Europäischer Forschungsrat fördert drei Heidelberger Wissenschaftlerinnen

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Frauke Gräter | © HITS / Annette Mück

Frauke Gräter | © HITS / Annette Mück

Drei Wissenschaftlerinnen der Universität Heidelberg erhalten hochdotierte Förderungen des Europäischen Forschungsrates (ERC): Mit einem ERC Consolidator Grant für exzellente junge Forscherinnen und Forscher werden die Biophysikerin Frauke Gräter, die Astrophysikerin Saskia Hekker und die Physikerin Christine Selhuber-Unkel ausgezeichnet. Mit den Grants fördert der ERC ihre Forschungsarbeiten über einen Zeitraum von fünf Jahren. Dafür stehen Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 6,5 Millionen Euro zur Verfügung. Frauke Gräter und Saskia Hekker sind - neben ihren Professuren an der Ruperto Carola - Forschungsgruppenleiterinnen am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS).

Frauke Gräter ist Professorin für Molekulare Biomechanik an der Universität Heidelberg. Ihre gleichnamige Forschungsgruppe am HITS widmet sich mit Methoden des Hochleistungsrechnens und mithilfe von Simulationstechniken der Frage, wie mechanische Kräfte die inneren Abläufe des lebenden Organismus beeinflussen. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Proteinen. In ihrem ERC-Projekt ,,Mechanoradicals in Collagen" (RADICOL) beschäftigen sich Gräter und ihr Team mit den Auswirkungen mechanischer Belastung auf Kollagen, dem Hauptbaustein unserer Bindegewebe. Dabei werden sie untersuchen, ob und wie hochreaktive Radikale im Kollagen zum Beispiel der Achillessehne entstehen und das Gewebe schädigen. Die Ergebnisse können wichtige Hinweise liefern für unser Verständnis von Alterung und Schmerz. Der ERC hat dafür Fördermittel in Höhe von rund zwei Millionen Euro bewilligt.

Dem Chemiestudium in Tübingen, Kyoto (Japan) und Heidelberg folgten die Promotion am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen und ein Postdoktoranden-Aufenthalt an der Columbia University in New York (USA). Anschließend leitete Frauke Gräter eine Nachwuchsforschergruppe am Institut für ,,Computational Biology" in Shanghai, einem Partner-Institut der Chinese Academy of Sciences und der Max-Planck-Gesellschaft. Seit 2009 forscht die Wissenschaftlerin am HITS. Im Jahr 2014 wurde sie zugleich Professorin an der Fakultät für Biowissenschaften der Universität Heidelberg. Dort gehörte Prof. Gräter von 2017 bis 2020 dem Direktorium des Interdisziplinären Zentrums für Wissenschaftliches Rechnen an.

Auf dem Gebiet der Astrophysik erforscht Saskia Hekker die inneren Strukturen von Sternen mithilfe ihrer globalen Schwingungen. Diese Oszillationen können Aufschluss darüber geben, welche physikalischen Bedingungen im Sterninnern vorherrschen. In ihrem ERC-Projekt ,,Internal structure of red-giant stars through the sound of dipole oscillation modes" (DipolarSound) wird die Wissenschaftlerin sogenannte ,,Rote Riesen" asteroseismologisch untersuchen. Die Oszillationen dieser großen, leuchtkräftigen Sterne weisen deutlich unterschiedliche Strukturen auf. Mithilfe der Oszillationsspektren will Prof. Hekker aufklären, welchen physikalischen Ursprung diese Unterschiede haben. Der Europäische Forschungsrat fördert das Projekt mit zwei Millionen Euro.

Saskia Hekker studierte Angewante Physik in Delft und wurde im Jahr 2007 an der niederländischen Universität Leiden promoviert. Nach Aufenthalten als Postdoktorandin am Royal Observatory of Belgium sowie den Universitäten Birmingham (Großbritannien) und Amsterdam (Niederlande) wechselte die Wissenschaftlerin im Jahr 2013 - gefördert mit einem ERC Starting Grant - an das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen und wurde dort im Jahr 2014 zugleich Leiterin einer unabhängigen Max-Planck-Nachwuchsforschergruppe. Seit September 2020 hat Saskia Hekker eine Professur für Theoretische Astrophysik an der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg inne. Am Heidelberger Institut für Theoretische Studien leitet sie die Arbeitsgruppe ,,Theorie und Beobachtungen von Sternen".

Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten von Christine Selhuber-Unkel stehen neuartige strukturierte Materialien, deren Funktionen durch molekulare Bausteine und Nanoteilchen kontrolliert werden. Die Wissenschaftlerin forscht am Institute for Molecular Systems Engineering (IMSE) der Universität Heidelberg an der Schnittstelle von Chemie, Physik, Materialwissenschaft und Biologie. Mit ihrem ERC-Projekt ,,Photomechanical writing of cell functions" (PHOTOMECH) verfolgt Prof. Selhuber-Unkel das Ziel, durch äußere physikalische Kräfte Zellfunktionen zu steuern. Dafür kombiniert sie photoschaltbare Materialien mit einem komplexen optischen System, das intensive Laserlichtpulse verwendet. Dieser Laser soll wie ein ,,Stift" eingesetzt werden, um Zellfunktionen dreidimensional zu schreiben und das Wachstum von Zellgeweben zu ermöglichen. Diese Forschungsarbeiten werden mit rund 2,5 Millionen Euro gefördert. Dem aktuellen Grant sind ein ERC Starting Grant und drei ergänzende Proof of Concept Grants des Europäischen Forschungsrates vorausgegangen.

Nach ihrem Physikstudium in Heidelberg und Uppsala (Schweden) wurde Christine Selhuber-Unkel im Jahr 2006 an der Universität Heidelberg promoviert und arbeitete anschließend als Postdoktorandin am Niels-Bohr-Institut in Kopenhagen (Dänemark). 2010 wechselte sie als Juniorprofessorin an das Institut für Materialwissenschaft der Universität zu Kiel und leitete eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe. Im darauffolgenden Jahr wurde die Wissenschaftlerin dort zur Professorin für Biokompatible Nanomaterialien ernannt. An der Fakultät für Chemie und Geowissenschaften der Universität Heidelberg ist sie seit Juli 2020 Professorin für Molecular Systems Engineering.

Der Consolidator Grant wendet sich an vielversprechende Forscherinnen und Forscher, deren eigene unabhängige Arbeitsgruppe sich in der Konsolidierungsphase befindet. Zentrales Förderkriterium ist die wissenschaftliche Exzellenz.


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