
Die Universität Stuttgart wartet mit einem breit gefächerten Studienangebot auf. Das trifft weltweit auf Interesse. Yerden Assanov aus Kasachstan hat den Bachelor in Technologiemanagement gemacht, im Masterstudiengang dann die Technische Kybernetik für sich entdeckt. Schon seit dem ersten Semester engagiert sich der 27-Jährige ehrenamtlich - als Semestersprecher, als Tutor im MentorING Programm , als Mentor im Rahmen des Interkulturellen Mentoringprogramms oder aktuell als Mathe-Tutor.
Herzlichen Glückwunsch Herr Assanov. Was bedeutet Ihnen der DAAD-Preis?
Der Preis, mit dem ich wirklich nicht gerechnet habe, ist für mich eine Anerkennung all meiner bisherigen Tätigkeiten. Letztendlich bin ich immer noch ein ausländischer Student, der zu Gast in diesem Land ist. So eine Auszeichnung zu bekommen, bedeutet mir sehr viel, man fühlt sich gesehen.
Wann und weshalb sind Sie nach Deutschland gekommen?
Ich kam schon 2014 mit dem Ziel nach Deutschland, Ingenieurwesen zu studieren. Mein Vater hat mit Ingenieuren aus Deutschland zusammengearbeitet, das hat mich inspiriert. In Bayern habe ich ein Internat besucht und dort auch das Abitur gemacht.
Was hat Sie bewogen an der Universität Stuttgart zu studieren?
Der Bachelorstudiengang Technologiemanagement ist kein reines Maschinenbaustudium, sondern kombiniert ingenieurwissenschaftliche und wirtschaftliche Module. Das hat meine Interessen damals sehr gut getroffen. Im Verlauf des Studiums habe ich dann die Mathematik und Regelungstechnik für mich entdeckt und mich für den Masterstudiengang Technische Kybernetik entschieden.
Was begeistert Sie an ihrem Studienfach - und können Sie Laien erklären, was Sie erforschen?
Durch das Erlernen spezieller mathematischer Methoden ist man in der Lage, verschiedene Problemstellungen aus Systemsicht zu analysieren und Lösungen dafür zu finden. Außerdem kann man sich durch das Kybernetik-Studium auch etwa in den Bereichen Robotik und Künstliche Intelligenz spezialisieren.
Schon seit Ihrem ersten Semester haben Sie sich ehrenamtlich an der Universität engagiert. Ist ehrenamtliches Engagement für Sie wichtig?
Ich helfe einfach gerne Menschen. In meinem Leben hatte ich tatsächlich das Glück, ein paar unglaubliche Menschen kennenzulernen, die mich inspiriert und motiviert haben. Deshalb möchte ich anderen Menschen helfen und etwas zurückgeben. Vielleicht habe ich jemandem geholfen, und diese Person hilft später wiederum anderen - so entsteht eine Kette guter Taten. Außerdem gab es auch Momente in meinem Leben, in denen ich selbst Hilfe gebraucht habe.
Wenn ich jemanden sehe, der in einer ähnlichen Situation steckt, dann helfe ich mit einem Rat und lade die Person auf einen Tee ein, weil sich Gespräche so leichter entwickeln. Ich helfe auch vielen russischsprachigen Studierenden an der Uni, die nicht so gut mit deutschen Studierenden vernetzt sind, versuche, sie mit anderen russischsprachigen Studierenden zu verbinden, und helfe ihnen, wo ich kann - egal, ob sie aus Kasachstan, Russland, der Ukraine, Usbekistan oder einem anderen Land kommen.
Gibt es Dinge, die Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben sind?
Als Mentor im Interkulturellen Mentoringprogramm hatte ich einen sehr coolen Mentee, der aus der Türkei kam. Der war noch nie in einer Therme, und dann sind ein paar Freunde von mir und ich mit ihm in die Therme in Bad Cannstatt gegangen. Auch andere typische ,,deutsche" Dinge habe ich ihm gezeigt, obwohl ich selbst kein Deutscher bin.
Sie leben jetzt schon lange in Deutschland...
Ja, ich lebe seit nunmehr elf Jahren in Deutschland und habe mich hier einigermaßen eingelebt. Ich kann nicht mehr sagen, dass ich mich zu 100 Prozent als Kasache fühle, aber ich fühle mich auch nicht als Deutscher. Ich versuche, immer die besten Dinge aus beiden Ländern und deren Kulturen mitzunehmen. Die Menschen in Deutschland sind sehr hilfsbereit und einfach nett - zumindest habe ich das hier an der Uni so erlebt. Insgesamt braucht man Zeit, um sich an den Rhythmus, die Regeln und das Leben in Deutschland zu gewöhnen. Ich glaube, jeder muss dafür sein eigenes ,,Kochrezept" finden.
Während des Studiums haben Sie in verschiedenen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Instituten mitgearbeitet - welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Nur positive! Ich habe gelernt, strukturiert zu arbeiten und mit verschiedenen Menschen zu kommunizieren - vor allem transparent und klar. Ich habe unterschiedliche Praktika gemacht und Tutorien gehalten, weil es mir wirklich Spaß macht, Menschen zu helfen. Ich glaube wirklich daran, dass Wissen Menschen weiterbringt. Außerdem habe ich - grob gesagt - als Programmierer gearbeitet und durch unterschiedliche Tätigkeiten verschiedene Bereiche ausprobiert. Nun weiß ich, was mich interessiert, und ich bin dankbar für jede einzelne Erfahrung. Nur so kann man sich selbst und die eigenen Vorlieben entdecken.
Wollen Sie an Ihrem ehrenamtlichen Engagement festhalten, und würden Sie Ihren Mitmenschen auch dazu raten?
Ja, sehr gerne. Momentan habe ich nicht so viel Zeit, da ich mich auf meinen Master konzentrieren muss, aber vielleicht bin ich im Sommer wieder beim Mentoring vom IZ dabei.
Ich würde es wirklich jedem empfehlen. Ich glaube, dass ich durch den Kontakt mit so vielen Menschen aus verschiedenen Ländern gelernt habe, dass ich mit fast jedem Menschen ein Gespräch anfangen kann. Auch denkt man oft, man würde die eine oder andere Kultur gut kennen. Aber dann trifft man plötzlich Menschen, die diese Meinung komplett verändern. Dadurch entwickelt man sich selbst weiter und erweitert den eigenen Horizont.
Zurzeit arbeite ich als Mathe-Tutor und beginne bald mit meiner Masterarbeit. Dank des Preisgeldes kann ich einen guten Monat sorgenfrei leben. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht genau, wie meine Zukunft aussehen wird. Ich würde auf jeden Fall gerne weiterhin in Deutschland bleiben, um mir hier eine Karriere aufzubauen, egal ob in der Wirtschaft oder Forschung. Ich gehe dabei immer einen Schritt nach dem anderen.
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