"Unsere Vision ist es, die Doktoranden interdisziplinär auszubilden"

Ionenkanäle einer Tumorzelle, gefärbt mit einer selektiven fluoreszierenden Sond

Ionenkanäle einer Tumorzelle, gefärbt mit einer selektiven fluoreszierenden Sonde. Rechts daneben eine Vergrößerung um 300 Prozent. © WWU/Chembion - Kathrin Brömmel

Mit "Chembion" (Chemical Biology of Ion Channels - Chemische Biologie von Ionenkanälen) geht am 27. Januar ein neues, Mitte 2019 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligtes Graduiertenkolleg an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) an den Start. Das englischsprachige Promotionsprogramm erhält für viereinhalb Jahre eine Förderung von rund vier Millionen Euro. Promovenden aus Medizin und Pharmazie forschen gemeinsam nach Möglichkeiten, um sogenannte Ionenkanäle in Zellmembranen zu steuern. Chembion-Sprecher Bernhard Wünsch vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der WWU erläutert im Interview mit Juliane Albrecht die Herausforderungen.

Was macht die Interdisziplinarität des Graduiertenkollegs konkret aus?

An dem Graduiertenkolleg sind sechs Gruppen aus der Medizinischen Fakultät und sechs Gruppen aus dem Fachbereich Chemie und Pharmazie beteiligt. Darüber hinaus ist die Emmy-Noether-Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Anna Junker aus dem European Institute for Molecular Imaging (EIMI) der WWU involviert. Die zentrale Forschungsidee ist es, die Funktion von Ionenkanälen auf molekularer Ebene zu verstehen und zu beeinflussen. Die Erkenntnisse werden gezielt genutzt, um die physiologischen Effekte von Ionenkanälen von der Einzelzelle bis zum Tier zu untersuchen. Dabei spielt auch die Bildgebung eine große Rolle, weshalb eine EIMI-Vertreterin dabei ist. Insofern passt Chembion hervorragend zum WWU-Forschungsschwerpunkt 'Zelldynamik und Bildgebung'.

Was ergeben sich für Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus der fächerübergreifenden Aufstellung des Kollegs?

Unsere Vision ist es, die Doktoranden interdisziplinär auszubilden und frühzeitig ihre Internationalisierung zu fördern. Zu diesem Zweck wechseln die Promovenden in verschiedene Laboratorien beteiligter Wissenschaftler, erlernen dort neue Arbeitstechniken, zu denen sie sonst keinen Zugang hätten. Essentiell ist ein dreibis sechsmonatiger Auslandsaufenthalt, während dem die Promovenden in einem internationalen Labor an ihren Projekten arbeiten.

Ein Schlüsselwort des Graduiertenkollegs sind sogenannte Ionenkanäle: Welche Bedeutung haben diese für spätere (medizinische) Anwendungsgebiete?

Zellen sind durch eine Lipiddoppelschicht, eine Zellmembran begrenzt, die für polare Ionen und Moleküle undurchlässig ist. Um die Zelle dennoch mit lebenswichtigen Ionen zu versorgen, befinden sich Ionenkanäle in der Zellmembran, durch die Ionen strömen können. Diese müssen aber sehr präzise kontrolliert werden, damit nicht unkontrolliert Ionen in die Zelle eindringen oder aus ihr ausströmen. Modulatoren von Ionenkanälen lassen sich zur Therapie von Herzrhythmusstörungen, neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise Epilepsie, Alzheimer und Multiple Sklerose oder auch Tumorerkrankungen einsetzen.

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