Selbst geplant, selbst gebaut: So lernen Architektur-Studierende

An Selbstbauprojekten kommen die Studierenden an der Universität nicht vorbei. D
An Selbstbauprojekten kommen die Studierenden an der Universität nicht vorbei. Dozierende vom Institut für Baukonstruktion stehen jederzeit mit fachlichem Rat zur Seite. Bild: Patrick Schneider, IBK
Vom Hörsaal ins Bauatelier: So sieht der Start im Studiengang Architektur und Stadtplanung an der Universität Stuttgart aus. Inspiriert von 500 Jahren Konstruktionssystemen der Architektur entwerfen und verwirklichen Studierende ihr eigenes nachhaltiges Bauprojekt. Entstanden sind zwölf Tragsysteme aus Holz, die nun in Vaihingen ausgestellt sind.
[Bild: Patrick Schneider, IBK]

Architekt*innen und Stadtplaner*innen brüten nur über Entwürfen und überlassen das Bauen lieber anderen? Weit gefehlt. Studierende an der Universität Stuttgart setzen bereits in den ersten Semestern ihre Pläne selbst in die Tat um und sammeln jede Menge Praxiswissen, stets begleitet von Dozierenden. ,,Unsere Lehre führt die Studierenden gleich zu Beginn des Studiums in die Situation der Handelnden", sagt Jens Ludloff vom Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Baukonstruktionen und Entwerfen. ,,Wenn wir so ausbilden, könnte die ,,Bauwende" noch gelingen."


Im Modul ,,Baukonstruktion und Nachhaltigkeit" lernen 164 Studierende bereits zu Beginn ihres Studiums die Welt der Baukonstruktion kennen. Als Inspirationsquelle für das Selbstbauprojekt dienen Analysen und Dokumentationen von rund 40 Gebäude in Stuttgart sowie 100 Jahre alte, ressourcensparende Konstruktionsweisen der Baugeschichte, wie Bohlenbinder, Zollingerkonstruktionen und Hebelstabwerke, die dann zu eigenständigen Konstruktionen weiterentwickelt werden. Entstanden sind so ressourceneffiziente leichte Schirmstützen, wie sie auch im nachhaltigen Bauen der Zukunft ihren Platz haben können.

In 15-köpfigen Teams erarbeiteten die Studierenden im ersten Semester, auf Grundlage ihrer Analysen, ihre Entwürfe und planten die Umsetzung. Im zweiten Semester dann die Bauphase: Innerhalb von nur drei Tagen errichteten sie zwölf ausschließlich aus Holz gefertigte Tragsysteme - in Anlehnung an ihre Form, ,,Schirmstützen" genannt.

Los ging es auf dem Campus Stadtmitte. Dort haben die Studierenden erste Elemente für den eigentlichen Bau vorbereitet. So ließ sich auch der doch recht ungewöhnliche Transport mit der S’Bahn zur Baustelle in Vaihingen besser bewältigen.

Nicht zu vergessen: die finale Belastungsprobe. Das Ziel war es, die Tragstützen so zu entwerfen, dass sie jeweils mindestens 200 Kilogramm Punktlasten tragen können. Doch auch starken Stürmen müssen die Schirmstützen trotzen.

Die Experimentalbauten sind nun in einer Bauausstellung im CIRCULEUM zu sehen - einem Social Startup des Planungsbüros Kreativhaltig und der Stuttgarter Jugendhaus Gesellschaft. Auf dem Gelände in der Ruppmannstraße 2 in Stuttgart-Vaihingen bilden sie eine offene Raumstruktur für Kunst, Kultur und Begegnung. Jede und jeder ist eingeladen, sich selbst vor Ort ein Bild zu machen.

Architektinnen und Architekten haben die Aufgabe, Stadträume und Landschaften für eine lebenswerte Zukunft zu erhalten, zu gestalten und aufzuwerten. Sie reagieren auf permanenten Wandel und entwickeln Vorstellungen für eine Welt von morgen. Nachhaltige Baumaterialien, robotische Fertigungsprozesse und neuartige, ressourceneffiziente Bauweisen spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. An der Universität Stuttgart lernen die Studierenden darum bereits zu Beginn ihres Studiums sowohl künstlerische als auch technische, geschichtliche und gesellschaftliche Aspekte des Bauens kennen und setzen Theorie in Entwurfsund Projektarbeiten um.

Fachlicher Kontakt: Prof. Jens Ludloff, Universität Stuttgart, Lehrstuhl für Nachhaltigkeit, Baukonstruktion und Entwerfen am Institut für Baukonstruktion (IBK), 711 685 82910, E-Mail

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