Neuer Podcast: Soziologe und Kriminologe Jens Struck über Clankriminalität

Das Problem bestehe vor allem darin, dass es keine einheitliche Definition des Begriffs Clankriminalität gebe. Oft würden Bagatelldelikte mit schwerwiegenden Formen der Organisierten Kriminalität vermischt. Darum sei es wichtig, konkret zu bestimmen, was in den Lagebildern erfasst werden soll. "Der Einfluss von Familienmitgliedern auf kriminelle Handlungen lässt sich am besten über die Art und Weise des Tatvorgehens ermitteln", erklärt Jens Struck. Waren etwa Familienmitglieder an der Tat beteiligt? Haben sie bei der Planung der Tat unterstützt? Handelt es sich um organisierte Kriminalität oder um eine Affekthandlung, die vorab nicht intendiert war? "Durch diese Informationen bekommt die Polizei ein präziseres Bild über den Zusammenhang zwischen einer Tat und der Familienzugehörigkeit als durch statische Faktoren wie Familiennamen", unterstreicht der Experte.
Gleichwohl gebe es unabhängig von der Herkunft einen Zusammenhang zwischen familiären Einflüssen und Kriminalität. Studien zeigten, dass die Wahrscheinlichkeit für straffälliges Verhalten bei Kindern mit kriminell auffälligen Eltern etwa 2,4-mal höher sei. "Familien können eine Ressource und gleichzeitig ein Risikofaktor sein: Sie geben einerseits Halt und Bindung, andererseits können familiäre Einflüsse, Ausgrenzung oder Gewalt zu kriminellem Verhalten führen", erläutert Jens Struck. Daher plädiert er für eine ausgeprägtere Kriminalprävention für Kinder und Jugendliche. Wirksame, evaluierte Präventionsprogramme sowie frei zugängliche Freizeitangebote wie Jugendtreffs oder Vereinssport sollten ausgebaut werden, um möglichst viele junge Menschen sozial zu integrieren. Der münstersche Experte erinnert in diesem Zusammenhang an die These des bedeutenden Strafrechtswissenschaftlers Franz von Liszt: "Die beste Kriminalpolitik ist eine gute Sozialpolitik."
Umdenken - der Podcast der Universität Münster Im Podcast der Universität Münster kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen zu Wort. Sie berichten über ihre Forschungsschwerpunkte, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und ihre persönliche Motivation. Alle Folgen sind auf Spotify, Deezer, Apple Podcasts und unter folgendem Link zu hören: https://www.uni-muenster.de/kommunikation/podcast/index.html
