025 als einzige Deutsche ausgezeichnet. Im Rahmen einer Festveranstaltung des Zonta Clubs Stuttgart nahm sie den Preis am 18. Februar 2026 entgegen. Das Stipendium ist mit 10.000 US Dollar dotiert. Im Interview gibt Valerie Mrotzek Einblick in ihre Forschung.

Frau Mrotzek, herzlichen Glückwunsch zum Amelia-Earhart-Fellowship! Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?

Ich habe mich riesig über die internationale Anerkennung gefreut! Ich habe mir die früheren Preisträgerinnen angesehen und so ist es für mich etwas sehr Besonderes, nun selbst in diese Reihe aufgenommen worden zu sein. AE Fellow zu sein, hat mich zudem über die Bedeutung weiblicher Vorbilder in meinem eigenen Leben nachdenken lassen. Mein besonderer Dank gilt daher meiner Betreuerin PD Grazia Lamanna, die mich vorgeschlagen, meine Forschung ermöglicht und immer unterstützt hat. Ich hoffe, künftig andere Frauen in der Wissenschaft inspirieren und unterstützen zu können - so, wie ich selbst unterstützt wurde. Der Preis hat mich auch veranlasst, etwas zurückzugeben: Ich bin jetzt Mentorin bei StartScience. Das Programm richtet sich an Studentinnen der Universität Stuttgart. Ziel ist es, Frauen für eine wissenschaftliche Karriere zu motivieren. Ich habe eine tolle Mentee bekommen und hoffe, diese nun in ihrem Werdegang unterstützen zu können.

Ich betreibe Grundlagenforschung im Bereich Thermodynamik: Ich untersuche die Einspritzung sogenannter nahkritischer Treibstoffe, wie sie zum Beispiel in Raketenoder Antriebssystemen eingesetzt werden. Diese Treibstoffe werden unter Druckund Temperaturbedingungen nahe ihres kritischen Punkts eingespritzt und nehmen dadurch einen Zustand an, bei dem eine Unterscheidung zwischen flüssiger und gasförmiger Phase nicht mehr möglich ist.

Bei diesen Treibstoffsprays interessieren mich die komplexen und bislang nur unvollständig verstandenen Prozesse, die während der Einspritzung ablaufen. Ein wichtiger Hinweis darauf, was im Inneren des Systems passiert, ist der Phasenzustand des Treibstoffs: Er kann flüssig, gasförmig oder überkritisch sein. Liegt der Treibstoff flüssig vor, entstehen Tropfen, deren Position und Größe Rückschlüsse darauf erlaubt, welche physikalischen Mechanismen bei der Einspritzung dominieren.

Da Ansätze, wie sie bei ,,konventionellen" (nicht nahkritischen) Sprays angewandt werden, nicht greifen, haben wir eine Messmethode weitereinwickelt, die uns erlaubt, Tropfengrößen in diesen nahkritischen Treibstoffsprays zu bestimmen. Wir schauen mit einem sehr dünnen, modulierten Laserstrahl in das Spray. Aus dem gemessenen Signal erhalten wir zuverlässige Informationen über Ort und Größe der flüssigen Phase. In der Analyse berücksichtigen wir die Eigenschaften des einfallenden Lichtes, welche dann wiederum Rückschlüsse auf die Größe der Tropfen erlauben.

Wie bringt Ihre Grundlagenforschung die Luftund Raumfahrt voran?

Das Wissen über nahkritische Einspritzvorgänge hilft zum Beispiel, den Mischungsvorgang von Treibstoff und Oxidator in einem Triebwerk stabiler und effizienter auszulegen. Zudem können wir so wichtige Randbedingungen für numerische Simulationen und theoretische Modelle liefern.

Viele Kinder träumen davon, Astronaut*in zu werden. Wie war das bei Ihnen: Haben Sie sich schon als Kind für Luftund Raumfahrtforschung begeistert?

Ja, als Kind hatte ich ein Modell des Space Shuttles Discovery mit dem Hubble-Weltraumteleskop. Fasziniert hat mich damals alles zwischen Erde und Weltall: Raketen, Flugzeuge, Atmosphäre, Wolken, und so weiter, ganz egal ob technischer oder naturwissenschaftlicher Herkunft.

Und wie wurde aus dem Kindheitstraum Realität?

In der Schule hatte ich immer Spaß an Mathe, Physik, Naturwissenschaft und Technik. In einem Praktikum habe ich Piloten kennengelernt, die mein Interesse an der Luftfahrt weiter verstärkt haben. Pilotin werden wollte ich nicht, da ich schon immer vom akademischen Umfeld an der Uni geträumt habe. Also habe ich nach dem Abitur Luftund Raumfahrttechnik in Stuttgart studiert. Meine Masterarbeit im Bereich Messtechnik habe ich an der KU Leuven in Belgien geschrieben, da wusste ich aber schon, dass ich danach ans ITLR möchte. Ich hatte im Studium bereits Gefallen an der Thermo-Vorlesung gefunden, als Tutorin gearbeitet und mit einem Hiwi-Job im Labor gewissermaßen den Grundstein gelegt, für das, was ich jetzt machen darf.

Am 23. April findet an der Universität Stuttgart wieder der Girls Day statt. Zahlreiche Institute bieten Einblicke in die Arbeit von Naturund Ingenieurwissenschaftlerinnen. Auch Sie bringen Schülerinnen Ihre Forschung näher. Was motiviert Sie, mitzumachen?

In meiner Schulzeit habe ich Uni-Tage immer als wertvolle Orientierung erlebt. Ich hoffe, wir können den Mädchen mit einem niederschwelligen Angebot die Berührungsängste zur Wissenschaft nehmen und sie ermutigen, das zu verfolgen, was sie antreibt und interessiert - im besten Fall natürlich in der Thermodynamik. Thermodynamik klingt ja erstmal fremd und abschreckend. Wir möchten im Girls Day Workshop zeigen, dass Thermodynamik in ganz alltäglichen Dingen steckt, etwa in einer heißen Tasse Tee. Mit diesem grundlegenden Verständnis lässt sich später die Brücke schlagen, hin zu einem komplexen Flugzeugtriebwerk.

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