Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz: Sicherheit für die Energiewende
Seit mehr als zehn Jahren würdigt der DAAD junge Menschen, die durch hohes akademisches Niveau und besonderes Engagement das Bild einer globalen Hochschulgemeinschaft prägen, mit einer besonderen Auszeichnung. ,,Es ist mir eine besondere Ehre, heute eine Persönlichkeit zu würdigen, deren Engagement, Haltung und akademische Exzellenz beispielhaft zeigen, wofür der DAAD-Preis für hervorragende internationale Studierende steht: Frau M. Sc. Kamila Cristina Costa, Promotionsstudentin der TU Ilmenau aus Brasilien und Stipendiatin der Deutschen Bundesstiftung Umwelt", so Dr. Diana-Moehrke Rasul, stellvertretende Leiterin des International Office an der TU Ilmenau, in ihrer Laudatio.Die Doktorandin, aktuell im dritten Jahr ihrer Promotion, beeindrucke durch ihre anspruchsvolle Forschung zur Optimierung des Blitzund Überspannungsschutzes großer Photovoltaikund Agri-Photovoltaikanlagen - ,,einem Thema von hoher gesellschaftlicher Relevanz für die Energiewende und für nachhaltige Entwicklung weltweit."
Mit ihrer Promotion arbeitet Kamila Costa daran, Photovoltaik-Anlagen sicherer und effizienter zu machen. Besonders im Fokus stehen Agrivoltaikanlagen, für die es bisher kaum praxisnahe Blitzschutzvorschriften gibt. Basierend auf Daten und Anforderungen realer Anlagenbetreiber berechnet und simuliert sie, wie Fangeinrichtungen und Erdungsanlagen ausgelegt sein müssen, um Blitzeinschläge sicherer abzufangen und abzuleiten, Ausfälle zu verhindern, Wartungskosten zu senken und Personal wie Nutztiere zu schützen. Damit sorgt sie dafür, dass die Anlagen zuverlässig Strom liefern, länger halten und dass innovative Flächenkonzepte im Rahmen der Energiewende breite Akzeptanz finden.
Was sie bei diesen Forschungen antreibt, beschreibt Kamila Costa selbst so:
Neugier stand von Anfang an im Zentrum meines Weges.
Was während ihres Bachelorstudiums als Faszination für Blitzschutz begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem tiefen Engagement für elektrische Energiesysteme im Kontext erneuerbarer Energien. In Projekten zu Erdungssystemen, elektromagnetischen Störungen oder der technischen Beratung verband sie Forschung immer auch mit praktischer Anwendung.
Heute, während ihrer Promotion an der TU Ilmenau, sieht sie ihre Aufgabe im großen Ganzen:
Forschung ist für mich nicht nur ein Beruf, sondern eine Aufgabe mit Sinn. Sie ist für mich eine Möglichkeit, zu wachsen, etwas beizutragen und meine Neugier lebendig zu halten.
Dass die junge Frau auch weit über den Tellerrand hinausschaut, hat auch ihren Betreuer Prof. Michael Rock beeindruckt:
Eine derart aktive, gemeinschaftlich orientierte Doktorandin habe ich bisher noch nicht kennenlernen dürfen.
Mehr als Forschung: Engagement für Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Austausch
Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts engagierte sich Kamila Costa im German Language Club - einem Ort, der weit mehr ist als ein Sprachlernformat. Dort baute sie ihre Deutschkenntnisse aus, unterstützte andere mit Englisch und Portugiesisch und knüpfte erste Netzwerke. Daraus erwuchs bald ein tieferes Engagement für interkulturellen Austausch, etwa im Tandemprogramm mit einer Ilmenauer Schule.Ihr Interesse an Nachhaltigkeit führte sie in die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit der TU Ilmenau und zur Ilmenauer Regionalgruppe ,,Ingenieure ohne Grenzen". Dort wirkte sie an der Planung einer PV-Dachanlage für eine Kulturküche in Malawi mit.
Als sie Anfang 2025 in die intensive Phase ihrer Promotion eintrat, entstand aus einer persönlichen Beobachtung ein neues Projekt: der PhD-Stammtisch. Heute ist er ein fester Bestandteil der Ilmenauer Nachwuchsforschungscommunity. Ein Raum ohne Leistungsdruck, wie sie betont: offen, unterstützend, menschlich - so wie sie selbst. Dr. Diana-Moehrke Rasul:
Frau Costa lebt jene Werte, die in einer global vernetzten Wissenschaft unverzichtbar sind - Interkulturalität, Solidarität, Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.
,,Ich musste hier wirklich bei null anfangen" - ein persönlicher Blick zurück
In ihrer Dankesrede teilte Kamila Costa offen ihren Weg nach Ilmenau:
Mein Weg hierher begann mit einem Traum: in Deutschland zu promovieren. Erst danach habe ich Ilmenau entdeckt.
Schon vor der Einschreibung unterstützten sie Mitarbeitende des International Office, des ASC und ihr späterer Betreuer - Erfahrungen, die ihr zeigten, dass sie willkommen ist. Dennoch war der Anfang herausfordernd:
Als ich vor fast drei Jahren angekommen bin, kam ich allein: ohne Familie, ohne Freunde. Und vor mir standen große Herausforderungen: die Promotion selbst, die deutsche Sprache, die neue Kultur. Ich musste hier wirklich bei null anfangen.
Mit der Zeit wurde Ilmenau zu einem Ort des Ankommens - nicht trotz seiner Größe, sondern wegen ihr:
Die Stadt ist klein, aber genau das hat mir gut gefallen: auch der Thüringer Wald - mein Lieblingsentspannungsort - die Ruhe und die Möglichkeit, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Doch am wichtigsten für sie waren die Menschen:
Ohne diese Menschen wäre meine Erfahrung hier nicht so reichhaltig gewesen - und es gäbe nicht einmal diesen Preis.
Freundschaften wurden zu einer Art Familie, Kolleginnen und Kollegen zu Wegbegleitern, der PhD-Stammtisch zu einer Gemeinschaft, die sie trägt.
Zwei Zuhause - und der DAAD-Preis als Brücke
Kurz vor Abreise in ihr Heimatland Brasilien, in das sie über den Jahreswechsel für paar Wochen heimkehren wird, formuliert sie etwas, das viele internationale Studierende bewegt, aber selten so klar ausgesprochen wird:
Heute weiß ich: Ich gehöre nicht ,weniger’ zu einem Ort, weil ich mein Land verlassen habe. Ich gehöre zu mehreren Orten. Brasilien bleibt mein Zuhause. Ilmenau ist eines geworden.
Genau dieses Gefühl ist es, das der DAAD-Preis sichtbar machen will: Jede internationale Studierende bringt etwas mit - und lässt etwas hier. Ein Austausch, der beide Seiten bereichert.



